Im Schweigen redet es…

Foto: © wak

Im Schweigen redet es,
Im Reden schweigt es.
Das große Tor der wahren Liebe steht offen;
Es kennt keine Hindernisse.
Fragt jemand: „Welche Wahrheit hast du erkannt?“,
Sag ich: „Die Macht der transzendenten Weisheit.“

Yoka Daishi (665 – 713) im „Shodoka“

 

Welches Leiden quält dich?

Simone Weil / Foto: Archiv

In der frühen Gralssage heißt es von dem Gral, einem wunderbaren Stein, der durch die Kraft der konsekrierten Hostie jeden Hunger sättigt, dass er dem zu eigen gehört, der an den Hüter, einen von der schmerzlichsten Verwundung zu drei Vierteln gelähmten König, als erster die Frage stellt: „Welches Leiden quält dich?“ Die Fülle der Nächstenliebe besteht einfach in der Fähigkeit, den Nächsten fragen zu können: „Welches Leiden quält dich?“

Simone Weil (1909 – 1943) in ihrer Abhandlung „Betrachtungen über den rechten Gebrauch des Schulunterrichts und des Studiums im Hinblick auf die Gottesliebe“. In: Das Unglück und die Gottesliebe. München 1953, S. 107f.

Mehr zu Simone Weil hier: https://mystikaktuell.wordpress.com/2019/08/07/simone-weil-mystikerin-philosophin-rebellin-doing-nothing-am-8-september-2019-herzliche-einladung/

Ramana Maharshi und Doing Nothing / Mystikkreis Köln am 7. Juli 2019

Das OM stammt von einem Siebdruck aus Arunachala / Foto: wak

Mehr Informationen hier: https://mystikaktuell.wordpress.com/2019/06/07/ramana-maharshi-und-doing-nothing-mystikkreis-am-7-juli-2019/

Ramana Maharshi und Doing Nothing / Mystikkreis am 7. Juli 2019

Ramana Maharshi

Herzliche Einladung zum Mystikkreis am 7. Juli 2019:

Ramana Maharshi (1879 -1950) war einer der strahlendsten und edelsten unter den Weisen Indiens.

Nach einer atemberaubenden inneren Reise zur Erleuchtung lebte er, umgeben von seinen Schülern, am Berg Arunachala in Süd-Indien hauptsächlich schweigend – antwortete jedoch auf Fragen spirituell Interessierter. Auch wenn er sich selbst nicht einmal als Guru bezeichnen würde, wird als der wichtigste Vertreter des Advaita Vedanta des 20. Jahrhunderts angesehen.
Er empfahl Ratsuchenden, die nach einer Übung fragten, die Methode Atma Vichara, die Ergründung des Selbst auf Grundlage der Frage: „Wer bin ich?“. Dutzende heutige westliche Satsang-Lehrer berufen sich auf ihn und sehen in ihm ein Vorbild. Seine Stille und seine Worte waren darüber hinaus Inspiration für viele seine Zeitgenossen. So schrieb zum Beispiel C.G. Jung über Ramana Maharshi „Das Ziel östlicher Praktik ist dasselbe wie das der westlichen Mystik: Der Schwerpunkt wird vom Ich zum Selbst, vom Menschen zu Gott verschoben; was bedeuten will, dass das Ich im Selbst, der Mensch in Gott verschwindet.“

Aus dem Buch „Be as you are“ über ihn von einem Zeitzeugen:
„Er beteiligte sich an der Gemeinschaftsarbeit des Ashrams und stand jahrelang um 3 Uhr morgens auf, um den Bewohnern das Essen zuzubereiten. Sein Gleichheitsgefühl war legendär. Wenn Besucher kamen, machte es keinen Unterschied, ob es sich nun um VIP´s, Bauern oder Tiere handelte – sie alle wurden mit gleichem Respekt und Rücksicht behandelt. Seine unterschiedlose Sorge erstreckte sich sogar auf die Bäume; er ermutigte seine Anhänger dazu, keine Blumen oder Blätter von ihnen zu pflücken, und er versuchte sicherzustellen, dass, wenn Früchte von den Ashram-Bäumen genommen wurden, dies so geschieht, dass die Bäume ein Minimum an Schmerzen erleiden. Während dieser Zeit (1925-50) war das Zentrum des Ashram-Lebens die große Halle, in der Sri Ramana schlief, aß und seine Schüler empfing. Den größten Teil des Tages verbrachte er in einer Ecke auf einem Sofa, wo er seine stille Kraft ausstrahlte und gleichzeitig Fragen von Besuchern aufgriff, die in einem ständigen Strom aus allen Ecken der Welt zu ihm pilgerten.“

Mit der Frage: Wer bin ich? zur Selbst-Erforschung-Fragen, die Ramana seinen Schülern gegeben hat,um zu ihrem wahren Selbst zu finden und vieles mehr, wollen wir uns am nächsten Mystiksonntag austauschen und auf Erfahrungsebene forschend annähern.

– – – Wenn jemand einfach nur Interesse an der Praxis des Doing Nothing hat, könnte er oder sie gerne erst um 12:00 dazu kommen. – – – –

Organisatorisches:
Damit wir besser planen können, bitten wir um frühzeitige Anmeldung bei
Rani Kaluza: Tel: 0221 2406997/ eMail: weissefeder@netcologne.de

Vielen Dank!

Wir treffen uns etwa ein Mal im Monat im Kölner Stadtteil Sülz.
An diesen Sonntagen wird für beides Zeit sein – für stilles kontemplatives Sitzen und für das Studieren mystischer Texte & Themen sowie den gemeinsamen Austausch. Der private Kurs ist auf 12 Teilnehmer beschränkt. Kostenbeitrag für den ganzen Tag: 15,– Euro (+ ein freiwilliger Obolus für den Mittagstisch). Kostenbeitrag nur für den Nachmittag: 10,– Euro.

Wir freuen uns auf Euer / Ihr Kommen:

Rani und Werner

Informationen und Anmeldung auch hier: https://www.facebook.com/events/2342174475825305/

Gingko biloba: Dieses Baums Blatt, der von Osten meinem Garten anvertraut…

Bildquelle: wikimedia – gemeinfrei

Die Reinschrift von Goethes „Gingko biloba“ befindet sich im Düsseldorfer Literaturmuseum Schloss Jägerhof – nicht in Weimar, wie erwartet werden könnte…

Gingko biloba

Dieses Baums Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Giebt geheimen Sinn zu kosten,
Wie’s den Wissenden erbaut,

Ist es Ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwei, die sich erlesen,
Daß man sie als Eines kennt?

Solche Frage zu erwidern,
Fand ich wohl den rechten Sinn,
Fühlst du nicht an meinen Liedern,
Daß ich Eins und doppelt bin?

Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832) im Jahr 1815.
Das Gedicht erschien im „Buch Suleika“ des „West-Östlichen Divan“

Bekanntwerden mit uns selbst

Foto: Marlies Schwochow +

Zen stellt keine „Motivation“ und auch kein „Interesse“ dar, irgendwohin zu gehen, gar irgendetwas zu tun, etwas zu „finden“ – Zen ist ganz einfach nur das Bekanntwerden mit uns. Wir sind. Folglich liegt es auf der Hand, dass wir auch wissen wollen, wer wir tatsächlich sind, und wer ich bin und wer Sie sind. Dazu ist keine besondere Neugierde erforderlich. Denn indem wir dieser Frage nachgehen, wollen wir ja gerade nichts „werden“; wir befinden uns nur auf dem Weg zu sein, uneingeschränkt nur zu sein.

Hans-Peter Hempel (*1934) in: Alle Menschen sind Buddha. Der Weg des Zen. Leipzig 2002, S. 83