Aller Dinge Grund und Anfang

Jacob Böhme (1575 – 1624) / Bild: Archiv

Ich bekenne Einen Ewigen Gott, der da ist das Ewige, unanfängliche, einige, gute Wesen, das da außer aller Natur und Kreatur in sich selber wohnet, und keines Orts noch Raumes bedarf, auch keiner Messlichkeit, vielweniger einigem Begriff der Natur und Creatur unterworfen ist. Und bekenne, dass dieser einige Gott dreifaltig in Personen sei, in gleicher Allmacht und Kraft, als Vater, Sohn und H. Geist. Und bekenne, dass dieses dreieinige Wesen auf einmal zugleich alle Dinge erfülle, und auch aller Dinge Grund und Anfang sei gewesen, und noch sei, auch ewig bleibe. Mehr glaube und bekenne ich, dass die ewige Kraft, als das Göttliche Hauchen oder Sprechen, sei ausgeflossen und sichtbar worden; in welchem ausgeflossenen Worte der innere Himmel und die sichtbare Welt stehet, samt allem Creatürlichem Wesen, dass Gott habe alle Dinge durch sein Wort gemacht.

Jacob Böhme (1575 – 1624) in seiner „ Schutzrede wieder Gregor Richtern“

Engel, Heilige oder Lichtgestalt

Foto: (c) wak

Wenn du ruhen willst und allein sein mit deinem einzigen Gott, sollst du nichts annehmen, was mit den Sinnen oder im Geiste schaubar wäre, weder in dir noch außer dir, sogar wenn es das dem Geiste erscheinende Bild Christi wäre oder die Engel oder Heilige oder eine Lichtgestalt. Bleibe solchen Dingen gegenüber kritisch und unbeweglich …

Der heilige Nilus. Zitiert in: Das Herzensgebet. Mystik und Yoga der Ostkirche, München-Planegg 1957

Der Sufismus oder die Mystik

Der Sufismus oder die Mystik

  1. ist die Essenz alles Wissens.
  2. Er ist die Reinigung des Herzens und der Seele.
  3. Er ist das Vereintwerden mit Gott.
  4. Er ist das Wegnehmen der Schleier zwischen Mensch und Gott.
  5. Er ist die Bemeisterung der Gegenwart und die Sicherung der Zukunft.
  6. Er ist die Aufopferung der Ichheit.
  7. Er ist der Verzicht auf die Güter beider Welten.
  8. Er ist das innere Sichfinden, das innere Lauschen und das innere Entzücken.
  9. Er ist die Einweihung im Tempel der Wahrheit.
  10. Er ist die Entzündung des Gottesfunkens im Herzen.
  11. Er ist das Verzichten auf die Selbstüberhebung und Selbstanbetung.
  12. Er ist der Führer zur Einheit.
  13. Er ist das Schließen der Augen für alles außer Gott.
  14. Er ist das Nichtsein in sich und das Da-Sein in Gott,
  15. Er ist das Aufheben des Vorhanges der Geheimnisse Gottes.
  16. Er ist das Erlöstsein vom Ich und das Vereintsein mit dem Du.
  17. Er ist das Nichtsein, das alles Dasein umschließt.
  18. Er ist das Sichselbstbeschauen der Seele im Spiegel der göttlichen Liebe.
  19. Er ist das Schweigen der Vergänglichkeit und das Reden der Ewigkeit im Menschen.
  20. Er ist das Sterben, welches das ewige Leben in sich trägt.
  21. Er ist das Empfinden des Erlöstseins vom Dasein und vom Nichtdasein.

Iranschähr, Hossein Kazemzadeh (1884 -1962): Leben und Sprüche der Sufi-Meister des Islams,, Berlin 1934, S. 11-12

 

 

Auch in dir verborgen

Was auch immer in dieser Welt ist,
wenn es außer dir ist,
ist es nicht.

Was auch immer du suchst,
suche es in dir darinnen,

denn alles, was du suchst,
ist auch in dir verborgen.

Dschelaluddin Rumi (1207-1273)

Im innersten Herzen des Menschen

 

juedischFoto © wak

Es gibt eine Wirklichkeit, die außer der Welt liegt, das heißt außer Raum und Zeit, außerhalb der geistigen Welt des Menschen, außerhalb jeden Bereichs, der den menschlichen Fähigkeiten zugänglich ist. Dieser Wirklichkeit entspricht im innersten Herzen des Menschen jene Forderung nach einem absoluten Guten, die dort immer wohnt und in dieser Welt niemals ein Ziel findet.

Simone Weil (1909 – 1943)

Im Herzen des Menschen

Es gibt eine Wirklichkeit, die außer der Welt liegt, das heißt außer Raum und Zeit, außerhalb der geistigen Welt des Menschen, außerhalb jeden Bereichs, der den menschlichen Fähigkeiten zugänglich ist. Dieser Wirklichkeit entspricht im innersten Herzen des Menschen jene Forderung nach einem absoluten Guten, die dort immer wohnt und in dieser Welt niemals ein Ziel findet.

Simone Weil (1909 – 1943)