In allem will Gott Begegnung feiern

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Das eine ist mir so klar und spürbar wie selten:
Die Welt ist Gottes so voll.
Aus allen Poren der Dinge quillt er gleichsam uns entgegen.
Wir aber sind oft blind.
Wir bleiben in den schönen und bösen Stunden hängen
und erleben sie nicht durch bis an den Brunnenpunkt,
an dem sie aus Gott herausströmen.
Das gilt für alles Schöne und auch für das Elend.
In allem will Gott Begegnung feiern
und fragt und will die anbetende, hingebende Antwort.
Die Kunst und der Auftrag ist nur dieser, aus diesen Einsichten und Gnaden
dauerndes Bewusstsein und dauernde Haltung zu machen
und werden zu lassen.
Dann wird das Leben frei in der Freiheit, die wir immer gesucht haben.

Alfred Delp (1907 – 1945) hat diese Zeilen am 17. November 1944 mit gefesselten Händen in seiner Zelle im Gefängnis Berlin-Tegel geschrieben. Gefunden habe ich den Text hier: http://www.sankt-peter-koeln.de/wp/veranstaltungen/elemente-ignatianischer-spiritualitat/

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Gelassenheit und wonnigliche Freude

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Das Pferd macht den Mist in den Stall, und obgleich der Mist Unsauberkeit und üblen Geruch an sich hat, so zieht doch dasselbe Pferd denselben Mist mit großer Mühe auf das Feld; und daraus wächst der edle schöne Weizen und der edle süße Wein, der niemals so wüchse, wäre der Mist nicht da. Nun, dein Mist, das sind deine eigenen Mängel, die du nicht beseitigen, nicht überwinden noch ablegen kannst; die trage mit Mühe und Fleiß auf den Acker des liebreichen Willens Gottes in rechter Gelassenheit deiner selbst. Streue deinen Mist auf dieses edle Feld; daraus sprießt ohne allen Zweifel in demütiger Gelassenheit edle, wonnigliche Frucht auf.

In: Emmanuel Jungclaussen, Der Meister in dir. Entdeckung der inneren Welt nach Johannes Tauler, Verlag Herder, Freiburg-Basel-Wien 1975

Mehr zu Johannes Tauler am 6. Januar hier: https://mystikaktuell.wordpress.com/2018/12/03/seine-sprache-ist-wie-ein-bergquell-johannes-tauler-im-mystikkreis-am-6-januar-2019/

So oder so sind wir schon angekommen

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Die Sache mit Zen ist,
dass es Widersprüche bis an die äußerste Grenze treibt,
wo man dann zwischen Verrücktheit und Unschuld zu wählen hat.

Und Zen sagt,
dass wir vielleicht in einer kosmischen Dimension auf sie zutreiben.
Auf sie zutreiben,
denn so oder so, als Verrückte oder als Unschuldige,
sind wir schon angekommen.

Es kann nicht schaden,
wenn wir einfach die Augen öffnen und sehen.

Thomas Merton (1915 – 1968)

 

Gefunden habe ich diesen Text hier: http://satyamnitya.wordpress.com/2012/04/01/thomas-merton-so-oder-so-sind-wir-schon-angekommen/

Mehr zu Thomas Merton am 12. August hier: https://mystikaktuell.wordpress.com/2018/07/08/mystik-hier-und-jetzt-thomas-merton-1915-1968-moench-poet-und-rebell-12-august-2018/

Eine Heimat zu seiner ersten Heimat machen

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Ich war im Katholizismus zuhause, nicht im römischen Katholizismus, aber im Katholizismus, ich bin im Protestantismus zuhause – jetzt vorrangig im Protestantismus – weil es schön ist, mehrere Heimaten zu haben. Und trotzdem muss man eine Heimat zu seiner ersten Heimat machen, sonst verspielt man sich im Leben. Und ich glaube, wer nur eine Heimat überhaupt gekannt hat, der ist in ihr eingekerkert, der kennt sich selbst nicht, weil er nur sich selbst kennt.

Fulbert Steffensky (*1933)

Immer schon da

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Das, was man christliche Religion nennt,
war bei den Menschen des Altertums vorhanden
und immer schon da
vom Anfang des Menschengeschlechts
bis zum leibhaftigen Erscheinen Christi.

Augustinus (354 – 430) in „De Vera Religione“, 10