Gelassenheit und wonnigliche Freude

Foto: © wak

Das Pferd macht den Mist in den Stall, und obgleich der Mist Unsauberkeit und üblen Geruch an sich hat, so zieht doch dasselbe Pferd denselben Mist mit großer Mühe auf das Feld; und daraus wächst der edle schöne Weizen und der edle süße Wein, der niemals so wüchse, wäre der Mist nicht da. Nun, dein Mist, das sind deine eigenen Mängel, die du nicht beseitigen, nicht überwinden noch ablegen kannst; die trage mit Mühe und Fleiß auf den Acker des liebreichen Willens Gottes in rechter Gelassenheit deiner selbst. Streue deinen Mist auf dieses edle Feld; daraus sprießt ohne allen Zweifel in demütiger Gelassenheit edle, wonnigliche Frucht auf.

In: Emmanuel Jungclaussen, Der Meister in dir. Entdeckung der inneren Welt nach Johannes Tauler, Verlag Herder, Freiburg-Basel-Wien 1975

Mehr zu Johannes Tauler am 6. Januar hier: https://mystikaktuell.wordpress.com/2018/12/03/seine-sprache-ist-wie-ein-bergquell-johannes-tauler-im-mystikkreis-am-6-januar-2019/

Advertisements

So oder so sind wir schon angekommen

Foto: © wak

 

Die Sache mit Zen ist,
dass es Widersprüche bis an die äußerste Grenze treibt,
wo man dann zwischen Verrücktheit und Unschuld zu wählen hat.

Und Zen sagt,
dass wir vielleicht in einer kosmischen Dimension auf sie zutreiben.
Auf sie zutreiben,
denn so oder so, als Verrückte oder als Unschuldige,
sind wir schon angekommen.

Es kann nicht schaden,
wenn wir einfach die Augen öffnen und sehen.

Thomas Merton (1915 – 1968)

 

Gefunden habe ich diesen Text hier: http://satyamnitya.wordpress.com/2012/04/01/thomas-merton-so-oder-so-sind-wir-schon-angekommen/

Mehr zu Thomas Merton am 12. August hier: https://mystikaktuell.wordpress.com/2018/07/08/mystik-hier-und-jetzt-thomas-merton-1915-1968-moench-poet-und-rebell-12-august-2018/

Eine Heimat zu seiner ersten Heimat machen

Foto: © wak

 

Ich war im Katholizismus zuhause, nicht im römischen Katholizismus, aber im Katholizismus, ich bin im Protestantismus zuhause – jetzt vorrangig im Protestantismus – weil es schön ist, mehrere Heimaten zu haben. Und trotzdem muss man eine Heimat zu seiner ersten Heimat machen, sonst verspielt man sich im Leben. Und ich glaube, wer nur eine Heimat überhaupt gekannt hat, der ist in ihr eingekerkert, der kennt sich selbst nicht, weil er nur sich selbst kennt.

Fulbert Steffensky (*1933)

Immer schon da

Foto: © wak

Das, was man christliche Religion nennt,
war bei den Menschen des Altertums vorhanden
und immer schon da
vom Anfang des Menschengeschlechts
bis zum leibhaftigen Erscheinen Christi.

Augustinus (354 – 430) in „De Vera Religione“, 10

Schon unzählige Buddhas

Selber müssen sich die Wesen
um die Erleuchtung bemühen;
auch ein Erwachter kann sie nicht erlösen.
Wenn er es könnte,
müssten alle Wesen schon erlöst sein,
denn es hat schon unzählige Buddhas gegeben.

Hui Hai (720-814)