Vom Dichter und drei Steineklopfern

Gustave Courbet: Die Steineklopfer | Bild: wikimedia, gemeinfrei

Auf dem Weg nach Chartres, so wird erzählt, sieht der Schriftsteller Charles Péguy (1873-1914) einen Mann am Straßenrand, der Steine klopft. Der Gesichtsausdruck des Steineklopfers ist gezeichnet von Elend und seine Gesten beim Schlagen sind voller Wut.
Péguy bleibt vor dem Mann stehen und fragt ihn:
„Was tun Sie da?“
„Siehst du,“ antwortet der Mann Péguy, „ich habe nichts anderes als diese dumme und schmerzhafte Arbeit gefunden.“

Péguy geht weiter und  sieht einen anderen Mann, der ebenfalls Steine zerschlägt. Doch dessen Gesicht ist heiter und seine Schläge auf die Steine sehen harmonisch aus.
„Was machen Sie, Monsieur?“
„Nun,  ich verdiene meinen Lebensunterhalt und ernähre meine Familie“, antwortet der Mann Péguy.

Etwas weiter erscheint ein dritter Steineklopfer, der geradezu vor Glück strahlt. Er lächelt beim Zertrümmern der Steinmasse und schaut zufrieden auf die von ihm abgeschlagenen Steinstücke.
„Was machst du da?“, fragt Péguy auch diesen Mann.
„Ich“, antwortet der Mann dem Literaten,
„Ich baue eine Kathedrale!“

Nacherzählt von w.a.k. ~ Berichtet wird die Geschichte von Boris Cyrulnik (* 1937). Mehr zu ihm hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Boris_Cyrulnik

Blicke wenigstens von Zeit zu Zeit zu Gott auf

Foto: © wak

Hast du nur gewöhnliche Beschäftigungen, die keine gesammelte Aufmerksamkeit verlangen, dann schau mehr auf Gott als auf deine Arbeit. Hast du aber eine Arbeit, die deine ganze Aufmerksamkeit beansprucht, dann blicke wenigstens von Zeit zu Zeit zu Gott auf, gleich dem Seemann auf offenem Meer: um seine Richtung einzuhalten, schaut er mehr auf den Himmel als auf das Wasser, auf dem er dahinfahrt. So wird Gott mit dir, in dir und für dich arbeiten, und deine Arbeit wird dir Freude bereiten.

Franz von Sales (1567 -1622)

 

Im Herzen eurer Mitmenschen dem Göttlichen Geliebten dienen

Meher Baba | Foto: Archiv

 

Wenn ihr, statt Kirchen, Tempel oder Moscheen zu erbauen, das Haus für euren göttlichen Geliebten in euren Herzen errichtet, ist meine Arbeit beendet.

Wenn ihr, statt Zeremonien und Rituale mechanisch nach alter Tradition zu zelebrieren, im Herzen eurer Mitmenschen dem Göttlichen Geliebten dient, wird meine Arbeit vollendet sein.

Meher Baba (1894 – 1969)

Ein wirklicher Künstler erkennt das Packende

 

Die Wissenden, die Erkennenden, die vielseitig Gebildeten müssen die Initiative des Lehrens ergreifen. Und da, wie wir gesehen haben, das Reden mit den Künstlern nicht hilft und sie das Geschriebene nicht lesen, so muss man zur Anschauung greifen.

Mag einer noch so verrannt in eine Manier sein, sei das Plein-air oder Symbolismus oder Impressionismus oder Empirestil: ein wirklicher Künstler, und es giebt deren, Gott sei Dank, viele, erkennt doch sofort das Starke, das überzeugend Packende in einer Arbeit, und mag sie aus der Steinzeit datieren oder aus den sechziger Jahren, und durch das Hineinleuchten in das Dunkle einer zu grossen Einseitigkeit können manche Grillen aufgescheucht werden.

Hermann Obrist, Warum über die Kunst schreiben?

Zuerst erschienen in: Dekorative Kunst, Zeitschrift für angewandte Kunst III. Jahrgang No 5,
Verlagsanstalt F. Bruckmann AG München Februar 1900

Der vollständige Text erschien hier:

MAGISCHE BLÄTTER
CI. JAHRGANG HERBST 2020
3. Quartalsausgabe August, September, Oktober, gebunden
ISBN.Nr. 978 -3-948594-03-9

HEFT 7 | August 2020 | TITELTHEMA: KUNST

https://verlagmagischeblaetter.eu/monatsschrift/magische-blaetter

Bestellt werden können die Magischen Blätter hier: kontakt@verlagmagischeblaetter.eu

 

Impulse für die geistige Entwicklung

Foto: © wak

Mit dem mystischen Schrifttum besitzen wir ein unschätzbares Gut, eine kostbare Quelle der Wahrheit, aus welcher der suchende Mensch die Erkenntnisse schöpfen kann, nach denen seine Seele verlangt. Eine entscheidende mystische Wahrheit besagt jedoch, dass der Mensch aus der Mystik nicht nur Wissen umd „letzte Dinge“ gewinnen sollte, sondern vor allem auch Impulse für die Arbeit an seiner geistigen Entwicklung, die letztlich die einzig wahre Sinngebung für ein erfülltes Leben zu gewähren vermag. Die Mystiker haben diesem Anliegen die allergrößte Bedeutung beigemessen und ihre Lehren enthalten entsprechende Aufforderungen sowie Anleitungen für das Erreichen diese Zieles.

René Bütler (1923 – 2016)

Der Kapitalismus ist eine unpersönliche Macht

Foto: © wak

 

Der Kapitalismus ist eine unpersönliche Macht,
die Arbeit ist das Persönlichste, was es gibt,
und so lange das Unpersönliche
über das Persönliche dominiert,
kann von sittlichen Beziehungen keine Rede sein.

Lukas Stückelberger 1911 (Redakteur der schweizerischen Zeitschrift „Neue Wege“)

Tritt wie der Mond hinter den Wolken hervor

Impression von der Raketenstation HombroichFoto: © wak

Wer immer sich auf die Suche macht,
wird der Welt zum Licht,
ganz gleich, wie unwissend er noch ist.

Doch der Erwachte verbreitet
Tag und Nacht Licht des Geistes.

Meditiere. Führe ein einfaches Leben.
Sei gelassen. Verrichte gekonnt deine Arbeit.

Tritt wie der Mond
hinter den Wolken hervor und leuchte.

Aus dem Dhammapada

Auf unser Herz treffen

Die Anleitungen zur Achtsamkeit, zur Leerheit oder zur Arbeit mit Energie sagen alle dasselbe: dranbleiben, exakt am Punkt bleiben, das nagelt uns fest. Es legt uns auf genau den Kreuzungspunkt von Raum und Zeit fest, an dem wir uns befinden. Wenn wir genau hier innehalten und die Impulse nicht ausagieren oder unterdrücken und weder anderen noch uns selbst die Schuld geben, dann treffen wir auf eine offene Frage, auf die es keine schematische Antwort gibt. Wir treffen auf unser Herz.

Pema Chödrön (* 1936 )

Herzen und Hände werden gebraucht

Foto: © wak

Die Hinwendung zu einer lebendigen Zukunft bedeutet nicht nur weniger CO2-Emissionen, sondern eine einschneidende Revolution unseres Bewusstseins. Ein Umbruch, die Erde nicht mehr als etwas von uns Getrenntes zu sehen – sei es Ressource zur Ausbeutung oder als ein zu lösendes Problem – , sondern als ein Lebewesen, zu dem wir alle gehören, das in Bedrängnis ist und unsere Liebe und Fürsorge und Aufmerksamkeit braucht. Wir wissen nicht, wie unsere Zivilisation enden oder wie lange es dauern wird – wir leben in einer Zeit radikaler Ungewissheit. Aber wir können merken, dass sie vorbei ist und dass die Samen einer neuen Ära bereits da sind, wenn auch weitestgehend unerkannt. Wenn unsere gemeinsame Zukunft in jeder Hinsicht wirklich nachhaltig sein soll, müssen wir zu einer lebendigen Beziehung zur Erde zurückkehren, einem Zustand des „Interbeing“, des Verbundenseins. Nur dann können wir unser Bewusstsein dahin wenden, wie eine neue Zivilisation geboren werden kann, die im Gleichgewicht und in Harmonie mit der Erde und Ihren lebenden Systemen existiert. Es besteht eine Dringlichkeit für diese Arbeit, auch wenn es vielleicht Jahrhunderte dauert, dass sich diese Zukunft entfaltet – und dazu werden unsere Herzen und Hände gebraucht.

Llewellyn Vaughan-Lee (* 1953)

Den vollständigen Text gibt es hier: https://goldensufi.org/de/radikale-resilienz-eine-innere-veraenderung/