Tritt wie der Mond hinter den Wolken hervor

Impression von der Raketenstation HombroichFoto: © wak

Wer immer sich auf die Suche macht,
wird der Welt zum Licht,
ganz gleich, wie unwissend er noch ist.

Doch der Erwachte verbreitet
Tag und Nacht Licht des Geistes.

Meditiere. Führe ein einfaches Leben.
Sei gelassen. Verrichte gekonnt deine Arbeit.

Tritt wie der Mond
hinter den Wolken hervor und leuchte.

Aus dem Dhammapada

Auf unser Herz treffen

Die Anleitungen zur Achtsamkeit, zur Leerheit oder zur Arbeit mit Energie sagen alle dasselbe: dranbleiben, exakt am Punkt bleiben, das nagelt uns fest. Es legt uns auf genau den Kreuzungspunkt von Raum und Zeit fest, an dem wir uns befinden. Wenn wir genau hier innehalten und die Impulse nicht ausagieren oder unterdrücken und weder anderen noch uns selbst die Schuld geben, dann treffen wir auf eine offene Frage, auf die es keine schematische Antwort gibt. Wir treffen auf unser Herz.

Pema Chödrön (* 1936 )

Herzen und Hände werden gebraucht

Foto: © wak

Die Hinwendung zu einer lebendigen Zukunft bedeutet nicht nur weniger CO2-Emissionen, sondern eine einschneidende Revolution unseres Bewusstseins. Ein Umbruch, die Erde nicht mehr als etwas von uns Getrenntes zu sehen – sei es Ressource zur Ausbeutung oder als ein zu lösendes Problem – , sondern als ein Lebewesen, zu dem wir alle gehören, das in Bedrängnis ist und unsere Liebe und Fürsorge und Aufmerksamkeit braucht. Wir wissen nicht, wie unsere Zivilisation enden oder wie lange es dauern wird – wir leben in einer Zeit radikaler Ungewissheit. Aber wir können merken, dass sie vorbei ist und dass die Samen einer neuen Ära bereits da sind, wenn auch weitestgehend unerkannt. Wenn unsere gemeinsame Zukunft in jeder Hinsicht wirklich nachhaltig sein soll, müssen wir zu einer lebendigen Beziehung zur Erde zurückkehren, einem Zustand des „Interbeing“, des Verbundenseins. Nur dann können wir unser Bewusstsein dahin wenden, wie eine neue Zivilisation geboren werden kann, die im Gleichgewicht und in Harmonie mit der Erde und Ihren lebenden Systemen existiert. Es besteht eine Dringlichkeit für diese Arbeit, auch wenn es vielleicht Jahrhunderte dauert, dass sich diese Zukunft entfaltet – und dazu werden unsere Herzen und Hände gebraucht.

Llewellyn Vaughan-Lee (* 1953)

Den vollständigen Text gibt es hier: https://goldensufi.org/de/radikale-resilienz-eine-innere-veraenderung/

Drei Arten in den Genuss der Kontemplation zu gelangen

Foto: © wak

Drei Männer hatten vor allem mit der Bundeslade des Alten Testaments zu tun: Moses, Beseleel und Aaron. Moses erfuhr auf dem Berge von unserem Herrn, wie sie gebaut werden sollte. Beseleel baute und fertigte sie im Tale an nach dem Urbild, das Moses auf dem Berge gezeigt worden war. Aaron war sie im Tempel anvertraut, und deshalb konnte er sie schauen und ihre Nähe spüren, sooft er wollte. Nach dem Vorbild und Gleichnis dieser drei Männer können wir aus der Gnade der Kontemplation in dreifacher Weise Nutzen ziehen. Manchmal kommt man zu diesem Werk nur aus Gnade, und dann gleichen wir Moses, der trotz aller Mühe, die es ihn kostete, den Berg zu erklimmen, nur selten die Lade schauen konnte; denn die Schau war für ihn nur möglich, weil Gott nach Seinem Willen sich ihm zeigte und nicht etwa, weil Moses sie sich durch seine Mühe verdient hatte. Andere Male ziehen wir Nutzen daraus durch unsere eigene geistige Kunstfertigkeit mit Hilfe der Gnade, und dann gleichen wir Beseleel, der die Bundeslade nicht eher sehen konnte, als bis er sie durch seiner Hände Arbeit mit Hilfe des Urbildes angefertigt hatte, das Moses auf dem Berg gezeigt worden war. Andere Male ziehen wir Nutzen aus dieser Gnade durch die Lehren anderer Menschen. Dann gleichen wir Aaron, dem die Lade, die Beseleel mit eigenen Händen angefertigt hatte, anvertraut war, und der sie gewöhnlich sehen und ihre Nähe spüren konnte, sooft er wollte. Siehe, mein geistlicher Freund, obwohl ich kindlich und laienhaft gesprochen habe, nehme ich Elender, der ich unwürdig bin, irgendeinen Menschen zu belehren, doch das Amt des Beseleel ein, indem ich für dich sozusagen diese geistliche Bundeslade anfertige und dir ihre Beschaffenheit erkläre. Aber weit besser und würdiger als ich kannst du wirken, wenn du Aaron sein willst; das heißt, wenn du ohne Unterlaß darin für dich und mich wirken willst. Ich bitte dich, tue also, um der Liebe Gottes, des Allmächtigen willen. Da wir beide von Gott berufen sind, in diesem Werk zu wirken, bitte ich dich, Gott zuliebe zu deinem Teil zu erfüllen, was mir an meinem fehlt.

Aus der „Wolke des Nichtwissens“ / 14. Jahrhundert

Frieden, Peace, Pace, Paix, Pax…

Text der Wandtafel im Vestibül des Raumes der Stille im Brandenburger Tor, Berlin

 

Alle haben gesündigt und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten. (Römer 3,23)

Darum beten wir:

Den Hass, der Rasse von Rasse trennt, Volk von Volk, Klasse von Klasse,
Vater, vergib.

Das Streben der Menschen und Völker zu besitzen, was nicht ihr eigen ist,
Vater, vergib.

Die Besitzgier, die die Arbeit der Menschen ausnutzt und die Erde verwüstet,
Vater, vergib.

Unseren Neid auf das Wohlergehen und Glück der anderen,
Vater, vergib.

Unsere mangelnde Teilnahme an der Not der Gefangenen, Heimatlosen und Flüchtlinge,
Vater, vergib.

Die Gier, die Frauen, Männer und Kinder entwürdigt und an Leib und Seele missbraucht,
Vater, vergib.

Den Hochmut, der uns verleitet, auf uns selbst zu vertrauen und nicht auf Gott,
Vater, vergib.

Seid untereinander freundlich, herzlich und vergebet einer dem anderen, gleichwie Gott euch vergeben hat in Jesus Christus. (Epheser 4,32)

AMEN

 

Nach der Zerstörung der Kathedrale von Coventry (Großbritannien) am 14./15.November 1940 durch deutsche Bombenangriffe ließ der damalige Dompropst Richard Howard die Worte „Vater vergib“ in die Chorwand der Ruine meißeln.

Diese Worte bestimmen das Versöhnungsgebet von Coventry, das die Aufgabe der Versöhnung in der weltweiten Christenheit umschreibt. Das Gebet wurde 1958 formuliert und wird seitdem an jedem Freitagmittag um 12 Uhr im Chorraum der Ruine der alten Kathedrale in Coventry und in vielen Nagelkreuzzentren der Welt gebetet.

Mehr Informationen dazu hier: http://nagelkreuz.org/versoehnung/versoehnungsgebet

Das schenken lassen, was wir verzweifelt suchen

Spirituelle Arbeit ist viel einfacher, als der Geist sie darstellt. Wir machen ein ernsthaftes und komplexes Projekt daraus, obwohl sie nur ein Spaziergang im Park und so nah wie der Gang selbst ist. Wir schlendern einfach nur gemächlich umher, umgeben von frischer Luft und Sonnenschein, und sehen, was es zu sehen gibt.

Das Leben wartet darauf, dass wir müde werden, unser Heil mental weiter vor uns herzuschieben, damit es uns in der Unmittelbarkeit des Jetzt das schenken kann, was wir so verzweifelt suchen.

Rodney Smith (*1948) in: Frei von Selbsttäuschung. Der buddhistische Weg aus der Ego-Falle