… möchte ich mich wohl lehren lassen

Jacob Böhme-Lesebuch (Paul Hankamer / Ronald Steckel)

Weil ichs aber nicht habe ergriffen, so lasse ichs meinem Gott und denen, so etwan Gott solches möchte zu erkennen geben, bis mir die Augen dessen Wesens, so es Gott gefiele, möchten eröffnet werden: denn es sind Geheimnisse, und ist dem Menschen ohne Gottes Befehl und Licht nicht damit zu schließen: So aber jemand dessen von Gott Erkenntnis und Erleuchtung hätte, möchte ich mich wohl lehren lassen, so ich dessen im Lichte der Natur möchte Grund haben.

Jacob Böhme (1575 – 1624): in: Von den letzten Zeiten, I, 28

In: Das Jacob Böhme Lesebuch. Aus Jakob Böhmes Schriften ausgewählt und eingeleitet von Paul Hankamer (1925). Neu herausgegeben, erweitert und mit einem Glossar versehen von Ronald Steckel (2022), Verlag Magische Blätter, Ronnenberg, S. 81
Mehr hier: https://verlagmagischeblaetter.eu/publikationsreihe/buecher

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Die Gerechtigkeit lieben

Wer die Gerechtigkeit liebt,
dessen nimmt sich die Gerechtigkeit an,
und er wird ergriffen von der Gerechtigkeit,
und er ist eins mit der Gerechtigkeit.

Meister Eckhart (1260 – 1328) in Predigt 31, Ego elegi vos de mundo (Joh. 15.16)

Teilhabe am göttlichen Leben ermöglichen

Gedenktafel für Meister Eckhart (um 1260 – 1328) am Erfurter Predigerkloster | Foto: © wak

Das Schaffen Meister Eckharts gehört in den Kontext von Geistesentwicklungen, die mit folgenden Stichworten gekennzeichnet werden können:

– Frauenmystik, Beginentum
– Armutsstreit
– erwachende bürgerliche Frömmigkeit
– Spannung zwischen Kaiser und Papst, z.B. Ludwig der Bayer und Papst Johannes XXII in Avignon.

Eckhart als bedeutender Philosoph steht in der Tradition der arabischen Philosophie und ihrer Rezeption in der Hochscholastik. Eckhart als bedeutender Theologe schließt sich häufig an Augustinus an, ist aber auch von Dionysius Areopagita (6. Jh.) beeinflusst. Seine zentralen Themen sind die Schöpfung im Ursprung und die Gottesgeburt, sowie eine besondere Bildtheologie. Eckhart als spiritueller „Lebemeister“ erreicht es, auch „Ungelehrte“ in der Volkssprache zuinteressieren… Es gelingt ihm mit einer Sprache, die voller Bilder ist, andere, falsche Bilder abzulösen, auch mit der starken Wahrheitsergriffenheit des Predigers, und schließlich damit, dass in der Predigt ein besonderer Austausch entstand, der die Teilhabe am göttlichen Leben ermöglichte.

Leicht gekürzter Hinweis auf Meister Eckhart unter „Biographisches“ auf der Seite der Erfurter Predigergemeinde. Der vollständige Text findet sich hier: https://www.meister-eckhart-erfurt.de/biographisches/

Echte von unechten Meistern unterscheiden

Wer sich aber im Innersten seines Innern ergriffen und gewandelt fühlt von den lichtstrahlenden Worten eines Laotse, eines Jesus, eines Bô Yin Râ, der wird instinktsicher die echten Meister von den unechten zu unterscheiden wissen; ihm werden sich die inneren Augen öffnen.

Bô Yin Râ – Lao tse.
Eine Parallele von Maria Wollwerth-Rostock. Magnum Opus, 1926, Heft 11, S. 323-331

Neu nachzulesen in: Magische Blätter. Monatsschrift für geistige Lebensgestaltung.CI. Jahrgang, Mai 2020, Heft 4

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