Gottes lebendiger Tempel bist du

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Der hohe Kirchenraum ist das Gleichnis der unendlichen Ewigkeit, des Himmels, darinnen Gott wohnt. Wohl sind die Berge noch höher, unmeßbar die blaue Weite draußen. Doch  alles offen, keine Grenze darin und keine Gestalt. Hier aber ist der Raum für Gott ausgesondert. Für ihn geformt, heilig durchbildet. Wir fühlen in die ragenden Pfeiler hinauf, in die breiten, starken Wände, in die hohe Wölbung: Ja, das ist Gottes Haus, Gottes Wohnung in einer besonderen innerlichen Weise.

Und die Pforte führt den Menschen in dies Geheimnis. Sie sagt: „Wirf das Kleine ab, fort mit allem, was eng und ängstlich ist. Weg mit allem Niederdrückenden. Weit die Brust. Hinauf die Augen. Frei die Seele! Gottes Tempel ist dies, und ein Gleichnis von dir selbst. Denn Gottes lebendiger Tempel bist du ja, dein Leib und deine Seele. Mach ihn weit, mach ihn frei und hoch!“

Romano Guardini (1885 -1968) in: Von heiligen Zeichen. Mainz 1933, S. 32

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Oberster Platz in der Wohnung unseres Herzens

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Im Innersten des Herzens gibt es einen Raum, der erhabener ist als alle übrigen. Ihn bewohnt der Schöpfer und Erlöser, Jesus, der allein unvergleichlich schön ist. Er hält alles durch seine Güte zusammen, er allein ist in allem, er allein vor allem, er facht die Liebe in uns an und fordert Liebe, er beansprucht einen besonderen Platz, nicht nur einen bevorzugten, sondern den obersten, und nicht nur den obersten, sondern auch den innersten in der Wohnung unseres Herzens.

Aelred von Rievaulx (1110 – 1167) in seinem „Spiegel der Liebe“

Gefunden habe ich dieses Zitat hier: https://www.marienstern.de/de/zisterzienser/spiritualitaet

Die Flammen des Hasses mit Wasser der liebenden Güte löschen

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Um den Dharma zu praktizieren, müsst ihr euren Geist zähmen:
Löscht die Flammen des Hasses mit dem Wasser der liebenden Güte.
Überquert den Fluss des Anhaftens auf der Brücke der wirkungsvollen Gegenmittel.
Erhellt die Dunkelheit der Unwissenheit mit der Fackel der Erkenntnis.
Rückt den Felsen des Stolzes mit dem Hebel des Mutes beiseite.
Schützt euch vor dem Wind der Eifersucht mit dem Gewand der Geduld.

Und da man im Allgemeinen seinen Geist dadurch zerstört, dass man den fünf Giften freie Hand lässt, lasst diese Gifte nicht nach Belieben schalten und walten: Dieser Punkt ist ganz besonders wichtig!

Padmasambhava (8. / 9. Jh.)

Befreiendes Lachen

Foto: privat

Das befreiende Lachen zu besitzen
und es vermitteln zu können,
ist eine besondere Gabe.
Es ist mir keine religiöse Form
der Menschheit bekannt,
die das Zwerchfell mehr strapaziert
als das Zen.

Fritz Hungerleider (1920 – 1998) in: Das Zen-Seminar. Ein Leitfaden für Übende und Lehrer. Wien/Freiburg/Basel 1976, S.52

Die wirkliche mystische Reise

Mystik und Transformation stehen für ich in einem nicht auflösbaren inneren Zusammenhang. Ohne wirtschaftliche und ökologische Gerechtigkeit, kurz „ecojustice“ genant, oder Gottes besondere Vorliebe für die Armen und für diesen Planeten – scheint mir die Gottesliebe und die Sehnsucht nach dem Einswerden eine atomistische Illusion. Der im privaten Erlebnis angeeignete Seelenfunke kann zwar die Suche nach Gnosis im weisesten Sinn des Wortes bedienen, aber auch nicht mehr. Die wirkliche mystische Reise hat ein größeres Ziel als das, uns „positiv denken“ zu lehren und sowohl unsere Kritik- wie unsere Leidensfähigkeit einzuschläfern.

Dorothee Sölle (1929 – 2003) in: Mystik und Widerstand. Freiburg/Br. 2014, S. 140

Und Kamadeva lachte…

Am Anfang griff Kamadeva nach einem unentwickelten Kosmos und formte das das Vorstellbare aus dem Unvorstellbaren. Die Weisen, die mit Weisheit in ihre Herzen blickten, sahen die alles durchdringende Kraft als allmächtigen Gott Gestalt annehmen – Kamadeva.

Sie verneigten sich vor der Gottheit, sangen Lobeshymnen und brachten feierliche Opfer dar. Aber Kamadeva lehnte ihre Opfergaben und Lieder ab und lachte. Als er sie so mit schallendem Gelächter verhöhnte, waren sie verwirrt und fragten nach dem Grund dafür.

Kamadeva schmiedete sein Lachen in Worte:

„Wenn ein Mensch, der fromm ist, Verdienst durch heilige Handlungen sucht, lache ich über ihn.

Wenn ein Mensch, der intelligent ist, durch Wissen Verständnis sucht, lache ich ihn aus.

Wenn ein Mensch, der rechtschaffen ist, Ehre durch tugendhafte Taten sucht, so lache ich ihn aus.

Wenn ein Mensch, ob weise oder töricht, tugendhaft oder verdorben, Befriedigung in der Liebe sucht, lache ich auch über ihn.

Wenn er sich einbildet, mein Verbündeter zu sein, lache ich besonders über ihn.“

„Aber warum?“, fragten die Weisen.

Und Kamadeva lachte über ihre Frage.

Aus dem Hasyalapa Brahmana

Ewald Vetters Altar

Altar von Ewald Vetter (1894–1981)

 

… Bei der körperstarken Wesenheit der Darstellung auf den beiden Flügeln bringt das Mittelbild durch seine Transzendenz Zwiespalt in die Komposition. Unsere Augen suchen immer wieder die beiden Schächer. Hier fühlen wir die irdische Sensation, die uns packt, während unsere Seele durch die umarmende Lichtsphäre des Mittelbildes übermächtig ins Unirdische gezogen wird. Religiös bedeutet das für uns das Weh des Dualismus, unter dem wir in heutiger Zeit besonders leiden; künstlerisch liegt darin eine Zerrissenheit, die beunruhigt, und die trotz des Themas der Erlösung die Seele des Beschauers doch nicht ganz erlöst. …

Zeitschrift für christliche Kunst, 34 Jahrgang, Heft 1-3, S. 37 – 40, 1921, L. Schwan Druckerei und Verlag, Düsseldorf

Der vollständige Beitrag „Ewald Vetters Altar“ von Egid Beitz ist hier nachzulesen:

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In gewissem Sinne leer

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Zen ist Bewusstsein ohne die Struktur einer besonderen Form oder eines besonderen Systems, ein transkulturelles, transreligiöses, transformiertes Bewusstsein. Deshalb ist es in gewissem Sinne „leer“. Aber es kann durch dieses oder jenes religiöse oder irreligiöse System hindurch scheinen, so wie Licht durch ein Glas hindurch scheinen kann, das blau ist oder grün, rot oder gelb. Wenn Zen überhaupt eine Vorliebe hat, dann zieht es einfaches Glas vor, das keine Farbe hat und eben „einfaches Glas“ ist.

ThomasMerton (1915 – 1968) in: Weisheit der Stille, 1975, S. 12

Teilhabe am göttlichen Leben ermöglichen

Gedenktafel für Meister Eckhart (um 1260 – 1328) am Erfurter Predigerkloster | Foto: © wak

Das Schaffen Meister Eckharts gehört in den Kontext von Geistesentwicklungen, die mit folgenden Stichworten gekennzeichnet werden können:

– Frauenmystik, Beginentum
– Armutsstreit
– erwachende bürgerliche Frömmigkeit
– Spannung zwischen Kaiser und Papst, z.B. Ludwig der Bayer und Papst Johannes XXII in Avignon.

Eckhart als bedeutender Philosoph steht in der Tradition der arabischen Philosophie und ihrer Rezeption in der Hochscholastik. Eckhart als bedeutender Theologe schließt sich häufig an Augustinus an, ist aber auch von Dionysius Areopagita (6. Jh.) beeinflusst. Seine zentralen Themen sind die Schöpfung im Ursprung und die Gottesgeburt, sowie eine besondere Bildtheologie. Eckhart als spiritueller „Lebemeister“ erreicht es, auch „Ungelehrte“ in der Volkssprache zuinteressieren… Es gelingt ihm mit einer Sprache, die voller Bilder ist, andere, falsche Bilder abzulösen, auch mit der starken Wahrheitsergriffenheit des Predigers, und schließlich damit, dass in der Predigt ein besonderer Austausch entstand, der die Teilhabe am göttlichen Leben ermöglichte.

Leicht gekürzter Hinweis auf Meister Eckhart unter „Biographisches“ auf der Seite der Erfurter Predigergemeinde. Der vollständige Text findet sich hier: https://www.meister-eckhart-erfurt.de/biographisches/

Jeder Mensch ist eine besondere Art Mystiker

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Alle von uns können Momente überwältigender, grenzenloser Zugehörigkeit, Augenblicke universellen Eins-Seins erfahren. Das sind unsere eigenen mystischen Momente. Die Männer und Frauen, die wir Mystiker nennen, unterscheiden sich vom Rest von uns lediglich dadurch, dass sie jenen Erfahrungen den Raum geben, der ihnen in unser aller Leben zusteht. Was zählt, ist nicht die Häufigkeit oder Intensität mystischer Erfahrungen, sondern der Einfluss, den wir ihnen auf unser Leben einräumen. Indem wir unsere mystischen Momente mit allem, was sie bieten und verlangen, zulassen, werden wir die Mystiker, die wir sein sollen. Schließlich ist der Mystiker keine besondere Art Mensch, sondern jeder Mensch eine besondere Art Mystiker.

David Steindl-Rast (*1926) in seinem Buch „Fülle und Nichts. Die Wiedergeburt christlicher Mystik“, München 1985