Stille. Ein Wegweiser – Buchtipp II

Der äußere Umschlag von „Stille“

Erling Kagge

Stille
Ein Wegweiser

Aus dem Norwegischen von Ulrich Sonnenberg

Insel-Verlag, Berlin, 2017, 144 Seiten, 14 €

ISBN: 978-3-458-17724-1 / Auch als eBook erhältlich

Was ist Stille? Wo ist sie? Warum ist sie heute wichtiger denn je? Diese drei Fragen ergeben sich für Erling Kagge in einem Gespräch mit Studenten. Und er hat sich auf die Suche begeben und bietet dreiunddreißig Versuche einer Antwort an.
Vom Staunen ist da die Rede und von der Furcht, sich selbst besser kennenzulernen. Eindrucksvoll beschreibt Kagge die Stille, die er am Südpol erfährt. Wie wenig, so fragt er, sind wir es noch gewohnt, uns selber auszuhalten. Und wie groß die Angst, etwas zu verpassen. Kagge greift zurück auf die großen Denkschulen und Weltreligionen. Und er stellt sie ganz frisch und klar in einen neuen, aktuellen Gegenwartszusammenhang, der berührt. Was zum Beispiel, wenn die Stille nicht Nichts ist?
Nicht am Schreibtisch, sondern im Erfahren dessen, was ihm auf seinen zahlreichen Reisen begegnet, ist Kagge ein teilnehmender Beobachter. Er lädt ein, den eigenen Südpol zu entdecken.

Was ist Stille? Wo ist sie? Warum ist sie heute wichtiger denn je? Um dem näher zu kommen, hat Erling Kagge dem Buch Bilder beigegeben, die in faszinierender Weise den Text ergänzen. Und nimmt man den schlichten, klar typographierten Umschlag ab, ist der Leser mitten drin im Leben. In seinem eigenen Leben. In seiner eigenen Suche nach der Stille.

© Werner A. Krebber

Mehr hier:
http://www.suhrkamp.de/buecher/stille-erling_kagge_17724.html

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Wovon der Mystiker überwältigt wird

Foto: © wak

Wie können wir den Mystiker denn ganz allgemein und so umfassend wie möglich charakterisieren? Er ist jemand, der auf überwältigende Weise die Anwesenheit erfährt von etwas, das ihn selbst übersteigt und viel wichtiger ist als alles, was man durchweg als Wirklichkeit betrachtet. Das menschliche Universum – die Welt, in der wir leben, und die uns so selbstverständlich und solid erscheint – wird für den Mystiker zu einer durchsichtigen Bühnenwand, weil sich ihm eine andere, endgültige Wirklichkeit anmeldet. Und diese Wahrnehmung einer unvergleichlichen Gegenwärtigkeit ist von einem komplementären psychologischen Phänomen begleitet: der Mystiker fühlt seine normale Ichheit verschwinden. Seine Persönlichkeit – das ist die bestimmte, je eigene Weise, in der man seine Existenz vollzieht – verliert ihre Umrisse. Die Abgeschlossenheit des Menschen, der „er selber ist“, wird bei ihm durchbrochen, seine Einsamkeit wird aufgehoben.

Paul Mommaers in: Was ist Mystik? Frankfurt/M. 1996, S 24

Schon unzählige Buddhas

Selber müssen sich die Wesen
um die Erleuchtung bemühen;
auch ein Erwachter kann sie nicht erlösen.
Wenn er es könnte,
müssten alle Wesen schon erlöst sein,
denn es hat schon unzählige Buddhas gegeben.

Hui Hai (720-814)