Die Wahrheit weilt in unserem Herzen

Vivekananda  | Foto: Archiv

„Das Himmelreich ist in Euch!“ sagt Jesus; ebenso sagt der Vedanta, und jeder große Lehrer. „Wer Augen hat zu sehen, der sehe, und wer Ohren hat zu hören, der höre!“ Der Vedanta legt dar, daß die Wahrheit, die wir so lange gesucht haben, gegenwärtig ist, und die ganze Zeit über in uns war. In unserer Unwissenheit dachten wir, wir hätten sie verloren und gingen weinend und schreiend in der Welt umher im Bemühen die Wahrheit zu finden, während sie doch all die Zeit über in unsern eigenen Herzen weilte. Da allein können wir sie finden.

Vivekananda  (1863 – 1902) in: Inana Yoga. Stuttgart / Heilbronn 1923, S. 87-88

Was heißt es wenn der Proletarier sagt: Jesus war ein guter Mensch?

Denkmal für Thomas Müntzer in Memleben | Foto: © wak

„Was heißt es, wenn der Proletarier in seiner Welt des Mißtrauens sagt: Jesus war ein guter Mensch? Es heißt, daß man zu ihm kein Mißtrauen zu haben braucht. Der Proletarier sagt nicht: Jesus ist Gott. Aber mit dem Wort von dem guten Menschen Jesus sagt er jedenfalls mehr, als wenn der Bürger sagt: Jesus ist Gott. Gott ist für ihn etwas, was der Kirche angehört. Aber in den Fabrikräumen kann Jesus gegenwärtig sein als der Sozialist; in der politischen Arbeit als der Idealist; im proletarischen Dasein als der gute Mensch. In ihren Reihen kämpft er mit gegen den Feind, den Kapitalismus“.

Dietrich Bonhoeffer, Gesammelte Schriften, 3. Band, 174. Beginn des „Geleitwortes“ von Helmut Gollwitzer (1908 – 1993) zu dem Buch „Jesus für Atheisten“ von Milan Machovec (1925 – 2003)

Das Thomas-Evangelium: 114 apokryphe Jesusworte

Der Beginn des Thomas-Evangeliums / Montage: wak

 

In einer heute oft genutzten Online-Enzyklopädie heißt es zum Thomas-Evangelium unter anderem:

„Das Thomasevangelium (auch Evangelium nach Thomas, kurz: EvThom, EvTh oder auch ThomEv) ist eine apokryphe Sammlung von 114 Logien (Sprichworten) und kurzen Dialogen. Der vollständige Text dieser Sammlung liegt in einer koptischen Version vor, die um 350 n. Chr. niedergeschrieben wurde, möglicherweise für Philosophen in Alexandria. Sie enthält Übereinstimmungen zu Jesusworten, die im Neuen Testament bekannt sind, aber auch mehrere sonst unbekannte Jesusworte. …

Die Sammlung zeigt eine eigenständige Theologie, die nach heutigem Forschungsstand weder nur aus dem Urchristentum noch nur aus dem Gnostizismus hergeleitet werden kann. …“

 

Eine verlässliche Übersetzung findet sich in der „Bibliothek der Kirchenväter“ in verschiedenen Textformaten:

DOCX: https://bkv.unifr.ch/files/16/related_files/Thomas-Evangelium_deutsch_16.docx
EPUB: https://bkv.unifr.ch/files/16/related_files/Thomas-Evangelium_deutsch_16.epub
PDF: https://bkv.unifr.ch/files/16/related_files/Thomas-Evangelium_deutsch_16.pdf
RTF: https://bkv.unifr.ch/files/16/related_files/Thomas-Evangelium_deutsch_16.rtf

 

Historische und theologische Einordnungen finden sich hier:

https://www.ev-kirche-riedenberg.de/fileadmin/mediapool/gemeinden/KG_riedenberg/Thomasevangelium.pdf

https://neues-testament.uni-graz.at/de/institut/mitarbeiterinnen/univ-prof-dr-christoph-heil/lehrveranstaltungen/lehrveranstaltungen-im-sommersemester-2001-universitaet-bamberg/thomasevangelium/

 

In der Nachfolge Christi an die Quelle gelangen

Emma Schlangenhausen, Bergpredigt, 1920, Holzschnitt

Wir möchten mit dem Jakob-Böhme-Bund die künstlerischen Entwicklungen darstellen, die die Künstler-Apostel im Schwingungsfeld eines Leuchtenden des Urlichts vollzogen haben. Und das bringt uns auch Jacob Böhme nah, der anders als Jesus oder Bô Yin Râ kein „Leuchtender des Urlichts“ war. Er zeigte der Menschheit vielmehr auf, dass ein Mensch aus eigener Kraft mit der rechten Einstellung in der Nachfolge Christi an die „Quelle“ gelangen kann. Böhmes geistige Offenheit und die ungeheure Tiefe seiner Aussagen über die Göttliche Wirklichkeit ist wohl auch dadurch begründet, dass er durch kein Gelübde zur Zurückhaltung bestimmter geistiger Erkenntnisse verpflichtet war.

Der historische Jakob-Böhme-Bund und der Jacob-Böhme-Bund der Gegenwart (Teil 4) von Organisation zur Umwandlung des Kinos

 

MAGISCHE BLÄTTER BUCH IV
CI. JAHRGANG WINTER 2020 / 2021
4. Quartalsausgabe November, Dezember, Januar
gebunden. ISBN-Nr. 978-3-948594-04-6

HEFT 11 | Januar 2021
TITELTHEMA: FILM

https://verlagmagischeblaetter.eu/monatsschrift/magische-blaetter

Bestellt werden können die Magischen Blätter hier: kontakt@verlagmagischeblaetter.eu

 

Erlebte und gelebte Religion

Otto Engelhardt-Kyffhäuser, Portrait von Joseph Schneiderfranken

… Die Lehre aber, die uns Bô Yin Râ, wie ehedem Laotse und Jesus, wiederum gibt, ist nicht eine Philosophie oder eine Mythologie oder eine Religion, sondern sie ist Religion an sich. Sie meint etwas artlich anderes, etwas, das nicht erlernt werden kann, sondern erlebt und gelebt wird, in jedem Individualfall volllständig verschieden und neu, also etwas letztlich Unsagbares. Wenn die menschliche Sprache hier, wie immer von den Meistern in der Fülle der Zeiten gebraucht wird, so vermag sie dennoch nur das Erlebnis zu umgrenzen, zu umringen, ahnen zu machen; wie der Kraterrand das Wesen, das Abgründige, die Leere, die Gewalt des Vulkans nur umschreibt und das einzig wesentliche dazwischen nur nach außen hin abgrenzt. …

Rudolf Schott (1891-1977) , Bô Yin Râ: Ein Lebenswerk und sein Meister.  Vortragsmanuskript für die „Theosophische Gesellschaft“, zitiert nach Werner Erni, der für den Kober-Verlag tätig war. Dort sind die Werke von Bô Yin Râ (1876 – 1943) erschienen.

 Der vollständige Text kann hier nachgelesen werden:

MAGISCHE BLÄTTER BUCH IV
CI. JAHRGANG WINTER 2020 / 2021
4. Quartalsausgabe November, Dezember, Januar
gebunden. ISBN-Nr. 978-3-948594-04-6

HEFT 11 | Dezember 2020
TITELTHEMA: WEIHENACHT

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Der Meister von Galiläa

Bô Yin Râ, Studie zu Jesusbild

Jesu Bildnis hat uns Bô Yin Râ als Künstler aufbewahrt zu heilsamer Kräftigung und feuriger Anspornung, auch als einen gleichsam illustrativen Beleg dessen, was er in seinen Schriften über den Meister von Galiläa an Wesentlichem und übrigens sehr Überraschendem und Ungewohntem zu sagen fand. Zugleich schuf er, der Bruder, dem Bruder im Geiste ein überdauerndes Denkmal, inniger und zäher denn Erz. Dieses Antlitz ist weder hässlich noch schön, sondern anders und darüber und ein Schimmer aus der Geisteswelt.

Über das Bildnis Jesu von Bô Yin Râ von Rudolf Schott. In: Der Maler Bô Yin Râ, S. 174 ff., Kober, Zürich, 1960

 

Der vollständige Text kann hier nachgelesen werden:

MAGISCHE BLÄTTER BUCH IV
CI. JAHRGANG WINTER 2020 / 2021
4. Quartalsausgabe November, Dezember, Januar
gebunden. ISBN-Nr. 978-3-948594-04-6

HEFT 11 | Dezember 2020
TITELTHEMA: WEIHENACHT

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Schutz für die Vögel des Himmels

Foto: © wak

Die Jünger sagten zu Jesus: Sage uns, was mit dem Himmelreich zu vergleichen ist. Er sprach zu ihnen: Es ist gleich einem Senfkorn, dem kleinesten unter allen Samen; aber wenn es auf beackerten Boden fällt, kommt aus ihm ein großer Zweig hervor, der ein Schutz für die Vögel des Himmels wird.

Aus dem Thomas-Evangelium

Sei gegrüßt o Königin – Mutter der Barmherzigkeit

 

Skulptur in der Trappisten-Abtei Maria Toevlucht in Zundert / Foto: © wak

 

Sei gegrüßt, o Königin,
Mutter der Barmherzigkeit;
unser Leben, unsere Wonne und unsere Hoffnung sei gegrüßt!
Zu dir rufen wir verbannte Kinder Evas;
Zu dir seufzen wir
trauernd und weinend in diesem Tal der Tränen.
Wohlan denn, unsere Fürsprecherin,
wende deine barmherzigen Augen uns zu
und nach diesem Elend zeige uns Jesus,
die gebenedeite Frucht deines Leibes!
O gütige,
o milde,
o süße Jungfrau Maria.

Seit dem 12. Jahrhundert singen Mönche von Citeaux ausgehend dieses „Salve Regina“. Citeaux ist das „Mutterkloster“ aller Zisterzienser.

Die Verborgenheiten des heiligen Weges weitergeben

Hippolytus von Rom | Bild: Archiv

 

Jesus aber sprach: „Blicke, Vater,
auf dieses von Bösen verfolgte Wesen,
das auf der Erde umherirrt,
fern von deinem Geiste.
Sie sucht dem bitteren Chaos zu entfliehen,
und weiß nicht, wie sie hindurchkommen soll.
Deshalb sende mich, Vater!
Im Besitz der Siegel will ich hinabsteigen,
Alle Äonen will ich durchschreiten,
alle Geheimnisse will ich enthüllen,
und die Gestalten der Götter will ich zeigen.
Die Verborgenheiten des heiligen Weges
will ich, unter dem Namen Gnosis, weitergeben.

Aus dem gnostischen Naasener-Psalm. Überliefert durch Hippolytus von Rom († um 235)

Gnade und Herzensveränderung

Wand im Kölner Tersteegenhaus | Foto: © wak

Tersteegen unterschied ein engeres und ein weiteres Verständnis der Mystik. Letzteres sei „praktische Theologie oder die Ausübung der Gottseligkeit, insofern sie Gnade und Herzensveränderung zum Grunde hat“. Im engeren Sinne bedeute „Erleuchtung“ (vgl. Eph 1,17-18) sowie das „Bleiben in Jesu“ (vgl. Joh 15,4) das „Anhangen an Gott“ um „Ein Geist“ mit ihm zu werden (vgl. 1 Kor 6,17), das „Wandeln in der Gegenwart Gottes“ (vgl. Gen 17,1), das „Anbeten im Geist und in der Wahrheit“ (vgl. Joh 4,23), die Reinigung (vgl. 2 Kor 7,1), die „Ausgießung der Liebe Gottes ins Herz“ (vgl. Röm 5,5), das Ende der Furcht durch die Liebe (vgl. 1 Joh 4,18), das „Beschauen der Herrlichkeit Gottes“ (2 Kor 3,18), die „Inwohnung Gottes in der Seele“ (vgl. Joh 14,21.23; 2 Kor 6,16; Lev 26,11-12; Ez 37,27), den „Friede Gottes“ (Phil 4,7) und das „Vollkommensein in Eins“ (Joh 17,23).49) Schlussendlich verstand Tersteegen unter Mystik also nicht mehr, aber auch nicht weniger, als Kind Gottes zu sein im – wörtlichen – Sinne der Bibel und der frühen Kirche.

Ruth Nientiedt über „Mystik bei Tersteegen“. Er lebte von 1697 – 1769

http://www.skriptum-geschichte.de/2013/heft-1/lauter-erfahrungs-sachen-gerhard-tersteegens-lied-gott-ist-gegenwaertig-bedeutung-und-rezeption.html#c880