Die Wahrheit dieser Welt

Foto: (c) wak

Der Buddha realisierte Dhamma, und zwar den Dhamma, der ständig in der Welt vorhanden ist. Man kann ihn mit Grundwasser vergleichen, was permanent im Boden vorrätig ist. Wenn jemand einen Brunnen auszuheben wünscht, dann muss tief gegraben werden, um den Grundwasserspiegel zu erreichen. Das Grundwasser ist bereits vorhanden, man braucht es nicht zu erschaffen, sondern einfach nur zu entdecken. Auf ähnliche Weise hatte der Buddha den Dhamma nicht erfunden oder gar verfügt, sondern er offenbarte lediglich, was bereits vorhanden war. Der Buddha schaute Dhamma in innerer Betrachtung. Deshalb sagt man vom Buddha, dass er erleuchtet war, denn Erleuchtung bedeutet, Dhamma zu erkennen. Dhamma ist die Wahrheit dieser Welt. Seit Siddhattha Gotama dies erkannt hatte, wurde er als der „Buddha“ bezeichnet; und Dhamma ist das, dessen Erkenntnis es anderen Menschen möglich macht, ein Buddha zu werden.

Ajahn Chah (1918 – 1992)

Anmerkung: Dhamma im Pali oder Dharma im Sanskrit umfasst die Gesamtheit der religiösen und ethischen Pflichten und zeigt damit den Weg, auf dem man zum transzendentalen Bewusstsein, zum reinen geistigen Selbst-Sein kommt.

Thich Nhat Hanh: Kein Weg, dem Tod zu entgehen

Foto: Marlies Schwochow +
  1. Es ist der natürliche Verlauf, daß ich alt werde.
    Es gibt keinen Weg, dem Altern zu entgehen.
  2. Es ist der natürliche Verlauf, daß ich Krankheiten bekomme werde.
    Es gibt keinen Weg, dem Krankwerden zu entgehen.
  3. Es ist der natürliche Verlauf, daß ich sterben werde.
    Es gibt keinen Weg, dem Tod zu entgehen.
  4. Es ist der natürliche Verlauf, daß alles woran ich hänge,
    und alle, die mir lieb sind, sich verändern.
    Es gibt keinen Weg, dem Getrenntwerden von ihnen zu entgehen.
  5. Meine Taten sind mein einzig wirkliches Erbe.
    Den Folgen meiner Taten kann ich nicht entgehen.
    Meine Taten sind der Boden, auf dem ich stehe.

Thich Nhat Hanh (1926 – 2022) in: Der Klang des Bodhibaums

Martin Buber zum Weltkulturerbe „Heiliger Sand“

Jüdischer Friedhof in Worms Foto (c) wak

„Ich lebe nicht fern von der Stadt Worms, an die mich auch eine Tradition meiner Ahnen bindet; und ich fahre von Zeit zu Zeit hinüber. Wenn ich hinüberfahre, gehe ich immer zuerst zum Dom. Das ist eine sichtbar gewordene Harmonie der Glieder, eine Ganzheit, in der kein Teil aus der Vollkommenheit wankt. Ich umwandle schauend den Dom mit einer vollkommenen Freude. Dann gehe ich zum jüdischen Friedhof hinüber. Der besteht aus schiefen, zerspellten, formlosen, richtungslosen Steinen. Ich stelle mich darein, blicke von diesem Friedhofgewirr zu der herrlichen Harmonie empor, und mir ist, als sähe ich von Israel zur Kirche auf. Da unten hat man nicht ein Quentchen Gestalt; man hat nur die Steine und die Asche unter den Steinen. Man hat die Asche, wenn sie sich auch noch so verflüchtigt hat. .. Ich habe da gestanden, war verbunden mit der Asche und quer durch sie mit den Urvätern. Das ist Erinnerung an das Geschehen mit Gott, die allen Juden gegeben ist. Davon kann mich die Vollkommenheit des christlichen Gottesraums nicht abbringen, nichts kann mich abbringen von der Gotteszeit Israels. Ich habe da gestanden und habe alles selber erfahren, mir ist all der Tod widerfahren: all die Asche, all die Zerspelltheit, all der lautlose Jammer ist mein; aber der Bund ist mir nicht aufgekündigt worden. Ich liege am Boden, hingestürzt wie diese Steine. Aber gekündigt ist mir nicht. Der Dom ist, wie er ist. Der Friedhof ist, wie er ist. Aber gekündigt ist uns nicht worden.“

Martin Buber (1878 – 1965) in: Theologische Blätter 12(1933) 272f.

Gedenktafel am Wormser Judenfriedhof „Heiliger Sand“ Foto (c) wak

Mehr zur Geschichte des Friedhofes „Heiliger Sand“ – ältester erhaltener jüdischer Friedhof in Europa – hier:

http://www.alemannia-judaica.de/worms_friedhof.htm#Zur%20Geschichte%20des%20Friedhofes%20%22Heiliger%20Sand%22

Siehe auch: https://schumstaedte.de/

Wo Meister Eckhart vom Grund spricht

Die Predigergemeinde in Erfurt hat gemeinsam mit Marc Oschmann ein Bodendenkmal zu den Erfurter Reden von Meister Eckhart geschaffen. Vor jener Predigerkirche, in dessen Kloster Meister Eckhart einige Jahre gelebt, gearbeitet, gepredigt hat.  Am Westportal begegnen Passantinnen und Passanten in den Sandstein eingelassene Zitate von Meister Eckhart. So spricht der Lesemeister vom Grund…

Nimm dich selber wahr, und wo du dich findest, da lass dich.
https://www.meister-eckhart-erfurt.de/predigerkloster/bodendenkmal/zitat-1

Bist du gerecht, so sind auch deine Werke gerecht.
https://www.meister-eckhart-erfurt.de/predigerkloster/bodendenkmal/zitat-2

Man kann Gott nicht besser finden als dort, wo man ihn lässt.
https://www.meister-eckhart-erfurt.de/predigerkloster/bodendenkmal/zitat-3

Lerne mitten im Wirken innerlich ungebunden zu sein.
https://www.meister-eckhart-erfurt.de/predigerkloster/bodendenkmal/zitat-4

Je freier wir von uns selbst sind, umso mehr gewinnen wir uns.
https://www.meister-eckhart-erfurt.de/predigerkloster/bodendenkmal/zitat-5

Der Mensch ist der beste, der das entbehren kann, was ihm nicht nottut.
https://www.meister-eckhart-erfurt.de/predigerkloster/bodendenkmal/zitat-6

Soweit du in Frieden bist, soweit bist du in Gott.
https://www.meister-eckhart-erfurt.de/predigerkloster/bodendenkmal/zitat-7

© aller Fotos: Friederike Hempel


Wenn Sie die Links anklicken, kommen Sie jeweils zu einem kurzen Erläuterungstext des in den Boden eingelassenen Satzes.

 Mehr Informationen zu dem Bodendenkmal am Predigerkloster in Erfurt gibt es hier: https://www.meister-eckhart-erfurt.de/predigerkloster/bodendenkmal

Mein ganz besonders herzlicher Dank gilt Frau Friederike Hempel, die eigens für „Mystik aktuell“ die Zitate fotographiert und die Bilder kostenlos zur Verfügung gestellt hat. (wak)

Der Mensch muss das Licht lieben

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Der Mensch muss das Licht lieben,
gleichgültig, woher es kommt.
Er muss die Rose lieben,
gleichgültig, in welchem Boden sie wächst.
Er muss ein Sucher nach Wahrheit sein,
gleichgültig, aus welcher Quelle sie fließt.

Anhänglichkeit zur Lampe ist nicht Liebe zum Licht.

Abdu’l-Baha (1844-1921)

Schutz für die Vögel des Himmels

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Die Jünger sagten zu Jesus: Sage uns, was mit dem Himmelreich zu vergleichen ist. Er sprach zu ihnen: Es ist gleich einem Senfkorn, dem kleinesten unter allen Samen; aber wenn es auf beackerten Boden fällt, kommt aus ihm ein großer Zweig hervor, der ein Schutz für die Vögel des Himmels wird.

Aus dem Thomas-Evangelium

Kein Entrinnen vor uns selbst

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Wir sind hier; weil es letztlich kein Entrinnen vor uns selbst gibt.
Solange der Mensch sich nicht selbst in den Augen und Herzen seiner Mitmenschen begegnet, ist er auf der Flucht.
Solange er nicht zulässt, dass seine Mitmenschen an seinem Innersten teilhaben, gibt es für ihn keine Geborgenheit.
Solange er sich fürchtet, durchschaut zu werden, kann er weder sich noch andere erkennen – er wird allein sein.

Wo können wir solch einen Spiegel finden, wenn nicht in unseren Nächsten?

Hier in der Gemeinschaft kann ein Mensch erst richtig klar über sich werden und sich nicht mehr als den Riesen seiner Träume oder den Zwerg seiner Ängste sehen, sondern als Mensch, der – Teil eines Ganzen – zu ihrem Wohl seinen Beitrag leistet.
In solchem Boden können wir Wurzeln schlagen und wachsen; nicht mehr allein – wie im Tod – sondern lebendig als Mensch unter Menschen.

Richard Beauvais (1964)

 

Mehr zu Sucht und Spiritualität hier: https://alkoholundspirit.wordpress.com/

Meine Taten sind mein einzig wirkliches Erbe

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1. Es ist der natürliche Verlauf, dass ich alt werde.
Es gibt keinen Weg, dem Altern zu entgehen.

2. Es ist der natürliche Verlauf, dass ich Krankheiten bekomme werde.
Es gibt keinen Weg, dem Krankwerden zu entgehen.

3. Es ist der natürliche Verlauf, dass ich sterben werde.
Es gibt keinen Weg, dem Tod zu entgehen.

4. Es ist der natürliche Verlauf, dass alles woran ich hänge,
und alle, die mir lieb sind, sich verändern.
Es gibt keinen Weg, dem Getrenntwerden von ihnen zu entgehen.

5. Meine Taten sind mein einzig wirkliches Erbe.
Den Folgen meiner Taten kann ich nicht entgehen.
Meine Taten sind der Boden, auf dem ich stehe.

Thich Nhat Hanh (*11. 10. 1926) in: Der Klang des Bodhibaums

In der Stille zum Wissen gelangen

Foto: © wak

Wo Wasser, Erde, Feuer und Luft
keinen Boden findet –
dort leuchten Lichter nicht,
nicht strahlt die Sonne,
dort scheint der Mond nicht,
nicht findet sich dort Dunkelheit.
Und wenn der Weise
durch sich selbst
in der Stille zum Wissen gelangt ist,
dann wird er frei
von Gestalt und Nicht-Gestalt,
von Glück und Leid.

Buddha in der Schrift Udāna (Aufatmen)

Leere Gefäße ohne Löcher oder Sprünge

Photographik © wak

 

Der Buddha verglich seine Zuhörer mit vier verschiedenen Arten von Tongefäßen. Das erste Tongefäß hat Löcher im Boden. Wenn man Wasser hineingießt, fließt es sofort wieder heraus. Anders gesagt, was immer man solche Personen lehrt, ist verschwendet. Das zweite Tongefäß verglich er mit einem, das Sprünge hat. Wenn man Wasser hineingießt, sickert es heraus. Diese Leute haben kein Erinnerungsvermögen. Sie können zwei und zwei nicht zusammenzählen. Sprünge im Verständnis. Den dritten Zuhörer verglich er mit einem Gefäß, das bereits vollständig gefüllt ist. Man kann kein Wasser hineingießen, weil es schon randvoll ist. Solche Menschen sind so voll mit Ansichten, dass sie nichts Neues mehr lernen können. Aber hoffentlich sind wir die vierte Art. Leere Gefäße ohne Löcher oder Sprünge. Vollkommen leer.

Ayya Khema (1923 – 1997)