Das schenken lassen, was wir verzweifelt suchen

Spirituelle Arbeit ist viel einfacher, als der Geist sie darstellt. Wir machen ein ernsthaftes und komplexes Projekt daraus, obwohl sie nur ein Spaziergang im Park und so nah wie der Gang selbst ist. Wir schlendern einfach nur gemächlich umher, umgeben von frischer Luft und Sonnenschein, und sehen, was es zu sehen gibt.

Das Leben wartet darauf, dass wir müde werden, unser Heil mental weiter vor uns herzuschieben, damit es uns in der Unmittelbarkeit des Jetzt das schenken kann, was wir so verzweifelt suchen.

Rodney Smith (*1948) in: Frei von Selbsttäuschung. Der buddhistische Weg aus der Ego-Falle

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Die kostbarsten Güter soll man nicht suchen, sondern erwarten

Simone Weil im Jahr 1921 / Bild: wikimedia, gemeinfrei

Die Aufmerksamkeit besteht darin, sein Denken zu umgehen, den Geist verfügbar, leer und für den Gegenstand durchlässig zu halten, die verschiedenen bereits erworbenen Kenntnisse, die man zu nutzen genötigt ist, in sich dem Geist zwar nahe und erreichbar, doch auf einer tieferen Stufe zu erhalten, ohne dass sie den Geist berührten. Der Geist soll hinsichtlich aller eigenen und schon ausgeformten Gedanken wie ein Mensch auf einem Berg sein, der vor sich hinblickt und gleichzeitig unter sich – jedoch ohne hinzusehen – viele Wälder und Ebenen wahrnimmt. Und vor allem soll der Geist leer sein, wartend, nichts suchend, aber bereit, den Gegenstand, der in ihn eingehen wird, in seiner nackten Wahrheit aufzunehmen. Die kostbarsten Güter soll man nicht suchen, sondern erwarten. Denn der Mensch kann sie aus eigenen Kräften nicht finden, und wenn er sich auf die Suche nach ihnen begibt, findet er statt ihrer falsche Güter, deren Falschheit er nicht zu erkennen vermag.

Simone Weil (1909 – 1943) in: Schwerkraft und Gnade, München 1952

Gefunden habe ich diesen Gedanken von ihr hier: http://www.marschler.at

Unmittelbarkeit des Jetzt

wamaarbFoto: © wak

Spirituelle Arbeit ist viel einfacher, als der Geist sie darstellt. Wir machen ein ernsthaftes und komplexes Projekt daraus, obwohl sie nur ein Spaziergang im Park und so nah wie der Gang selbst ist. Wir schlendern einfach nur gemächlich umher, umgeben von frischer Luft und Sonnenschein, und sehen, was es zu sehen gibt.

Das Leben wartet darauf, dass wir müde werden, unser Heil mental weiter vor uns herzuschieben, damit es uns in der Unmittelbarkeit des Jetzt das schenken kann, was wir so verzweifelt suchen.

Rodney Smith (*1948) in: Frei von Selbsttäuschung. Der buddhistische Weg aus der Ego-Falle

Schau nach innen, sei still

Schau nach innen, sei still. Frei von Furcht und Anhaftung erfahre die süße Freude des Wegs. Wie freudvoll ist es auf den Erwachten zu schauen und Gesellschaft mit den Weisen zu pflegen. Wie lange ist die Straße für den Menschen, der mit einem Narren reist. Wer aber jenen folgt, die dem Weg folgen, entdeckt seine Familie und ist von Freude erfüllt. Folge dann den leuchtenden, den Weisen, den Erwachten, den Liebenden, denn sie wissen, wie man arbeitet und vorwärts geht und wie man wartet. Folge ihnen so, wie der Mond dem Weg der Sterne folgt

Gautama Buddha (ca. 563-483 v. u. Z.)

Auftun und Eingehen

Gott wartet ungeduldiger als du,
dass du dich ihm öffnest;
ihn verlangt
tausendmal dringender nach dir,
als dich nach ihm.
Dein Auftun und sein Eingehen
geschieht in einem Augenblick.

Meister Eckhart (1260 – 1328)