Geistige Umarmung

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Wer sein Herz öffnet, darf nichts auf der Welt ausschließen. Befreiung und Erleuchtung werden allein im Hier und Jetzt gefunden. Wenn wir Gott lieben wollen, müssen wir auch alle seine Geschöpfe lieben lernen – uns selbst mit all unseren Fehlern und Komplexen eingeschlossen.
Diese geistige Umarmung bildet ein Mandala oder einen Erwachenskreis, in dem sich uns alle Aspekte des gegenwärtigen Lebens erschließen.

Jack Kornfield (* 1945) in: Nach der Erleuchtung Wäsche waschen und Kartoffeln schälen. Wie spirituelle Erfahrung das Leben verändert. München 2010, S. 198

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Wir atmen miteinander

 

Dag Hammarskjöld Bildquelle: wikimedia / gemeinfrei

 

Gott, du bist lebendig, du bist in mir. Du bist hier, du bist jetzt.
Du bist.
Du bist der Grund meines Seins. Ich lasse los.
Ich sinke und versinke in dir.
Du überflutest mein Wesen. Du nimmst von mir Besitz.
Ich lasse meinen Atem zu diesem Gebet der Unterwerfung unter dich werden.
Mein Atem, mein Ein- und Ausatmen ist Ausdruck meines ganzen Wesens.
Ich tue es für dich
– mit dir – in dir.
Wir atmen miteinander …

Dag Hammarskjöld (1905-1961)

Ein Sitzkissen unter leerem Himmel, das Gewicht einer Flamme

Foto: © wak

Mit ganzer Energie von Körper und Geist, beide vollständig in den strahlenden Lichtschatz fallen lassen, ohne zurück zu schauen. Ohne die Erleuchtung zu suchen. Ohne die Illusionen vertreiben zu wollen. Die aufkommenden Gedanken weder hassen noch lieben, und sie vor allem nicht unterhalten. Auf jeden Fall, was immer auch sei, das große Sitzen üben, hier und jetzt. Wenn ihr das Denken nicht unterhaltet, kehren die Gedanken in den Ursprung zurück. Wenn ihr euch in der Ausatmung aufgebt und euch von der Einatmung füllen lasst – in einem harmonischen Kommen und Gehen – bleibt nichts mehr als ein Sitzkissen unter leerem Himmel, das Gewicht einer Flamme.

Ejo Koun (1198-1282)

Warum nicht heute Morgen aufwachen?

 

Foto: © wak

Mein Innerstes,
höre mir zu,
der größte Geist,
der Lehrer ist nah,
wache auf, wache auf!

Renne zu seinen Füßen –
er steht gerade jetzt
ganz nah bei dir.

Millionen von Millionen
von Jahren hast du geschlafen.
Warum nicht
heute Morgen aufwachen?

Kabir (1440-1518)

 

Gefunden habe ich das Zitat in dem Buch von Vincento Kavod Altepost: Grundlegende Gutheit – Innere Freude – Ein beschenktes Leben:

https://mystikaktuell.wordpress.com/2018/01/24/grundlegende-gutheit-innere-freude-buchtipp-v/

Einsicht in die Form der Leerheit

Wirklichkeit ist nicht anderes als das, was gerade geschieht, jetzt. Die Dinge ereignen, bewegen und verwandeln sich. Wir können sie nicht in einem Schnappschuss festhalten. Doch das ist es, was alle unsere Ideen und Konzepte sind – eine Sammlung von Schnappschüssen. Genau das müssen wir unmittelbar erkennen. Diese Einsicht ist die Wirklichkeit der Leerheit, während alle Schnappschüsse die Welt der Form bilden. Und das Herzsutra* lehrt, um es noch einmal zu sagen, dass beide Welten gleich sind.

Bernard Glassman (1939 – 2018) in: Das Herz der Vollendung. Unterweisungen eines westlichen Zen-Meisters

* (http://www.zen-guide.de/zen/texte/id/35&titel=Mahaprajnaparamita-Hridaya-Sutra+%28Herzsutra%29)

Das schenken lassen, was wir verzweifelt suchen

Spirituelle Arbeit ist viel einfacher, als der Geist sie darstellt. Wir machen ein ernsthaftes und komplexes Projekt daraus, obwohl sie nur ein Spaziergang im Park und so nah wie der Gang selbst ist. Wir schlendern einfach nur gemächlich umher, umgeben von frischer Luft und Sonnenschein, und sehen, was es zu sehen gibt.

Das Leben wartet darauf, dass wir müde werden, unser Heil mental weiter vor uns herzuschieben, damit es uns in der Unmittelbarkeit des Jetzt das schenken kann, was wir so verzweifelt suchen.

Rodney Smith (*1948) in: Frei von Selbsttäuschung. Der buddhistische Weg aus der Ego-Falle

Du bist das Selbst

Es gibt kein Erreichen des Selbst. Wenn das Selbst erreichbar wäre, würde das bedeuten, dass das Selbst nicht hier und jetzt ist, dass man es erst erreichen muss. Was man neu bekommt, wird man auch verlieren. Es wird also nicht von Dauer sein. Was nicht von Dauer ist, ist nicht wert, dass man danach eifert. Ich sage also: Das Selbst kann nicht erreicht werden. Du bist das Selbst, du bist bereits DAS.

Ramana Maharshi (1879-1950)