Erde und Leben mit Gottes Segen

Mit Erde gefüllt sind die Bücher des Altars der „Eine-Welt-Kirche“  Foto: © wak

„Der Eine-Erde-Altar der Eine-Welt-Kirche transformiert das abstrakte Bewußtsein von der Gesamtheit der Welt in die individuelle Erfahrung der alltäglichen Einzigartigkeit. Erde von vielen Orten des Globus läßt die gemeinsame Abhängigkeit von dieser dünnen Schicht verwitterten Gesteins erkennen, aus dem das Leben seine Nahrung bezieht und in dem es seine Spuren hinterläßt.
Die Erde, der Boden, auf dem wir stehen, ist Synonym für unseren Globus. Er ist der Teil von ihm, mit dem unsere Vorfahren täglich umgingen, von dem sie Gottes Segen am unmittelbarsten erfuhren.“ – Aus der Einführung der Künstlerin Marianne Greve

Mehr hier:

http://www.eine-erde-altar.org

https://de.wikipedia.org/wiki/Eine-Welt-Kirche

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Pilgern – Sehnsucht nach Glück?

Foto: © wak

Fremdlinge oder Romwallfahrer nannte man sie, peregrinus oder pelegrinus. Seit dem 2. Jahrhundert pilgerten Menschen zu den Gräbern der frühchristlichen Apostel. Doch zuvor bereisten bereits Griechen und Römer oft weit entfernte Tempel. Bis in die Jetztzeit hat sich das Motiv der Pilgerschaft in vielen Religionen erhalten. Der Weg durch Wald und Feld, in Wüsten und auf Berge hat nicht nur den individuellen Aspekt der Heilung von physischem Leiden und psychischen Nöten. Neben der Sündenvergebung steht auch ein stark sozialer Bezug. Trifft man doch auf dem Weg Menschen, denen man begegnen und mit denen man sich austauschen kann. Und wie kaum anderswo gilt für den Pilger das Wort von Dogen: „Das Ziel und der Weg sind eins“. Dies gilt für die äußere Pilgerschaft ebenso wie für die innere.

„Eine Wallfahrt ist eine traditionelle Reise zum Zweck des Besuches einer bestimmten Pilgerstätte mit religiöser Bedeutung…. Im symbolischen Sinn ist die Pilgerfahrt sowohl eine Initiation als auch ein Akt der Ergebenheit. Sie geht zurück auf den alten Glauben, dass die übernatürlichen Mächte ihre Kraft an bestimmten Orten besonders stark entfalten… Heute werden Wallfahrten gewöhnlich als zeichenhafte Darstellung der Lebensreise aufgefasst. Der Aufenthalt am fremden heiligen Ort öffnet vielen Menschen bisher verschlossene Bereiche ihres Seelenlebens.“ [http://de.wikipedia.org/wiki/Pilgerfahrt] Seit Tausenden von Jahren machen sich Menschen auf den Weg, solche Orte zu besuchen, denen sie besondere Kräfte zuschreiben. Die Motive sind dabei sehr unterschiedlich. Menschen kümmern sich um ihr Heil im Diesseits (und manchmal auch im Jenseits) oder sie wollen für begangenes Unrecht oder Schuld Busse tun. Sie erhoffen ein Wunder oder sie wollen nach erfolgter Heilung o.ä. ein Gelübde erfüllen, das sie in kranken Tagen gesprochen haben. Oder sie wollen einfach dafür danken, dass sie aus einer Not gerettet, von einer Krankheit befreit wurden. Das gemeinsame innere wie äußere Ziel der Pilger schafft dabei eine gemeinsame Aus-Richtung.

 

Der Aufbruch ist schon ein Risiko

„Wenn Sie eine Pilgerfahrt unternehmen, riskieren Sie etwas. Sie lassen sich nicht nur auf einige körperliche Beschwernisse ein. Sie riskieren, dass Sie nicht als derselbe Mensch zurückkehren, der losgegangen war. Es besteht aber auch eine zweite Gefahr: Das Risiko, dass sie von großer Freude überrascht werden. Dass Sie, wenn Sie sich physisch und metaphysisch auf die Pilgerreise begeben, Menschen begegnen, Orte kennen lernen, Gedanken, Gefühle, Visionen und Ereignisse erleben, die Sie weit über das hinaus führen, was Sie sich bis jetzt vorgestellt haben.“ So fasst Martin Palmer, Direktor der Internationalen Beratungsstelle über Religion, Erziehung und Kultur in Manchester, zusammen, was Pilgerschaft heute bedeuten kann. Die britische Autorin Jennifer Westwood nennt von Vorbereitung über Aufbruch, Abenteuer und Hindernisse, Zweifel und Hoffnung, Annäherung und Vorfreude, Ankunft: Ergriffenheit und Öffnung, Heimkommen jene Kategorien, die es im Umgang mit und Fortschreiten auf heiligen Pfaden zu bedenken gilt.

 

Ein konkretes Beispiel: Der Jakobsweg

Vom inneren Wandel, den Spuren der Transformation, zu denen sie sich begeben, muss man wohl sprechen, wenn man die Motive der Pilgerschaft ernst nehmen will, wenn sich Menschen auf den Weg machen. Wohl kaum ein Pilgerweg in Europa ist so von Mühen geprägt, wie es der Jakobsweg ist, auf dessen Spuren bereits Millionen Menschen pilgerten. So unterschiedliche Menschen wie Paolo Coelho und Hape Kerkelink gehörten ebenso zu ihnen wie Shirley McLaine oder Cees Noteboom. Religiöse Erfahrungen können und wollen sie hier machen. Ganz direkte und sinnliche religiöse Erfahrungen sind hier den entleerten und von der Lebenspraxis vieler Menschen abgehobenen oder inzwischen auch völlig unverständlich gewordenen Lehren und Ritualen traditioneller Glaubensgemeinschaften entgegenzusetzen. Dazu gehört beispielsweise die Erfahrung der Verbundenheit, des „sich eins fühlen“ mit Schöpfung, Kosmos, Gott. Nicht von ungefähr wird Pilgern ja auch als ein Beten mit den Füssen und dem Körper bezeichnet. Und dazu gehört auch die Erfahrung, dass ich der Körper, der Geist und die Seele bin, dass ich sie nicht habe. Der Jakobsweg führt die Pilger zwar eigentlich nach Santiago an das Grab des Apostels Jakobus. Viele Pilger gehen ihn aber noch weiter nach Finisterre am Atlantik, ein Ort der „Ende der Welt“ heißt und mit dem „Cap Finisterre“ die Begrenzung der ehemals bekannten Welt darstellte. Und nicht von ungefähr ist das Meer ja auch ein Symbol für die Wiedergeburt des Menschen, die vom Pilger angestrebt werden kann.

 

Menschen wollen sich neu ver-orten

„Ist es möglich, dass manche Orte an sich heilig sind, gleich, was sie Menschen bedeuten mögen? Manche Kulturen gehen davon aus. Pilgerorte sind oft Plätze von besonderer Naturschönheit. Dabei spielt vermutlich weniger die Bewunderung für ein Meisterwerk der Schöpferkraft eine Rolle als die menschliche Neigung, in bestimmten geographischen Merkmalen bestimmte Symbole zu sehen. Manche Orte, besonders Berge, Höhlen, Flüsse und Quellen, sind von alters her als Wohnstätten von Göttern betrachtet worden oder als Orte, an denen sich die Welt der Götter und die der Menschen treffen.“ Jennifer Westwood geht noch darüber hinaus, wenn sie sagt: „Der heilige Ort ist ein Teil der Sehnsucht“.

 

Ein Beispiel: der Kailash

Doch nicht nur die Mühsal der Ebenen ist es, die den Pilger auf seinem Weg plagen können. Auch das Motiv des inneren wie äußeren Aufstiegs kehrt in vielen Religionen wieder. Schon im elften Jahrhundert findet sich die Tradition, Berge zu umrunden. Und lange wird der Kailash als etwas gesehen, was mit dem Wort „Weltenberg“, „Meru“ oder „Nabel der Welt“ umschrieben wird. Der Kailash ist übrigens jener heilige Berg, der von Hinduisten und Buddhisten ebenso verehrt wird wie von Anhängern der Bön-Religion. Bereits der Blick auf den Kailash soll genügen, um das Potenzial der eigenen Erleuchtung zu stärken. Buddhisten gehen her und umkreisen den Kailash im Uhrzeigersinn und sie rezitieren dabei das Mantra „Om Mani Padme Hum“. Sind dies doch die heiligen Ursilben der Lebewesen der sechs Welten. Unzählige Mani-Steine flankieren daher die Wege und Pfade, die zu den heiligen Stätten führen. Sie sprechen den Wunsch aus, dass sich das Heiligste auch auf der Erde manifestieren und realisieren möge. Und jede dieser Aktionen und alles Tun auf dem Pilgerweg sollen für das Wohlergehen aller Lebewesen beitragen. Erwarten viele der Pilger doch nicht nur ein besseres Schicksal im Leben, Gesundheit und Reichtum, sondern auch eine gute Wiedergeburt. „Es gibt Berge, die bloß Berge sind, und es gibt solche, die Persönlichkeit aufweisen. Die Persönlichkeit eines Berges hängt nicht von dessen seltsamer Formgebung ab, die ihn von anderen Bergen unterscheidet genauso wenig wie ein wunderlich geschnittenes Gesicht oder ungewohnte Taten aus einem Individuum noch keine Persönlichkeit machen. Persönlichkeit besteht in der Kraft, andere zu beeinflussen, und diese Kraft ist der Konsequenz, Harmonie und Zielstrebigkeit des Charakters zuzuschreiben. Ein Mensch, der diese Eigenschaften in höchster Perfektion in sich vereint, wird zum geeigneten Führer der Menschheit, mag er Herrscher, Denker oder Heiliger sein, und wir würdigen ihn als ein Gefäß überirdischer Kraft. Falls diese Eigenschaften einem Berg innewohnen, wird er für uns zu einem Gefäß kosmischer Kraft, und wir bezeichnen ihn als heiligen Berg. Die Kraft eines solchen Berges ist so groß und doch so subtil, dass sich Pilger von nah und fern unwiderstehlich von ihm angezogen fühlen, wie von der Macht des unsichtbaren Magneten; und in ihrem unerklärlichen Drang, sich diesem heiligen Ort zu nähern und ihn zu würdigen, erdulden sie unsagbare Mühsal und Entbehrung. Niemand hat einem solchen Berg den Titel der Heiligkeit verliehen; der Berg wird Kraft seiner eigenen magnetischen und psychischen Ausstrahlung intuitiv als geheiligt anerkannt.“ In seinem Buch „Der Berg der weißen Wolken“ hat der aus Sachsen stammende Lama Anagarika Govinda (1898 – 1985) dem Kailash ein Denkmal gesetzt, der 6.714 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Das „Schneejuwel“ vermittelt „schöpferische Impulse, er ist die Quelle der Kraft & Inspiration. Dieses geographische Zentrum auf dem höchstgelegensten Hochplateau der Erde, mit einer Schneegrenze zwischen 5-6000 Metern, ist zugleich das Quellgebiet vier großer, mächtiger Ströme: Ganges, Indus, Sutley und Brahmaputra.“ Über die geographische Sicht eines Weltenberges geht die Bedeutung des Meru für den Schweizer Journalisten Ron Giger jedoch weit hinaus: „Unser psycho-physischer Organismus ist ein mikrokosmisches Abbild des Universums. Meru entspricht unserer Wirbelsäule, bzw. dem Rückenmark unseres Nervensystems, Meru ist also die Achse der verschiedenen überweltlichen Bereiche. Sitz Shivas für die Hindus, ist er ein überdimensionales Mandala von Buddhas und Bodhisattvas für Buddhisten.“

 

Einheit von Geben und Nehmen

Die britische Autorin Jennifer Westwood sieht deutlich, dass es sich beim Pilgern nicht nur um eine individuelle Dimension von heilender Wegstrecke handelt, sondern sie verweist auch auf den sozialen Bezug, der damit verbunden ist: „Im Grunde suchen alle Pilger nach einem Zugang über einen bedeutsamen Ort zu einem spirituellen Reservoir, das in der Vergangenheit gefüllt wurde und sich ständig erneuert. Denn der Pilger nimmt nicht nur, sondern er gibt auch. Er nimmt spirituelle Nahrung auf und gleichzeitig, durch seinen Glaubensakt der Wallfahrt an einen bestimmten Ort, erneuert er die niemals versiegende Quelle dort.Ein Pilger zu sein bedeutet nicht, einen individuellen Akt der Hingabe durchzuführen, sondern sich am Dialog der Menschheit mit der Gottheit zu beteiligen: nicht zeitgebunden, sondern ewig.“

 

Von innerster Pilgerschaft

Swami Kriyananda, Schüler von Paramhansa Yogananda (1893– 1952) weist noch auf ganz andere Aspekte hin, die es bei der Beschäftigung mit dem Motiv der Pilgerschaft zu bedenken gilt. „Pilgerreisen zu heiligen Schreinen sind Symbole für die innere, spirituelle Suche. Für ein Symbol aber scheint dieser eine Aspekt zu fehlen: Bewegung. Und trotzdem gibt es definitiv Bewegung in der Meditation. Die Bewegung ist nicht äußerlich. Sie findet innerhalb des Körpers statt. Eine solche Pilgerreise führt uns durch die Wirbelsäule. Die Wirbelsäule ist auch physisch der Weg, auf dem die Energie zwischen Gehirn und Körper fließt. Sie ist ein subtiler Durchgang für den Fluss der Lebensenergie. Der menschliche Wille sendet sowohl bewusst als auch unbewusst Energie durch die Nerven der Wirbelsäule in den Körper, und verursacht auf diese Weise Bewegung, Spannung, ja sogar den Atem. Je größer die spirituelle Verwirklichung, desto klarer erkennen wir, dass das Meistern dieser Energie uns die Kontrolle über alles im Universum gibt… Es gibt also wirklich eine innere Pilgerreise. Sie ist Bewegung, nichtstatisch. Erst am Ende der Reise erreichen wir absolute Stille. Diese Reise ist jedoch subtil…Die nach oben gerichtete Reise der Energie und des Bewusstseins in der Wirbelsäule endet in der vollkommenen Stille der Selbstverwirklichung.“ Wer pilgert, bricht auf, und nur, wer sich aufmacht, kann auch ankommen. Das Bild der inneren wie äußeren Pilgerschaft ist in Zeiten von Zeit-losigkeiten und Sinnverlusten wie ein Mahnmal, die Perspektiven zu wechseln und den Blick neu auszurichten. Und nicht nur den Blick…

© Werner Anahata Krebber

 

Pilgerorte der Weltreligionen

(kleine Auswahl in alphabetischer Reihenfolge)

Buddhismus

Ajanta, Borobodur, Ellora, Kailash, Lhasa, Shikoku, Yangon

 

Christentum

Aachen, Altötting, Canterbury, Echternach, Einsiedeln, Fatima, Guadelupe, Jerusalem Kevelaer, Köln, Kornelimünster, Lalibela, Lourdes, Medjugorje, Neviges, Rom, Santiago de Compostela, Tschenstochau,

 

Hinduismus

Ajmer, Amritsa, Kailash, Varanasi

 

Islam

Ghom, Jenné, Jerusalem, Kerbela, Mekka, Medina, Touba

 

Judentum:

Jerusalem

 

 

Literatur in Auswahl:

De Lauwer, Christ / Patrick J. Lennon (Hg.) Sacred Places. Pilgrimages in Judaism, Christianity and Islam. 2014

Govinda, Lama Anagarika: Der Weg der weißen Wolken, Scherz-Verlag 1991;

Pilgern. Sehnsucht nach Glück? Rautenstrauch-Joest-Museum, Köln 2016

Westwood, Jennifer: Pilgerreisen – Wege zum Selbst. Urania-Verlag Neuhausen/Schweiz, 2002;

 

Weitere Texte zu Mystik und Spiritualität finden sich hier:

https://mystikaktuell.wordpress.com/auf-einen-blick-spirituelle-anregungen-von-werner-a-krebber/

 

 

Pilgern: Das Ziel und der Weg sind eins

Fremdlinge oder Romwallfahrer nannte man sie, peregrinus oder pelegrinus. Seit dem 2. Jahrhundert pilgerten Menschen zu den Gräbern der frühchristlichen Apostel. Doch zuvor bereisten bereits Griechen und Römer oft weit entfernte Tempel. Bis in die Jetztzeit hat sich das Motiv der Pilgerschaft in vielen Religionen erhalten. Der Weg durch Wald und Feld, in Wüsten und auf Berge hat nicht nur den individuellen Aspekt der Heilung von physischem Leiden und psychischen Nöten. Neben der Sündenvergebung steht auch ein stark sozialer Bezug. Trifft man doch auf dem Weg Menschen, denen man begegnen und mit denen man sich austauschen kann. Und wie kaum anderswo gilt für den Pilger das Wort von Dogen: „Das Ziel und der Weg sind eins“. Dies gilt für die äußere Pilgerschaft ebenso wie für die innere.

„Eine Wallfahrt ist eine traditionelle Reise zum Zweck des Besuches einer bestimmten Pilgerstätte mit religiöser Bedeutung…. Im symbolischen Sinn ist die Pilgerfahrt sowohl eine Initiation als auch ein Akt der Ergebenheit. Sie geht zurück auf den alten Glauben, dass die übernatürlichen Mächte ihre Kraft an bestimmten Orten besonders stark entfalten… Heute werden Wallfahrten gewöhnlich als zeichenhafte Darstellung der Lebensreise aufgefasst. Der Aufenthalt am fremden heiligen Ort öffnet vielen Menschen bisher verschlossene Bereiche ihres Seelenlebens.“ [http://de.wikipedia.org/wiki/Pilgerfahrt] Seit Tausenden von Jahren machen sich Menschen auf den Weg, solche Orte zu besuchen, denen sie besondere Kräfte zuschreiben. Die Motive sind dabei sehr unterschiedlich. Menschen kümmern sich um ihr Heil im Diesseits (und manchmal auch im Jenseits) oder sie wollen für begangenes Unrecht oder Schuld Busse tun. Sie erhoffen ein Wunder oder sie wollen nach erfolgter Heilung o.ä. ein Gelübde erfüllen, das sie in kranken Tagen gesprochen haben. Oder sie wollen einfach dafür danken, dass sie aus einer Not gerettet, von einer Krankheit befreit wurden. Das gemeinsame innere wie äußere Ziel der Pilger schafft dabei eine gemeinsame Aus-Richtung.

 

Der Aufbruch ist schon ein Risiko

„Wenn Sie eine Pilgerfahrt unternehmen, riskieren Sie etwas. Sie lassen sich nicht nur auf einige körperliche Beschwernisse ein. Sie riskieren, dass Sie nicht als derselbe Mensch zurückkehren, der losgegangen war. Es besteht aber auch eine zweite Gefahr: Das Risiko, dass sie von großer Freude überrascht werden. Dass Sie, wenn Sie sich physisch und metaphysisch auf die Pilgerreise begeben, Menschen begegnen, Orte kennen lernen, Gedanken, Gefühle, Visionen und Ereignisse erleben, die Sie weit über das hinaus führen, was Sie sich bis jetzt vorgestellt haben.“ So fasst Martin Palmer, Direktor der Internationalen Beratungsstelle über Religion, Erziehung und Kultur in Manchester, zusammen, was Pilgerschaft heute bedeuten kann. Die britische Autorin Jennifer Westwood nennt von Vorbereitung über Aufbruch, Abenteuer und Hindernisse, Zweifel und Hoffnung, Annäherung und Vorfreude, Ankunft: Ergriffenheit und Öffnung, Heimkommen jene Kategorien, die es im Umgang mit und Fortschreiten auf heiligen Pfaden zu bedenken gilt.

 

Ein konkretes Beispiel: Der Jakobsweg

Vom inneren Wandel, den Spuren der Transformation, zu denen sie sich begeben, muss man wohl sprechen, wenn man die Motive der Pilgerschaft ernst nehmen will, wenn sich Menschen auf den Weg machen. Wohl kaum ein Pilgerweg in Europa ist so von Mühen geprägt, wie es der Jakobsweg ist, auf dessen Spuren bereits Millionen Menschen pilgerten. So unterschiedliche Menschen wie Paolo Coelho und Hape Kerkelink gehörten ebenso zu ihnen wie Shirley McLaine oder Cees Noteboom. Religiöse Erfahrungen können und wollen sie hier machen. Ganz direkte und sinnliche religiöse Erfahrungen sind hier den entleerten und von der Lebenspraxis vieler Menschen abgehobenen oder inzwischen auch völlig unverständlich gewordenen Lehren und Ritualen traditioneller Glaubensgemeinschaften entgegenzusetzen. Dazu gehört beispielsweise die Erfahrung der Verbundenheit, des „sich eins fühlen“ mit Schöpfung, Kosmos, Gott. Nicht von ungefähr wird Pilgern ja auch als ein Beten mit den Füssen und dem Körper bezeichnet. Und dazu gehört auch die Erfahrung, dass ich der Körper, der Geist und die Seele bin, dass ich sie nicht habe. Der Jakobsweg führt die Pilger zwar eigentlich nach Santiago an das Grab des Apostels Jakobus. Viele Pilger gehen ihn aber noch weiter nach Finisterre am Atlantik, ein Ort der „Ende der Welt“ heißt und mit dem „Cap Finisterre“ die Begrenzung der ehemals bekannten Welt darstellte. Und nicht von ungefähr ist das Meer ja auch ein Symbol für die Wiedergeburt des Menschen, die vom Pilger angestrebt werden kann.

 

Menschen wollen sich neu ver-orten

„Ist es möglich, dass manche Orte an sich heilig sind, gleich, was sie Menschen bedeuten mögen? Manche Kulturen gehen davon aus. Pilgerorte sind oft Plätze von besonderer Naturschönheit. Dabei spielt vermutlich weniger die Bewunderung für ein Meisterwerk der Schöpferkraft eine Rolle als die menschliche Neigung, in bestimmten geographischen Merkmalen bestimmte Symbole zu sehen. Manche Orte, besonders Berge, Höhlen, Flüsse und Quellen, sind von alters her als Wohnstätten von Göttern betrachtet worden oder als Orte, an denen sich die Welt der Götter und die der Menschen treffen.“ Jennifer Westwood geht noch darüber hinaus, wenn sie sagt: „Der heilige Ort ist ein Teil der Sehnsucht“.

 

Ein Beispiel: der Kailash

Doch nicht nur die Mühsal der Ebenen ist es, die den Pilger auf seinem Weg plagen können. Auch das Motiv des inneren wie äußeren Aufstiegs kehrt in vielen Religionen wieder. Schon im elften Jahrhundert findet sich die Tradition, Berge zu umrunden. Und lange wird der Kailash als etwas gesehen, was mit dem Wort „Weltenberg“, „Meru“ oder „Nabel der Welt“ umschrieben wird. Der Kailash ist übrigens jener heilige Berg, der von Hinduisten und Buddhisten ebenso verehrt wird wie von Anhängern der Bön-Religion. Bereits der Blick auf den Kailash soll genügen, um das Potenzial der eigenen Erleuchtung zu stärken. Buddhisten gehen her und umkreisen den Kailash im Uhrzeigersinn und sie rezitieren dabei das Mantra „Om Mani Padme Hum“. Sind dies doch die heiligen Ursilben der Lebewesen der sechs Welten. Unzählige Mani-Steine flankieren daher die Wege und Pfade, die zu den heiligen Stätten führen. Sie sprechen den Wunsch aus, dass sich das Heiligste auch auf der Erde manifestieren und realisieren möge. Und jede dieser Aktionen und alles Tun auf dem Pilgerweg sollen für das Wohlergehen aller Lebewesen beitragen. Erwarten viele der Pilger doch nicht nur ein besseres Schicksal im Leben, Gesundheit und Reichtum, sondern auch eine gute Wiedergeburt. „Es gibt Berge, die bloß Berge sind, und es gibt solche, die Persönlichkeit aufweisen. Die Persönlichkeit eines Berges hängt nicht von dessen seltsamer Formgebung ab, die ihn von anderen Bergen unterscheidet genauso wenig wie ein wunderlich geschnittenes Gesicht oder ungewohnte Taten aus einem Individuum noch keine Persönlichkeit machen. Persönlichkeit besteht in der Kraft, andere zu beeinflussen, und diese Kraft ist der Konsequenz, Harmonie und Zielstrebigkeit des Charakters zuzuschreiben. Ein Mensch, der diese Eigenschaften in höchster Perfektion in sich vereint, wird zum geeigneten Führer der Menschheit, mag er Herrscher, Denker oder Heiliger sein, und wir würdigen ihn als ein Gefäß überirdischer Kraft. Falls diese Eigenschaften einem Berg innewohnen, wird er für uns zu einem Gefäß kosmischer Kraft, und wir bezeichnen ihn als heiligen Berg. Die Kraft eines solchen Berges ist so groß und doch so subtil, dass sich Pilger von nah und fern unwiderstehlich von ihm angezogen fühlen, wie von der Macht des unsichtbaren Magneten; und in ihrem unerklärlichen Drang, sich diesem heiligen Ort zu nähern und ihn zu würdigen, erdulden sie unsagbare Mühsal und Entbehrung. Niemand hat einem solchen Berg den Titel der Heiligkeit verliehen; der Berg wird Kraft seiner eigenen magnetischen und psychischen Ausstrahlung intuitiv als geheiligt anerkannt.“ In seinem Buch „Der Berg der weißen Wolken“ hat der aus Sachsen stammende Lama Anagarika Govinda (1898 – 1985) dem Kailash ein Denkmal gesetzt, der 6.714 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Das „Schneejuwel“ vermittelt „schöpferische Impulse, er ist die Quelle der Kraft & Inspiration. Dieses geographische Zentrum auf dem höchstgelegensten Hochplateau der Erde, mit einer Schneegrenze zwischen 5-6000 Metern, ist zugleich das Quellgebiet vier großer, mächtiger Ströme: Ganges, Indus, Sutley und Brahmaputra.“ Über die geographische Sicht eines Weltenberges geht die Bedeutung des Meru für den Schweizer Journalisten Ron Giger jedoch weit hinaus: „Unser psycho-physischer Organismus ist ein mikrokosmisches Abbild des Universums. Meru entspricht unserer Wirbelsäule, bzw. dem Rückenmark unseres Nervensystems, Meru ist also die Achse der verschiedenen überweltlichen Bereiche. Sitz Shivas für die Hindus, ist er ein überdimensionales Mandala von Buddhas und Bodhisattvas für Buddhisten.“

 

Einheit von Geben und Nehmen

Die britische Autorin Jennifer Westwood sieht deutlich, dass es sich beim Pilgern nicht nur um eine individuelle Dimension von heilender Wegstrecke handelt, sondern sie verweist auch auf den sozialen Bezug, der damit verbunden ist: „Im Grunde suchen alle Pilger nach einem Zugang über einen bedeutsamen Ort zu einem spirituellen Reservoir, das in der Vergangenheit gefüllt wurde und sich ständig erneuert. Denn der Pilger nimmt nicht nur, sondern er gibt auch. Er nimmt spirituelle Nahrung auf und gleichzeitig, durch seinen Glaubensakt der Wallfahrt an einen bestimmten Ort, erneuert er die niemals versiegende Quelle dort.Ein Pilger zu sein bedeutet nicht, einen individuellen Akt der Hingabe durchzuführen, sondern sich am Dialog der Menschheit mit der Gottheit zu beteiligen: nicht zeitgebunden, sondern ewig.“

 

Von innerster Pilgerschaft

Swami Kriyananda, Schüler von Paramhansa Yogananda (1893– 1952) weist noch auf ganz andere Aspekte hin, die es bei der Beschäftigung mit dem Motiv der Pilgerschaft zu bedenken gilt. „Pilgerreisen zu heiligen Schreinen sind Symbole für die innere, spirituelle Suche. Für ein Symbol aber scheint dieser eine Aspekt zu fehlen: Bewegung. Und trotzdem gibt es definitiv Bewegung in der Meditation. Die Bewegung ist nicht äußerlich. Sie findet innerhalb des Körpers statt. Eine solche Pilgerreise führt uns durch die Wirbelsäule. Die Wirbelsäule ist auch physisch der Weg, auf dem die Energie zwischen Gehirn und Körper fließt. Sie ist ein subtiler Durchgang für den Fluss der Lebensenergie. Der menschliche Wille sendet sowohl bewusst als auch unbewusst Energie durch die Nerven der Wirbelsäule in den Körper, und verursacht auf diese Weise Bewegung, Spannung, ja sogar den Atem. Je größer die spirituelle Verwirklichung, desto klarer erkennen wir, dass das Meistern dieser Energie uns die Kontrolle über alles im Universum gibt… Es gibt also wirklich eine innere Pilgerreise. Sie ist Bewegung, nichtstatisch. Erst am Ende der Reise erreichen wir absolute Stille. Diese Reise ist jedoch subtil…Die nach oben gerichtete Reise der Energie und des Bewusstseins in der Wirbelsäule endet in der vollkommenen Stille der Selbstverwirklichung.“ Wer pilgert, bricht auf, und nur, wer sich aufmacht, kann auch ankommen. Das Bild der inneren wie äußeren Pilgerschaft ist in Zeiten von Zeit-losigkeiten und Sinnverlusten wie ein Mahnmal, die Perspektiven zu wechseln und den Blick neu auszurichten. Und nicht nur den Blick…

Werner Anahata Krebber

 

Pilgerorte der Weltreligionen

(kleine Auswahl in alphabetischer Reihenfolge)

Buddhismus

Ajanta, Borobodur, Ellora, Kailash, Lhasa

 

Christentum

Gräber und Gebeine:

Aachen, Rom, Canterbury, Echternach, Santiago de Compostela,

Marienwallfahrtsorte:

Altötting, Einsiedeln, Fatima, Guadelupe, Kevelaer, Lourdes, Medjugorje, Neviges, Tschenstochau,

Jerusalem

 

Hinduismus

Amritsa, Kailash, Varanasi

 

Islam

Ghom, Jenné, Jerusalem, Kerbela, Mekka, Medina, Mesched

 

Judentum:

Jerusalem

 

 

Literatur in Auswahl:

Govinda, Lama Anagarika: Der Weg der weißen Wolken, Scherz-Verlag 1991;

Westwood, Jennifer: Pilgerreisen – Wege zum Selbst. Urania-Verlag Neuhausen/Schweiz, 2002;

 

 

 

Weitere Texte zu Mystik und Spiritualität finden sich hier:

https://mystikaktuell.wordpress.com/auf-einen-blick-spirituelle-anregungen-von-werner-a-krebber/

 

Wortannäherungen zu Hannah Buchholz: „Schlaflos“

Schlaflos_Cover

Blick in das Tonnengewölbe des Grabes von Galla Placidia in Ravenna

http://12koerbe.de/mosaiken/rav-01.htm

Wie ein Schutzmantel
ist das Tonnengewölbe
des Grabes von Galla Placidia in Ravenna
über dem Buch „Schlaflos“
und das blaue Halbleinen des Umschlags
ist  kein Mantel des Vergessens, kein Leichentuch.
„Schlaflos“ ist nicht Grab,
„Schlaflos“ ist Auferstehung…

Das Gedicht
ist ein gefährlicher Ort,

doch für heute ist es
meine Rettung.
(h.b.)

Ungewohnte, ungewöhnliche Zeilenfälle
ziehen sich durch den Band
mit den Gedichten von Hannah Buchholz,
die sich als Geschichte in Gedichten präsentiert.
Worte, die gesetzt sind in Zeilen,
die den Leser mitnehmen.
Sie lassen teilhaben an der Geschichte
der Lyrikerin

Aber was ist
die Geschichte hinter den Gedichten?

anwesend und abwesend
gemalt aber nicht abgebildet
angezogen und abgestoßen
im ständigen raschen Wechsel
Versuche zu verstehen
und die Erfahrung von Unverständnis

Doch das einsame Kind,
das kleine wie das große,
kann auch angenommen sein erfahren.

Denn es gibt Anker, es gibt Halt.
Menschen und Orte, die Heimat werden.
In der Natur, am See, mit dem Wind, dem Regen
der Musik.
Und Atemholen gibt es

Die umhüllende Dunkelheit der Nacht
wird zu einem Schutzschirm
mit kosmischer Dimension

Aus dem im Schmerz geborenen Wort
wird Erlösung, wird Erfüllung
Aus Leere wird Fülle
aus Dunkel wird Licht

Tiefe Ein- und Ausblicke,
in einer Sprache von seltener Dichte
und Klarheit in der Suche danach
Unklarheit und Verstörtheit und Irritationen
zu verstehen, zu bearbeiten, zu verarbeiten.
zu verwandeln, zu transformieren

Welche Kraft…

Werner Anahata Krebber , 11.01.2015 / 31.07.2015

Mehr zu „Schlaflos“ und anderen Büchern von Hannah Buchholz hier:

https://hannahbuchholz.wordpress.com/publikationen/

Das höchste Gute gleicht dem Wasser

Das höchste Gute gleicht dem Wasser.
Des Wassers Gutsein: Es nützt den zehntausend Wesen,
Aber macht ihnen nichts streitig;
Es weilt an Orten,
Die die Menge der Menschen verabscheut.
Darum ist es nahe dem Weg.

Gut ist beim Wohnen: der Grund.
Gut ist beim Sinnen: die Tiefe.
Gut ist beim Geben: die Menschlichkeit.
Gut ist beim Reden: die Treulichkeit.
Gut ist beim Herrschen: die Ordnung.
Gut ist beim Schaffen: die Fähigkeit.
Gut beim Sich-Regen: die rechte Zeit.

Wohl! Nur, wer sich nicht streitet,
Ist gegen Schmähung gefeit.

Laotse ( 6. Jh. v.u.Z.) im Tao-Tê-King

Die Dinge und sich selber lassen

Die Leute sagen: „Ach ja! lieber Herr, ich wollte gerne, ich stünde auch mit Gott auf so gutem Fuß und hätte so viel Sammlung und Frieden mit Gott, wie andere Leute haben. Hätt ich’s nur auch so gut und könnte so arm sein!“ Oder sie sagen: „ich komme nie in die rechte Stimmung, außer ich weile da oder dort, treib es so oder so: ich muss ohne Dach und Decke leben, oder in einer Klause, oder im Kloster.“

Aber daran bist du wahrhaftig ganz alleine schuld, eigener Wille ist es, weiter nichts, ob du’s auch nicht Wort haben willst! Nimmer steht ein Unfriede in dir auf, er entspringt aus Eigenwillen, man sei sich dessen bewusst oder nicht. Was wir uns da einreden: man müsse diese Dinge fliehen und jene suchen, ausgerechnet diese Stätten und Menschen, diese Weise, diese Richtung, diese Beschäftigung – nicht das ist schuld, dass die Lage oder die Dinge dich hindern! Sondern du bist es in den Dingen selber, was dich hindert: deine Stellung zu den Dingen ist verkehrt. Bei dir also setz den Hebel an und lasse dich! Denn wahrlich! fliehst du dich nicht zuerst, dann, wo du auch hinfliehst, findest du immer nur Behinderung und Unfrieden. Die Leute, die Frieden suchen in äußeren Dingen: bei Orten und Weisen, durch Menschen oder Werke, durch Unbehaustheit, Armut und Niedrigkeit – wie stattlich sich’s auch ausnimmt, das ist dennoch alles nichts und gibt keinen Frieden! Sie suchen ganz verkehrt, die also suchen: je ferner sie fortgehen, um so weniger finden sie, was sie suchen. Sie gehen wie einer seines Weges vermisst: je weiter er geht; je mehr er irrt.

„Aber wie soll man’s denn machen?“

Zuerst einmal sich selber lassen! Damit hat man auch alle Dinge gelassen. Ohne Übertreibung: ließe einer ein Königreich, ja die ganze Welt, und behielte sich, er hätte gar nichts gelassen! Ja, und gibt er sich auf, so kann er behalten, was er will, Reichtum, Ehre oder was immer: er hat alles aufgegeben. Ein Heiliger bemerkt zu dem Ausspruch Sankt Peters: „Sieh, Herr, wir haben alles gelassen“ – und er hatte doch weiter nichts gelassen als ein armes Netz und seinen Kahn –, der Heilige sagt: wer das Kleine willig lässt, der lässet nicht nur dieses, er lässet alles, was die Kinder der Welt gewinnen, ja sich auch nur wünschen mögen. Denn wer seinen Willen, wer sich selber lässt, der hat die ganze Welt gelassen, so gut, als ob sie sein freies Eigen wär und er sie zu voller Gewalt besessen hätte. Alles, was du ausdrücklich nicht begehrst, des hast du dich begeben, hast es gelassen um Gott. Selig sind die Armen im Geist, hat unser Herr gesagt; es bedeutet, die arm sind am Willen. Und daran soll niemand zweifeln: gäb es einen bessern Weg, unser Herr hätt ihn uns gewiesen. Wie er auch sagt: Wer mir nachfolgen will, der verzichte zuerst auf sich selber! Darauf allein kommt’s an. Fahnde auf dich, und wo du dich findest, da gibt dich auf! Das ist das Heilsamste. Und lass dir sagen: es hat sich noch nie einer in diesem Leben so darangegeben, er findet immer, wie er sich noch mehr begebe. Derer sind wenige, die das recht wahrnehmen und darin sicher stehn. Es ist recht ein gleich mit gleich vergelten und ein gerechter Kauf: so weit du selber ausgehst aus den Dingen, genau so weit, keinen Schritt weniger oder mehr, geht Gott ein mit allem, was sein ist. Hier heb an und lass dich’s kosten, was du nur leisten kannst, so findest du wahren Frieden! Und anders nicht.

Meister Eckhart (1260 – 1328)