Fang zuallererst bei dir selber an und lasse dich

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Du selber in den Dingen bist es, was dich hindert, denn du hältst dich zu den Dingen nicht in der rechten Weise. Darum fang zuallererst bei dir selber an und lasse dich! Fürwahr, wenn du nicht zuerst dich selber fliehst, so magst du fliehen wohin du willst, du findest da nur Erschwerung und Unfrieden, es sei, was es sei. Die Leute, die Frieden suchen an äußeren Dingen, es sei an Orten oder Weisen oder Menschen oder Werken oder Heimatlosigkeit oder Armut und Verachtung – wie groß sich das auch ausnehme oder was es sei, das ist doch alles nichts und gibt keinen Frieden. Sie suchen alles verkehrt, die so suchen: Je weiter weg sie wandern, je weniger finden sie, was sie suchen. Sie gehen wie einer, der den Weg verfehlt: Je weiter er geht, je mehr er irrt. Ja, was soll er aber tun? Vor allem, er soll sich selber lassen, so hat er alle Dinge gelassen

Meister Eckhart (1260 – 1328) in: „Reden der Unterweisung“

Nutzlose Worte sind Hindernisse auf dem Weg

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Die nutzlosen Worte, die dummen nicht weniger als die eigennützen und lieblosen, sind Hindernisse auf dem Weg zum Einheitsbewusstsein des göttlichen Urgrunds, ein Tanz von Staub und Fliegen, der das innere und äußere Licht verdunkelt.

Aldous Huxley (1894 – 1963)

In einem Menschen alle Menschen lieb haben

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Hast du dich selbst lieb, so hast du alle Menschen lieb wie dich selbst. Solange du einen einzigen Menschen weniger lieb hast als dich selbst, so hast du dich selbst nie wahrhaft lieb gewonnen, – wenn du nicht alle Menschen so lieb hast wie dich selbst, in einem Menschen alle Menschen: und dieser Mensch ist Gott und Mensch. So steht es recht mit einem solchen Menschen, der sich selbst lieb hat und alle Menschen so lieb wie sich selbst, und mit dem ist es gar recht bestellt

Meister Eckhart (1260 – 1328) in seiner Predigt „Qui audit me“ (Eccli. 24,30) Josef Quint,  Meister Eckhart, Deutsche Predigten und Traktate, 1977, S. 214

Die himmlischen Schönheiten erhöhen

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Wenn also in Bezug auf die Göttlichen Dinge die Bejahung weniger richtig und die Verneinung wahrer ist, so geziemt es sich nicht, dass man versuche, jene in heilige Dunkelheit gehüllten Geheimnisse in Gestalten kundzutun, die ihnen ähnlich sind; denn man erniedrigt nicht die himmlischen Schön­heiten, im Gegenteil, man erhöht sie, indem man sie mit offensichtlich ungenauen Zügen darstellt, weil man damit zugibt, dass zwischen ihnen und den stofflichen Dingen eine ganze Welt klafft.

Dionysius Areopagita (um 500)

Vom Nutzen des Lassens

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Du musst wissen, dass sich noch nie ein Mensch in diesem Leben so weitgehend gelassen hat, dass er nicht gefunden hätte, er müsse sich noch mehr lassen. Der Menschen gibt es wenige, die das recht beachten und darin beständig sind. Es ist ein gleichwertiger Austausch und ein gerechter Handel: So weit du ausgehst aus allen Dingen, so weit, nicht weniger und nicht mehr, geht Gott ein mit all dem Seinen, dafern du in allen Dingen dich des Deinen völlig entäußerst. Damit heb an, und lass dich dies alles kosten, was du aufzubringen vermagst. Da findest du wahren Frieden und nirgends sonst.

Die Leute brauchten nicht soviel nachzudenken, was sie tun sollten; sie sollten vielmehr bedenken, was sie wären. Wären nun aber die Leute gut und ihre Weise, so könnten ihre Werke hell leuchten.

Bist du gerecht, so sind auch deine Werke gerecht. Nicht gedenke man Heiligkeit zu gründen auf ein Tun; man soll Heiligkeit vielmehr gründen auf ein Sein, denn die Werke heiligen nicht uns, sondern wir sollen die Werke heiligen. Wie heilig die Werke immer sein mögen, so heiligen sie uns ganz und gar nicht, soweit sie Werke sind, sondern: soweit wir heilig sind und Sein besitzen, soweit heiligen wir alle unsere Werke, es sei Essen, Schlafen, Wachen oder was immer es sei. Die nicht großen Seins sind, welche Werke die auch wirken, da wird nichts daraus. Erkenne hieraus, dass man allen Fleiß darauf verwenden soll, gut zu sein, – nicht aber so sehr darauf, was man tue oder welcher Art die Werke seien, sondern wie der Grund der Werke sei.

Meister Eckhart (1260 – 328) in den „Reden der Unterweisung“

Zu Gott und anderen Seelen erweitert

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Das spirituelle Leben eines Individuums
muss vertikal zu Gott erweitert werden
und horizontal zu anderen Seelen.

Und je mehr es in beiden Richtungen wächst,
desto weniger wird es individuell
und damit wahrhaft persönlich werden.

Evelyn Underhill (1875-1941)

Die dunkle Wolke erhellt die Nacht

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Je höher man stieg,
desto weniger verstand man,
daß es die dunkle Wolke ist,
die die Nacht erhellt;
deshalb bleibt,
wer sie erfuhr,
unwissend,
alles Wissen übersteigend.

Johannes vom Kreuz (1542 – 1591)

Mehr zu Johannes vom Kreuz und der „Dunklen Nacht“ am 4. November in Köln:

https://mystikaktuell.wordpress.com/2018/09/07/dunkle-nacht-der-seele-johannes-vom-kreuz-im-mystikkreis-am-4-november/

Alle Menschen lieb wie dich selbst

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Hast du dich selber auf die rechte Art lieb, so hast du alle Menschen lieb wie dich selbst. Solange du einen Menschen weniger liebhast als dich selbst, gewannst du dich selbst nie wahrhaftig lieb. Nur mit dem sich auf rechte Art selbst liebenden Menschen steht es gut, so dass er alle Menschen ebenso liebhat wie sich selbst.

Meister Eckhart (1260 – 1328)

In Meister Eckhart: Vom Wunder der Seele. Stuttgart 1963, S. 67