Mystisches Bewusstsein

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Für das mystische Bewusstsein
ist es notwendig,
dass alles Innere nach außen kommt
und sichtbar wird.
Der Traum will erzählt werden,
das „Innere Licht“ will scheinen,
die Vision muss mitteilbar werden.

Dorothee Sölle (1929 – 2003) in: Mystik und Widerstand

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Mystik hier und jetzt – Praxis und Studien

Am 6. Mai 2018 beginnen Rani Kaluza (doingnothing) und ich in Köln mit einem Studien- und Praxiskreis zum Thema „Mystik hier und jetzt – Mystikerinnen und Mystiker, Erfahrungen und Einsichten“.

Mystik ist der Grundzug jeder Religion. Jeder mystische Weg ist ein Weg aus einem allzu engen konfessionellen Religionsverständnis heraus. Das muss nicht ein Abschied von der Religion an sich bedeuten, wohl aber sprengt und übersteigt die Mystik alles, was die Religion verdinglichen und festschreiben will.

Und damit Mystik nicht im Kopf bleibt, sondern in die lebendige Praxis kommt, müsste jene Sicht wohl um diese Gedanken ergänzt werden: Die tiefste Form des Miteinander-Teilens geschieht in und durch mystische Weisheit, durch Lehren, Einsichten, Methoden des spirituellen Lebens und deren Früchte.

Namen wie Teresa von Avila, Johannes vom Kreuz, Hildegard von Bingen, Meister Eckhart, Johannes Tauler, Geert Groote, Thomas von Kempen, Bede Griffiths, Thomas Merton und Dorothee Sölle stehen für einen mystischen Strom, der seit 10.000 Jahren wirkt und bis heute nicht zu fließen aufhörte.

In dem Studien- und Praxis-Kreis geht es darum, anhand von Texten aus der mystischen Tradition und kontemplativer Praxis auszuloten, wie aktuell Mystik ist und was sie mit dem konkreten Leben im Hier und Jetzt zu tun hat.

Doing Nothing

Absichtslos sein. Sinn und Zweck nicht kennen müssen. Nur horchen, sehen, spüren. Innen und Außen. Die momentane Befindlichkeit des Körpers, der Gefühle, des Verstandes und die Atmosphäre des Raumes, in dem man gerade sitzt oder liegt und wo nichts passiert.

Nichts tun.

Mühelos, ohne jemanden beeindrucken zu wollen. Sitzend auf einem Stuhl, einer Bank, einem Meditationskissen. Oben auf dem Hochstand eines Waldes oder unten auf dem Stein am Ufer eines Sees.

Sehen, hören, riechen, schmecken, es geschieht von allein. Das Rauschen des Windes draußen in dem Bäumen, die zarte Staubschicht auf einer Vase, Licht auf den Blättern einer Pflanze, das Gefühl von Traurigkeit im Bereich des Bauches.

Nicht-tun ist keine Meditation im herkömmlichen Sinne und doch ist es eine Praxis – eine sehr kraftvolle sogar. Reines Nicht-Tun ist ein Weg, der sich in vielen spirituellen Traditionen wieder findet, auch in der christlichen Mystik. Hier steht er allen gleichermaßen offen, unabhängig von Glaubensrichtung, Herkunft oder Weltsicht.

Rani Kaluza

 

Wer wir sind:

Werner A. Krebber
* 1954, ist gelernter Buchhändler und hat Theologie und Germanistik studiert. Nach vielen Jahren als Redakteur ist er heute vor allem als Autor und Blogger tätig.
Veröffentlichungen in Büchern, Blogs und Zeitschriften u.a. zu den Themen Beginen und Mystik, Kirche und Welt (Sozialethik, Carl Sonnenschein) Mystik und Spiritualität (Meister Eckhart, Johannes Tauler, Thomas Merton etc.) Kunst und Medien, Sucht und Spiritualität.

https://mystikaktuell.wordpress.com | https://wernerkrebber.wordpress.com

Rani Kaluza
* 1959, studierte freie Malerei, Autorin, Schneiderin, Malerin. Ihr spiritueller Weg begann 1976 mit einem Buch über Zen. 1988 begegnete sie dem Tibetischen Buddhismus von Chögyam Trungpa. Es folgte intensive Meditations-Praxis, Retreats, u.a. ein zweijähriger Aufenthalt in den USA. 2001 lernte sie den Advaita-Lehrer Samarpan Golden kennen, der sie 12 Jahre als spiritueller Lehrer begleitet hat. Seit 2013 geht Rani einen eigenen spirituellen Weg.

https://doingnothing.de | https://www.facebook.com/doingnothingretreats

Organisatorisches:

Wir treffen uns an jedem ersten Sonntag im Monat im Kölner Stadtteil Sülz. An diesen Sonntagen wird für beides Zeit sein – für stilles kontemplatives Sitzen und für das Studieren mystischer Texte & Themen sowie den gemeinsamen Austausch.

Der Kurs ist auf 12 Teilnehmer beschränkt, bitte vorher anmelden.

Man kann zur Probe einmal unverbindlich dabei sein.

Ein Einstieg ist jederzeit möglich.

Zeiten: 10:00 – ca.15:00 | Kosten: 15,- pro Sonntag

Fragen zum Thema Mystik
Werner A. Krebber
werner.krebber@web.de
Fon: 0209 / 20 56 95

Fragen zum Thema Praxis und ANMELDUNG
Rani Kaluza
weissefeder@netcologne.de
Fon: 0221/ 2406997

 

Hier können Sie den Flyer von „Mystik hier und jetzt“ ansehen oder herunterladen:

https://de.scribd.com/document/373535678/Mystik-hier-und-jetzt-Studien-und-Praxiskreis-Einsichten-und-Erfahrungen?secret_password=Ss9hY6RXq5uhVIHkVq87

Anmeldungen ab sofort auch hier möglich:

https://www.facebook.com/events/1998176107114359/?acontext=%7B%22ref%22%3A%2222%22%2C%22feed_story_type%22%3A%2222%22%2C%22action_history%22%3A%22null%22%7D

Das Leiden der Mystiker

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Mystik ist die Erfahrung der Einheit und der Ganzheit des Lebens. Mystische Lebenswahrnehmung, mystische Schau ist dann auch die unerbittliche Wahrnehmung der Zersplitterung des Lebens. Leiden an der Zersplitterung und sie unerträglich finden, das gehört zur Mystik. Gott zersplittert zu finden in arm und reich, in oben und unten, in krank und gesund, in schwach und mächtig, das ist das Leiden der Mystiker.

Dorothee Sölle (1929 – 2003)

Flügel der Morgenröte

Mit dem Wort „Mystik“ versuche ich einen Prozess zu benennen, in dem ich mich in einem doppelten Sinn befinde: die Entdeckung mystischer Traditionen und ihre Aneignung. Sich etwas zu eigen machen bedeutet, es auch er-innern zu können. Wenn ich lese, wie die Mystiker gedacht, geträumt, gesprochen und gelebt haben, so wird mir auch das eigene Leben immer mystischer, immer verwunderlicher; es ist, als wüchsen mir andere Ohren, ein drittes Auge, Flügel der Morgenröte. Ich verstehe mich selber besser.

Dorothee Sölle (1929 – 2003) in „Mystik und Widerstand“. Freiburg/Br. 2014 S. 35

Das Leiden der Mystiker

Mystik ist die Erfahrung der Einheit und der Ganzheit des Lebens. Mystische Lebenswahrnehmung, mystische Schau ist dann auch die unerbittliche Wahrnehmung der Zersplitterung des Lebens. Leiden an der Zersplitterung und sie unerträglich finden, das gehört zur Mystik. Gott zersplittert zu finden in arm und reich, in oben und unten, in krank und gesund, in schwach und mächtig, das ist das Leiden der Mystiker.

Dorothee Sölle (1929 – 2003)

Der Segen des Anfangs

Müssen wir uns nicht – das ist eine der Grundfragen, die Matthew Fox immer wieder neu gestellt hat – zuallererst auf den Segen des Anfangs beziehen, also nicht auf die „Erb“sünde, sondern auf den Ursegen? Und ist es nicht gerade die mystische Erfahrung, die uns an die Schöpfung und den guten Ursprung verweist?

Dorothee Sölle (1929 – 2003) in: Mystik und Widerstand