Mechthild von Magdeburg: Die Kraft des Gebetes

Gedenktafel für Mechthild von Magdeburg und andere Beginen in Helfta ~ Foto: © wak

 

Das Gebet hat große Kraft,
das ein Mensch vollbringt
mit aller seiner Macht:
Es machet ein bitteres Herz süß,
ein trauriges Herz froh,
ein armes Herz reich,
ein törichtes Herz weise,
ein zaghaftes Herz kühn,
ein kraftloses Herz stark,
ein blindes Herz sehend,
eine kalte Seele brennend-

Die Beginenmystikerin Mechthild von Magdeburg (ca. 1210-1299)

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Die läuternde Quellkraft der Stille

Foto: © wak

In der Eckhart-Legende „von dem guten Morgen“, die von der Begegnung Meister Eckharts mit dem armen Menschen berichtet, heißt es:
„Du magst wohl heilig sein, (doch) wer hat dich heilig gemacht, Bruder?“
Die Antwort lautet:
„Das tat mein Stillesitzen und meine hohen Gedanken und meine Vereinigung mit Gott.“
Das erste also, das hier genannt wird, ist das Stillesitzen!
Das Mittelalter wußte noch um die nie auszuschöpfende läuternde Quellkraft der Stille, die allein im Stillesitzen aufgeht.

Karlfried Graf Dürckheim (1896 – 1988) in: Der Alltag als Übung

Das Leiden der Mystiker

Foto: © wak

Mystik ist die Erfahrung der Einheit und der Ganzheit des Lebens. Mystische Lebenswahrnehmung, mystische Schau ist dann auch die unerbittliche Wahrnehmung der Zersplitterung des Lebens. Leiden an der Zersplitterung und sie unerträglich finden, das gehört zur Mystik. Gott zersplittert zu finden in arm und reich, in oben und unten, in krank und gesund, in schwach und mächtig, das ist das Leiden der Mystiker.

Dorothee Sölle (1929 – 2003)

Das Leiden der Mystiker

Mystik ist die Erfahrung der Einheit und der Ganzheit des Lebens. Mystische Lebenswahrnehmung, mystische Schau ist dann auch die unerbittliche Wahrnehmung der Zersplitterung des Lebens. Leiden an der Zersplitterung und sie unerträglich finden, das gehört zur Mystik. Gott zersplittert zu finden in arm und reich, in oben und unten, in krank und gesund, in schwach und mächtig, das ist das Leiden der Mystiker.

Dorothee Sölle (1929 – 2003)

Dorothee Sölle: Magnificat

mariahimmelfahrt

Foto: © wak

Es steht geschrieben, dass Maria sagte
meine Seele erhebt den Herren
und mein Geist freut sich Gottes meines Heilandes
denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen
siehe von nun an werden mich seligpreisen alle
Kindeskinder

Heute sagen wir das so
meine Seele sieht das Land der Freiheit
und mein Geist wird aus der Verängstigung heraus-
kommen
die leeren Gesichter der Frauen werden mit Leben er-
füllt
und wir werden Menschen werden
von Generationen vor uns, den Geopferten, erwartet

Es steht geschrieben, dass Maria sagte
denn er hat grosse Dinge an mir getan, der da mächtig
ist
und dessen Name heilig ist
und seine Barmherzigkeit währt von Geschlecht zu
Geschlecht

Heute sagen wir das so
die grosse Veränderung, die an uns und durch uns
geschieht
wird mit allen geschehen – oder sie bleibt aus
Barmherzigkeit wird geübt werden, wenn die Ab-
hängigen
das vertane Leben aufgeben können
und lernen, selber zu leben.

Es steht geschrieben, dass Maria sagte
er übt Macht mit seinem Arm und zerstreut
die Hochmütigen
er stösst die Gewaltigen von ihren Thronen
und die Getretenen richtet er auf

Heute sagen wir das so
wir werden unsere Besitzer enteignen und über die,
die das weibliche Wesen kennen,
werden wir zu lachen kriegen
die Herrschaft der Männchen über die Weibchen wird
ein Ende nehmen
aus Objekten werden Subjekte werden
sie gewinnen ihr eigenes besseres Recht.

Es steht geschrieben, dass Maria sagte
Hungrige hat er mit Gütern gefüllt
und die Reichen leer hinweggeschickt
er denkt der Barmherzigkeit und hat sich Israels
seines Knechts angenommen.

Heute sagen wir das so
Frauen werden zum Mond fahren und in den Parla-
menten entscheiden
ihre Wünsche nach Selbstbestimmung werden in
Erfüllung gehen
und die Sucht nach Herrschaft wird leer bleiben
ihre Aengste werden gegenstandslos werden
und die Ausbeutung ein Ende haben.

Dorothee Sölle (1929 – 2003)

 

Mariä Himmelfahrt ist in Bayern und im Saarland ein gesetzlicher Feiertag…

Läuternde Quellkraft

In der Eckehart-Legende “von dem guten Morgen”, die von der Begegnung Meister Eckeharts mit dem armen Menschen berichtet, heißt es:
“Du magst wohl heilig sein, (doch) wer hat dich heilig gemacht, Bruder?”
Die Antwort lautet:
“Das tat mein Stillesitzen und meine hohen Gedanken und meine Vereinigung mit Gott.”
Das erste also, das hier genannt wird, ist das Stillesitzen!
Das Mittelalter wußte noch um die nie auszuschöpfende läuternde Quellkraft der Stille, die allein im Stillesitzen aufgeht.

Karlfried Graf Dürckheim  (1896 – 1988) in: Der Alltag als Übung

Einheit und Ganzheit erfahren

Mystik ist die Erfahrung der Einheit und der Ganzheit des Lebens. Mystische Lebenswahrnehmung, mystische Schau ist dann auch die unerbittliche Wahrnehmung der Zersplitterung des Lebens. Leiden an der Zersplitterung und sie unerträglich finden, das gehört zur Mystik. Gott zersplittert zu finden in arm und reich, in oben und unten, in krank und gesund, in schwach und mächtig, das ist das Leiden der Mystiker.

Dorothee Sölle (1929 – 2003)