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Schweigen das aus Stille kommt

Meister Eckhart – Heilende Texte

Ausgewählt und (auf dem Hintergrund der Gestalttherapie) kommentiert von Stefan Blankertz. Herausgegeben und eingeleitet von Erhard Doubrawa.

Inhalt:

Unaussprechlich: Gott
Alles um seiner selbst willen tun:
So lebenswert ist das Leben
Wie gesund ist gesund?
Du sollst kein Maß haben
Das Wirken der Seele:
Das Leibselbst
Die Gnade der Gelassenheit:
Das Paradox der Veränderung
Feuer und Axt fürs Werden:
Aggressio
Nicht beten und nicht feiern:
Deflektion
Wie ich nicht werde, der ich bin:
Introjektion
Du machst dir ein Bild: Projektion
Unterscheiden tut weh: Konfluenz
Leiden: Retroflektion
Die Fruchtbarkeit der Jungfrau:
Die Seele als Mann und Frau
Die Kraft des ewigen Nun:
Hier-und-Jetzt
Von Engeln und Menschen:
Urbild und Abbild

Aus der Einleitung von Erhard Doubrawa:

Meister Eckhart ist ein christlicher Mystiker. Es geht ihm um Gott und darum, wie sich der Mensch mit Gott vereinigen könne. Spiritualität ist heute eine sehr private Sache geworden. Fast ist es, als läge ein Tabu darüber, über den eigenen Glauben zu sprechen, jedenfalls wenn es sich um ein religiöses Erleben handelt und nicht um die kirchen- oder sozialpolitische Dimension der Religion. Es ist allerdings keine Voraussetzung dafür, die heilende Kraft von Meister Eckharts Gedanken in sich fruchtbar werden zu lassen, sich zu einem speziellen Glauben zu bekennen oder überhaupt an einen persönlichen Gott zu glauben. Denn die Themen von Meister Eckhart sind existenzieller Natur. Gott steht für das Unermessliche, von dem kaum einer bestreiten könnte, dass es einen wesentlichen Teil unserer Existenz ausmacht, seien es Liebe, Freude, Schmerz, Trauer, Mitgefühl, Verzweiflung, Hass, seien es Sinn-, Grund- und Wahrheitsuche, seien es schöpferische Kraft, Gnadenerlebnis oder auch Heilung. Die Leichtigkeit des Seins ist nicht weniger spirituell gefärbt als die Schwere des Seins.

gikPRESS 2018 (Neuauflage)
GIK Gestalt-Institute Köln & Kassel
180 Seiten , Paperback: 17,80 EUR, eBook: 11,99 EUR

https://www.bod.de/buchshop/meister-eckhart-stefan-blankertz-9783746095387

Mystik ist Geheimnis und kann nur als Erlebnis im Geheimnis erfahren werden

Foto: © wak

Mystik ist Geheimnis und kann nur als Erlebnis im Geheimnis erfahren werden. Eine Schule der Mystik, wo man Unterricht bekommt, ist ein Widerspruch in sich selbst. Jeder Weise sagt zu seinem Schüler: Wenn du dich sehnst und das Wort hörst, wirst du sehen, dass alles, wovon du glaubst, dass es sich erfüllen wird, nur die eine Seite ist. Die andere, wirklich großartige Seite wirst du erst noch erfahren.

Friedrich Weinreb (1910 – 1988) in: Wort, Sprache und Sprechen. Verlag der Friedrich Weinreb Stiftung 2008, S. 298 ff.

Erlebnis der Ruhe und Erfüllung

Foto: © wak

Die so genannte mystische Erfahrung ist etwas gänzlich Unbeschreibliches. Schon das Etikett Mystik wird dieser Dimension von Erfahrung nicht gerecht. Man tritt aus dem Gegebenen und Vorhandenen völlig heraus und hat ein Erlebnis der Ruhe und Erfüllung und des Stimmens, das man nur nachträglich in die Sprache einer Ideologie oder Religion übersetzen kann.

Paul Watzlawik (1921 – 2007) In: Bernhard Pörksen (Hrsg.) Die Gewissheit der Ungewissheit, Heidelberg 2001, S. 231

Schweigen: ein Stern, der die Bahn wandelt

Skulptur Martin Bubers in Heppenheim  Foto: © wak

 

Das Schweigen ist unser schützendes Symbolon gegen die Götter und Engel des Getriebes: unsere Hut wider seine Irrgänge, unsere Reinigung wider seine Unreinheit. Wir schweigen das Erlebnis, und es ist ein Stern, der die Bahn wandelt. Wir reden es, und es ist hingeworfen unter die Tritte des Marktes. Wir sind dem Herrn stille, da macht er Wohnung bei uns; wir sagen Herr, Herr, da haben wir ihn verloren. Aber so gerade ist es mit uns: wir müssen reden. Und unsere Rede wölbt einen Himmel  über uns und die Andern einen Himmel: Dichtung, Liebe, Zukunft. Aber eines ist nicht unter diesem Himmel; das Eine, das not tut.

Martin Buber (1878 – 1965) in seinem Text „Ekstase und Bekenntnis“

 

Sich der tieferen Dimension öffnen

Es dürfte heute kaum noch ein Zweifel mehr darüber bestehen, dass der Übungspraxis des Zen ein Prinzip menschlichen Werdens zugrunde liegt, über dessen Richtigkeit sich nicht mehr streiten lässt: Dass es dem Menschen gegeben und aufgegeben ist, sich auf Grund bestimmter Erlebnisse, Einsichten und Übungen von der Herrschaft des ihn vom Sein trennenden, statischen Ichbewusstseins zu befreien, sich einer tieferen Dimension der Wirklichkeit zu öffnen und auf sie hin transparent zu werden.

Karlfried Graf Dürckheim (1896 – 1988)

Mystik im Geheimnis erfahren

Mystik ist Geheimnis und kann nur als Erlebnis im Geheimnis erfahren werden. Eine Schule der Mystik, wo man Unterricht bekommt, ist ein Widerspruch in sich selbst. Jeder Weise sagt zu seinem Schüler: Wenn du dich sehnst und das Wort hörst, wirst du sehen, dass alles, wovon du glaubst, dass es sich erfüllen wird, nur die eine Seite ist. Die andere, wirklich großartige Seite wirst du erst noch erfahren.

Friedrich Weinreb (1910 – 1988) in: Wort, Sprache und Sprechen. Verlag der Friedrich Weinreb Stiftung 2008, S. 298 ff.