In sein lauteres Nichts sinken

 

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Wenn der Mensch in der Übung der inneren Einkehr steht,
hat das menschliche Ich für sich selbst nichts.
Das Ich hätte gerne etwas
und es wüsste gerne etwas
und es wollte gerne etwas.

Bis dieses dreifache Etwas in ihm stirbt,
kommt es den Menschen gar sauer an.

Das geht nicht an einem Tag und auch nicht in kurzer Zeit.
Man muss dabei aushalten,
dann wird es zuletzt leicht und lustvoll.

Soll Gott sprechen,
so musst du schweigen,
soll Gott eingehen,
so müssen alle Dinge ihm den Platz räumen.

Du sollst dieses tiefe Schweigen oft und oft in dir haben
und es dir zur Gewohnheit werden lassen,
so dass es durch Gewohnheit ein fester Besitz in dir werde.

Der Mensch muss alles lassen,
dieses Lassens selbst noch ledig werden,
es lassen, es für nichts halten
und in sein lauteres Nichts sinken

Johannes Tauler (1300 – 1361)

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Gott von gleicher Gottheit

Rhythmus des Lebens

Dreifach ist des Lebens Rhythmus –
nehmend, gebend, selbstversunken:

Einatmend nehm ich die Welt in mich auf
Ausatmend gebe der Welt ich mich hin,
Leergeworden leb ich mich selbst –
Lebe entselbstet und öffne mich neu.

Einatmend nehm ich die Welt in mir auf
Ausatmend gebe der Welt ich mich hin:
Entleert erleb ich die Fülle,
Entformt erleb ich die Form.

Lama Anagarika Govinda (1898 – 1985)