Der Seele Göttlichstes ins Auge fassen

 

Die Seele und der Seele Göttlichstes muss ins Auge fassen, wer den Geist erkennen will, und was er ist. Das nun kann vielleicht auch auf die Weise geschehen, dass du vom Menschen, und zwar natürlich von dir selbst, zuerst den Leib abstreifst; dann auch die Seele, die ihn formt, aber auch fein säuberlich die Wahrnehmung, dazu Begierde, Zorn und all diese Narrenpossen, die sich doch nur dem, was sterblich ist, zuneigen, erst recht: und das, was dann von der Seele übrig bleibt, das ist jenes Stück, welches wir Abbild Gottes nannten, das ein wenig Licht von Jenem in sich bewahrt, so wie bei der Sonne das Licht, das über die Kugel ihrer Masse hinaus um sie und aus ihr erstrahlt.

Plotin (203 – 269)

Eurem Wesen nach sterblich

Wenn Ihr innerlich festgefahren seid, wenn irgendetwas in Euch immer wieder Dukkha erzeugt, Spannungen und unerfüllte Wünsche hervorbringt, warum dann nicht einfach bedenken, dass Ihr Eurem Wesen nach sterblich seid, dass Ihr nicht über dem Tod steht? „Ich bin meinem Wesen nach sterblich“, bedeutet nicht, dass der Tod erst in fünfzig Jahren geschehen wird. Er könnte ebenso gut in fünf Minuten da sein. Warum also nicht immer wieder daran denken? Behaltet den Tod im Auge. Das ist nicht grausig, nicht pathologisch empfindsam und auch nicht deprimierend. Es bringt uns nur der Wirklichkeit näher, weil es wahr ist.

Ayya Khema (1923 – 1997)

http://www.what-buddha-taught.net/German/Ayya_Khema_Sei_dir_selbst_eine_insel.htm#4