Der Unendliche

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Die heilige Unwissenheit hat uns einen Geist gelehrt, der unaussprechlich ist; und zwar weil er durch sein Unendlichsein größer ist als alles, was benannt werden kann. Und weil dies absolut wahr ist, sprechen wir wahrer von ihm durch Abtun und Verneinen. Wie auch der große Dionysius wollte, dass Gott für ihn weder Wahrheit noch Vernunft, noch Licht, noch irgendetwas sei, das man aussagen kann. Ihm folgen Rabbi Salomon (Moses Maimonides) und alle Weisen. Daher ist Gott nach der negativen Theologie weder Vater noch Sohn, noch Heiliger Geist, Nach ihr ist er nur der Unendliche.

Nikolaus von Kues (1401 – 1464) in „Die wissende Unwissenheit“

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Alkohol und mystisches Bewusstsein

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Die Herrschaft des Alkohols über die Menschen liegt zweifellos in seiner Macht, die mystischen Fähigkeiten der menschlichen Natur anzuregen, die gewöhnlich durch die kalte Wirklichkeit und die unerbittliche Kritik der nüchternen Stunden erstickt werden. Die Nüchternheit verengt, trennt, verneint. Trunkenheit weitet, eint, bejaht. Sie bildet in der Tat einen mächtigen Antrieb zur Bejahung im Menschen. Sie führt von der kalten Außenseite in das Herz der Dinge hinein; sie eint für den Augenblick mit der Wahrheit. Nicht aus reiner Verderbtheit gehen die Menschen ihr nach. Den Armen und Ungebildeten ersetzt sie Symphonie-Konzerte und literarische Genüsse. Das trunkene Bewusstsein ist also nur eine bestimmte — freilich pathologisch bedingte — Teilerscheinung des mystischen Bewusstseins.

William James (1842 – 1910) in: Die Religiöse Erfahrung in ihrer Mannigfaltigkeit. Leipzig 1907, S. 362-363

Mehr zu Alkohol und Spiritualität hier: https://alkoholundspirit.wordpress.com/

Entweder schweigen oder umgewandelte Worte gebrauchen

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Das am ehesten Wahre sagt man über Gott,
wenn man von allem sagt,
er sei dieses nicht.
Denn es ist angemessener,
alles über ihn zu verneinen,
als irgendetwas von ihm zu behaupten.
Das ist es, was wir sagen können,
wenn man uns fragt, wie man vom Unsagbaren reden könne.
Nichts lässt sich von ihm in angemessener Weise sagen.
Wir müssen entweder schweigen oder umgewandelte Worte gebrauchen.

Isaak von Stella (um 1100 – 1178)