Volle Freude und vertrauensvoller Frieden

Foto: © wak

Die Lebensweise, in der der Mensch in allen Lagen, Arbeiten und an allen Orten volle Freude und vertrauensvollen Frieden findet, wird nur gelernt und gefunden in der Inwendigkeit, in der Zugekehrtheit des Gemütes zu dem Grund. Das bedarf zuallererst Erleiden, Muße, Zeit und Stätte.

Johannes Tauler (ca. 1300 – 1361)

Advertisements

Die Welt ist das große Mysterium

Also, mein liebes Gemüte,
forsche nach dem Baum
des christlichen Glaubens recht.
Er stehet nicht in dieser Welt.
Wohl muss er in dir sein,
aber du musst
mit dem Baume mit Christus in Gott sein,
also dass dir diese Welt nur anhange,
wie denn sie Christus auch nur anhing.
Doch nicht also zu verstehen,
dass diese Welt vor Gott nichts taugte
oder nicht nütze wäre.
Sie ist das große Mysterium.

Jakob Böhme (1575 – 1624)

Gefunden habe ich diesen Text auf kontemplation.at

Sein Herz zu Gott wenden

Es ist keine geringe Weisheit,
wenn einer Stillschweigen
und ein ruhiges Gemüt bewahrt,
wenn böse Worte
zu ihm gesprochen werden,
und wenn er sein Herz
zu Gott hinwendet
und sich um das Urteil der Menschen
nicht kümmert.

Thomas von Kempen ( um 1380 – 1471)

Das Gemüt zur Quelle des Lichts wenden

Das Selbst ist das Herz. Das Herz ist Selbst-leuchtend. Licht steigt aus dem Herzen auf und gelangt ins Gehirn, das der Sitz des Gemüts ist. Die Welt wird mit dem Gemüt gesehen, also durch das reflektierte Licht des Selbst. Wahrgenommen wird sie mit der Hilfe des Gemüts. Sobald das Licht im Gemüt erstrahlt, wird dieses der Welt gewahr. Wird es dagegen nicht beleuchtet, dann ist es der Welt nicht gewahr. Wird das Gemüt nach innen zur Quelle des Lichts hin gewendet, dann hört das objektive Wissen auf und das Selbst allein leuchtet als das Herz.

Der Mond scheint wegen des reflektierten Lichts der Sonne. Sobald die Sonne untergegangen ist, eignet sich der Mond gut zur Beleuchtung von Objekten. Geht die Sonne dann wieder auf, braucht niemand mehr den Mond, obwohl die fahle Silhouette der Mondscheibe noch am Himmel sichtbar bleibt. Ebenso ist es auch mit Herz und Gemüt.

Ramana Maharshi (1879 – 1950)

Vollkommen gut

Die Ursache, an der es gelegen ist, daß eines Menschen Wesen und Seelengrund vollkommen gut sei, und aus der seine Werke ihre Güte empfangen, das ist dies: dass des Menschen Gemüt gänzlich zu Gott gekehrt sei. Darauf setze all dein Studieren, daß dir Gott groß werde und dass all dein Trachten und Bemühen ihm zugewandt sei in all deinem Tun und Lassen. Fürwahr, je mehr du davon hast, je besser sind auch, welcher Art sie seien, deine Werke. Hafte Gott an, so hängt er dir alles Gute an. Suche Gott, so findest du Gott und alles Gute. Ja, in Wahrheit, du könntest in solcher Meinung auf einen Stein treten, und es wäre heiliger getan, als wenn du, das Deinige im Sinne, den Leib unseres Herrn nähmest, dein Trachten fern von ihm. Wer Gott anhaftet, dem haftet Gott an und alle Tugend. Und was vorher du suchtest, das sucht nun dich, und was vorher du jagtest, das jagt nun dich, und was vorher du fliehen mochtest, das flieht nun dich. Darum, wer Gott anhaftet, dem haftet alles an, was göttlich ist, den flieht alles, was anders ist und fremd.

Meister Eckhart (1260 – 1328)

Die Dinge zu durchbrechen lernen

Traun, dazu gehört Eifer und Hingabe und ein genaues Achten auf des Menschen Inneres und ein waches, wahres, besonnenes, wirkliches Wissen darum, worauf das Gemüt gestellt ist mitten in den Dingen und unter den Leuten. Dies kann der Mensch nicht durch Fliehen lernen, indem er vor den Dingen flüchtet und sich äußerlich in die Einsamkeit kehrt; er muß vielmehr eine innere Einsamkeit lernen, wo und bei wem er auch sei. Er muß lernen, die Dinge zu durchbrechen und seinen Gott darin zu ergreifen und den kraftvoll in einer wesenhaften Weise in sich hineinbilden zu können.

Meister Eckhart (1260–1328)