Keine Weisung mehr brauchen

Foto: © wak

 

Kehre ein zu dir selbst und sieh dich an. Und wenn du siehst, dass du noch nicht schön bist, so mache es wie der Bildhauer, der von einer Statue, die schön werden soll, hier etwas fortmeißelt, dort etwas glättet und da etwas reinigt, bis er der Statue ein schönes Gesicht gegeben hat. So mach’ du es auch: Nimm weg, was unnütz, richte gerade, was krumm ist, reinige, was dunkel ist und mache es hell. Lass nicht ab, an deiner eigenen Statue zu wirken, bis dir der göttliche Glanz der Tugend aufleuchtet und du sie auf ihrem heiligen Sockel stehend erblickst. Und wenn du soweit gekommen bist, dann hemmt dich nichts mehr, dann bist du ganz du selbst und ganz und gar reines, wahres Licht. Du bist eins mit dem Schauen, gewinnst Zutrauen zu dir, bist so hoch gestiegen, dass du keine Weisung mehr brauchst.

Plotin (204 – 270) in den „Enneaden“

Das ganze Feuer ungemindert und ungeteilt

Symeon, der neue Theologe / Quelle: wikimedia, gemeinfrei

 

Meine Zunge entbehrt der Worte, und was in mir geschieht, sieht mein Geist wohl, aber er erklärt es nicht. Er betrachtet und will aussprechen, aber das Wort findet er nicht. Er schaut das Unsichtbare, das aller Gestalt Ledige, durchaus Einfache, nicht Zusammengesetzte und an Größe Unendliche. Denn er erblickt keinen Anfang, und kein Ende schaut er, uns ist gänzlich keiner Mitte bewusst, und weiß nicht, wie er das sagen soll, was er sieht. Etwas Ganzes erscheint, wie ich meine, und nicht mit dem Wesen selbst, sondern durch eine Teilnahme. Denn an Feuer entzündest du Feuer und das ganze Feuer empfängst du: jenes aber bleibt ungemindert und ungeteilt wie vordem.

Symeon der neue Theologe (ca. 970 – 1040) in: Aus den LIebesgesängen an Gott

Unser Ursprung und unser Ziel

Inayat Khan – Foto: Archiv

Unser Geliebter ist der, der unser Ursprung und unser Ziel ist; und was wir von unserem Geliebten mit unseren physischen Augen erblicken können, ist die Schönheit, die uns umgibt. Und jener Teil unseres Geliebten, der nicht für unsere Augen erkennbar ist, ist jene innere Schönheit, von der unser Geliebter zu uns spricht.

Inayat Khan (1882 – 1927): Die Sufi-Botschaft

Die Wahrheit in sich selbst erblicken

Foto: © wak

Die Wahrheit
in sich selbst erblicken,
nur für einen Augenblick,
gilt mehr als alle Himmel,
mehr als alle Welten,
mehr als alles,
was es gibt.

Dschelaluddin Rumi / Mevlana / Muhammad Dschelaleddin Rumi (1207-1273)

Die Wahrheit in sich selbst erblicken

Foto: © wak

Die Stille bedeutet mehr
als tausend Leben,
und diese Freiheit ist mehr wert
als alle Reiche der Welt.

Die Wahrheit in sich selbst erblicken,
für einen Augenblick,
gilt mehr als alle Himmel,
mehr als alle Welten,
mehr als alles, was es gibt.

Dschelaleddin Rumi (1207 – 1273)

Die Wahrheit in sich selbst erblicken

Foto: © wak

 

Die Stille bedeutet mehr
Als tausend Leben,
und diese Freiheit ist mehr wert
als alle Reiche der Welt.
Die Wahrheit in sich selbst erblicken,
für einen Augenblick,
gilt mehr als alle Himmel,
mehr als alle Welten,
mehr als alles, was es gibt.

Dschelaleddin Rumi (1207 – 1273)

Antlitz des Herzensfreundes

Lange Zeit war ich auf der Suche nach jemandem, in dem ich das Bild meiner Seele erblicken konnte, doch niemand diente mir als Spiegel.

Der kristallene Spiegel ist bloß für die äußere Gestalt von Wert, das Bild der Seele zeigt sich allein im Antlitz des Herzensfreundes.

Rumi  (1207 – 1273)