Gold errichtet nicht die Kirche sondern vernichtet sie

Als wir uns nach den Sitten der Einwohner erkundigten, machten wir die auffallende Wahrnehmung, dass sie von Kauf und Verkauf nichts wissen. Betrug und Diebstahl sind ihnen unbekannte Begriffe. Gold und Silber, das die Menschen als höchstes Gut preisen, besitzen sie nicht und haben auch kein Verlangen darnach. Als ich dem Priester zehn Goldstücke anbot, wies er sie zurück und erklärte mit hoher Weisheit: Gold errichtet nicht die Kirche, sondern vernichtet sie.

Sulpicius Severus (ca. 360 – 420/425) / Serverus hatte die erste Biographie des Martin von Tour geschrieben

Keine Dunkelheit wird mehr sein

Hermes Trismegistos in einem Bodenmosaik | wikimedia gemeinfrei

 

Die Wahrheit, Gewißheit, das Wahrste, ohne Unwahrheit. Das Obere ist wie das Untere. Das Untere ist wie das Obere. Zu erlangen ist: das Wunder der Einheit. Alles ist geformt von der Betrachtung der Einheit, und alles kommt – durch Angleichung – aus der Einheit. Ihre Eltern sind Sonne und Mond, der Wind hat sie geboren, die Erde sie genährt. Jedes Wunder ist von ihr, und ihre Macht ist vollkommen. Wirf sie auf die Erde, und Erde wird von Feuer sich trennen. Das Ungreifbare getrennt vom Greifbaren. Durch Weisheit erhebt sie sich langsam von der Erde in den Himmel. Dann steigt sie zur Erde nieder, verbindend das Obere und das Untere. So werdet ihr die Erleuchtung der ganzen Welt haben, und keine Dunkelheit wird mehr sein. Dies ist die Macht aller Stärke: das Ungreifbare fügt sich ihr, das Feste durchdringt sie. Auf diese Weise wurde die Welt erschaffen. Die Zukunft wird herrliche Entwicklungen bringen, und dies ist der Weg. Ich bin Hermes, der dreifältige Weise; ich wurde so genannt, weil ich die drei Elemente aller Weisheit bewahre. Und so endet die Offenbarung des Werkes der Sonne.

Die Lehren, die Hermes Trismegistos zugeschriebn werden, hat Idries Shah so übersetzt in: Die Sufis. Die Botschaft der Derwische, Weisheit der Magier. Ein Kompendium der Sufi-Geschichte und -Lehre

 

Der Wille der Weisheit

 

Wenn ich betrachte, was Gott ist, so sage ich: Er ist das Eine gegenüber der Kreatur, wie ein ewig Nichts; er hat weder Grund, Anfang noch Stätte und besitzet nichts, als nur sich selber: er ist der Wille des Ungrundes, er ist in sich selber nur Eines: er bedarf keines Raums noch Orts: er gebäret von Ewigkeit zu Ewigkeit sich selber in sich. Er ist keinem Dinge gleich oder ähnlich, und hat keinen sonderlichen Ort, da er wohne: die ewige Weisheit oder Verstand ist seine Wohne: er ist der Wille der Weisheit, die Weisheit ist seine Offenbarung.

Jakob Böhme (1575 – 1624) in: Mysterium Magnum

Schule der Weisheit

Bild: Archiv

Der ist gelehrt,
Wer nichts für sich begehrt,
Wer nichts will sein bei allen,
Wer sich auch selbst nicht will gefallen,
Wer in sich selbst nichts find’t,
Als daß er wie ein kleines Kind
Sonst nichts will wissen, nichts will denken,
Als in sein Nichts sich zu ersenken.
O schönes Nichts,
Du Fülle alles Lichts,
Du Sonne voller Klarheit,
Du Brunnen aller reinen Wahrheit,
Verborgnes Winkelein,
So unansehnlich und so klein,
Wer sollte das von dir, du armes Häuslein, denken,
Daß du uns würdest so die wahre Weisheit schenken!

Gerhard Tersteegen (1697–1769) in: Geistliches Blumengärtlein

Das Himmelreich ist in euch selbst

Foto: © wak

Daß Zeit gleich Ewigkeit und Ewigkeit gleich Zeit, wohlverstanden: Zeit in der Bedeutung von Gegenwart, zu setzen ist, was als ein Widerspruch erscheint und doch tiefste Weisheit enthält, wissen wir seit den Tagen der großen Mystiker. Dieses Wissen ist das Geheimnis unseres Lebens, und nur der, dem es ganz sich entschleiert hat, wird sein Dasein sinnvoll leben, wird zu den Tiefen seiner Wesenheit zurückfinden können und in jenen Zustand leidensferner, Ich-gelöster Seligkeit schon bei Lebzeiten gelangen, von dem einmal Christus sprach, als er lehrte: Das Himmelreich ist in euch selbst.

„Der Dichter und seine Zeit“ von Hermann Stehr im Jahr 1929. Erschienen in: Vom Geheimnis des Jenseits im Diesseits, Brentano Verlag, Stuttgart, 1960

Der vollständige Text ist hier nachzulesen:

MAGISCHE BLÄTTER
CI. JAHRGANG HERBST 2020
3. Quartalsausgabe August, September, Oktober, gebunden
ISBN.Nr. 978 -3-948594-03-9

HEFT 9 |  Oktober 2020

https://verlagmagischeblaetter.eu/monatsschrift/magische-blaetter

Bestellt werden können die Magischen Blätter hier: kontakt@verlagmagischeblaetter.eu

Wiederentdeckung ursprünglicher Weisheit

Thomas Merton in der Abtei Gethsemani / Bild: Archiv

Wir brauchen eine neue geistige Grundhaltung, und das bedeutet zuallererst die Wiederentdeckung der alten und ursprünglichen Weisheit. Und wirklichen Kontakt mit dem, was uns unmittelbar umgibt.

Thomas Merton 1966 in einem Brief an Thich Nhat Hanh

Das Leben tritt von selbst hervor – Zu Arbeiten von Hauke Johanna Gerdes

Die Prozesse, die Hauke Johanna Gerdes in ihren Arbeiten anregt, haben alchemistischen Charakter. Gleichzeitig sind es stochastische Ereignisse und Ergebnisse, die aus einer  inneren Bewusstseinsschicht zwar behutsam gelenkt, aber niemals erzwungen werden könnten. Die Kunst ist dabei für sie der Zugang zu ihrer inneren Welt, man könnte es auch als eine lange Reise oder als ein stetes Spiel der Empfindung bezeichnen, welches der Görlitzer Seher Jacob Böhme in folgende Worte fasste:

 „ …durch welches die verborgene Weisheit in ihrer Kraft erkannt und verstanden wird, der verborgene Gott mit den sichtbaren Dingen offnbar wird, zum Spiel der Göttlichen Kraft, daß das Unsichtbare mit dem Sichtbaren spiele, und sich darinnen in Empindlichkeit und Findlichkeit seiner selber einführe.

 Gleichwie sich das Gemüte mit dem Leib und durch den Leib in Sinne und Gedanken einführet, dadurch es wirket und sich empfindlich macht; also auch die unsichtbare Welt durch die sichtbare und mit der sichtbaren: und ist uns nicht ein solches zu denken, als könnte man die verborgene Göttliche Welt nicht ergründen, was sie sei, und was ihre Wirkung und Wesen sei; dann an dem sichtbaren Wesen der Creation sehen wir eine Figur der innern geistlichen Wirkung der Kraft-Welt.“

Jacob Böhme: Mysterium Magnum, Vorrede, 1-8 Gesamtausgabe „Alle Göttliche Schriften Jacob Böhmens“, Amsterdam, 1730.

Klaus Weingarten zu den Arbeiten von Hauke Johanna Gerdes

Mehr hier: http://www.haukejohannagerdes.de/

Und hier: https://mystikaktuell.wordpress.com/2020/05/09/stille-und-oeffnung/

 

Der vollständige Artikel von Klaus Weingarten zu den Arbeiten von Hauke Johanna Gerdes kann hier nachgelesen werden:

MAGISCHE BLÄTTER
CI. JAHRGANG HERBST 2020
3. Quartalsausgabe August, September, Oktober, gebunden
ISBN.Nr. 978 -3-948594-03-9

HEFT 7 | August 2020 | TITELTHEMA: KUNST

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