Was vor dir verborgen ist, wird dir enthüllt werden

 

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Erkenne das, was vor dir ist,
und das, was vor dir verborgen ist,
wird dir enthüllt werden;
denn es gibt nichts Verborgenes,
was nicht offenbar werden wird.

Aus dem Thomas-Evangelium

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In der Höhle des Herzens

Offenbar und doch verborgen
regt es sich in der Höhle des Herzens,
genannt „der höchste Ort“,
in Ihm hat alles seinen Bestand,
was sich bewegt und atmet und die Augen öffnet.

Erkenne Ihn als Sein und Nichsein,
als den Gegenstand der Sehnsucht:
Er, das höchte aller Wesen,
jenseits allem Erkennen.

Aus den Upanishaden

Dreierlei Meister

Das Wort „der Meister“ bezeichnet dreierlei: den Ewigen Meister, den leibhaftigen Meister, den inneren Meister.

Der Ewige Meister, das ist eine Imago des Lebens, das geschaut wird in einem Urbild, einer Idee, einem Archetypus.

Der leibhaftige Meister ist die Verwirklichung dieser Idee in der geschichtlichen Wirklichkeit.

Der innere Meister ist das in einem Menschen als Verheißung, Erfahrung und Auftrag erwachte Potential zur Verwirklichung des Ewigen Meisters in leibhaftiger Gestalt.

„Der Meister“ – sei es als Idee, leibhaftige Wirklichkeit oder innerer Auftrag – „meint“ immer das menschgewordene LEBEN, das überweltliche, sich selbst fortzeugende Leben, in der Welt offenbar geworden in menschlicher Gestalt.

Karlfried Graf Dürckheim (1896 – 1988) in: Vom doppelten Ursprung des Menschen. Freiburg/Br. S. 226

Es gibt nichts Verborgenes

kreuzheinrichpeschhausKreuz im Heinrich-Pesch-Haus, Ludwigshafen

Erkenne das, was vor dir ist,
und das, was vor dir verborgen ist,
wird dir enthüllt werden;
denn es gibt nichts Verborgenes,
was nicht offenbar werden wird.

Aus dem Thomas-Evangelium

Das Tal der Erkenntnis

Wenn der Wanderer in dieses Tal eingetreten ist, verschwindet er wie die Erde unter seinen Füssen. Er wird verloren sein,denn das einzigeWesen wird offenbar sein. Er wird stumm sein, denn das einzige Wesen wird reden. Der Teil wird das Ganze werden, oder vielmehr er wird weder Teil noch Ganzes sein. Es wird eine Gestalt ohne Körper und Seele sein . . Was ist der Verstand? Er ist an der Schwelle des Tores geblieben, wie ein blindgeborenes Kind. Wer etwas von diesem Geheimnis gefunden hat, wendet das Haupt vom Reiche beider Welten ab…
Das Wesen, das ich verkündige, ist nicht gesondert da; die ganze Welt ist dieses Wesen; Sein oder Nichtsein, es ist immer dieses Wesen. …

Fariduddin Attar (* um 1136 – † 1220 oder 3. November 1221)
„Das Tal der Erkenntnis“ in „Die sieben Täler“ (Aus dem „Gespräch der Vögel“)