Ein echter Lebensprozess

Ob nun das Ziel der Gott des Christentums heißt oder die Weltseele des Pantheismus oder das Absolute der Philosophie, immer ist der Wunsch, es zu erreichen, und das Streben danach – solange dies ein echter Lebensprozess und nicht intellektuelle Spekulation ist – der eigentliche Gegenstand der Mystik. Ich glaube, dass dies Streben die wahre Entwicklungslinie der höchsten Form des menschlichen Bewusstseins darstellt.

Evelyn Underhill (1875 – 1941) in: Mystik. Eine Studie über Natur und Entwicklung des religiösen Bewusstseins im Menschen, München 1928, S. XIV

Rhythmus der Weltseele

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Das Auflösen der Dunkelheit und der Unwissenheit führt zum Erwachen, zur Kenntnis seiner selbst, zur Teilnahme an der kosmischen Freude, zum Anklingen an den Rhythmus der Weltseele, also zur mystischen Gemütsbewegung.

Frederic Lionel (1908 – 1999) in: Abendland. Hüter der Flamme. Remagen, o.J., S. 121

Pfeiler der Hoffnung

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Wenn die innere und äußere Welt zusammentreffen und mit der Sicherheit der Liebe zusammengehalten werden können, dann wird diese jetzige Phase des Übergangs zu einem Aufblühen der Weltseele führen. Im Zentrum dieser Welt müssen Seine Liebenden als Pfeiler der Hoffnung stehen, denn sie kennen die Bedeutung der Vereinigung. Ihre Hoffnung wird die Furcht des Kollektivs ausgleichen, das sich so sehr mit der äußeren Welt identifiziert hat, dass der Gedanke der Vereinigung mit der inneren Welt den Schrecken des Unbekannten zusammen mit der Dunkelheit des Schattens hervorruft. Furcht lässt uns Schutz im Ego suchen, während Hoffnung uns für die Seele öffnet. Furcht betont die Polarisierung, Hoffnung fügt uns zusammen. Hoffnung gibt der Zukunft Raum zur Entfaltung.

Llewellyn Vaughan-Lee (* 1953)in: Der Liebesbund. Psychologische und spirituelle Aspekte des mystischen Weges. Interlaken 1993, S. 57

Schrei der Weltseele

Wir leben in einer Zeit der Umweltzerstörung, in der sich unsere materialistische Kultur auf unser Ökosystem verheerend ausgewirkt hat. Unsere Flüsse sind vergiftet, die Regenwälder abgeholzt und niedergebrannt, weite Landstriche aufgrund unserer unersättlichen Gier nach Öl, Gas und Mineralien in Ödland verwandelt. Wir haben die Erde verschmutzt, geschändet und geplündert, so dass sie sich jetzt in einem gefährlichen Zustand des Ungleichgewichts befindet, den wir Klimawandel nennen. Wenn wir es wagen hinzuhören, ist es die Schöpfung selbst, die jetzt nach uns ruft und uns Zeichen ihres Ungleichgewichts schickt. Wir können diese Zeichen in den zunehmenden Überschwemmungen und Dürren erkennen, in den Böden fühlen, die durch Pestizide vergiftet wurden, und jene, deren Herzen offen sind, hören vielleicht den Schrei der Weltseele, des spirituellen Wesens unserer Mutter, der Erde. Es ist ein Schrei der Not und Verzweiflung darüber, dass die Menschheit, die dazu bestimmt war, die Hüterin des Planeten zu sein, ihre Verantwortung vergessen hat und die Erde stattdessen in einem globalen Ausmaß entheiligt und zerstört.

Llewellyn Vaughan-Lee (* 1953) in dem Text „Für die Erde beten“

 

Den ganzen Text kann man hier lesen:

http://www.goldensufi.org/g_fur_die_erde_beten.html