So oder so sind wir schon angekommen

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Die Sache mit Zen ist,
dass es Widersprüche bis an die äußerste Grenze treibt,
wo man dann zwischen Verrücktheit und Unschuld zu wählen hat.

Und Zen sagt,
dass wir vielleicht in einer kosmischen Dimension auf sie zutreiben.
Auf sie zutreiben,
denn so oder so, als Verrückte oder als Unschuldige,
sind wir schon angekommen.

Es kann nicht schaden,
wenn wir einfach die Augen öffnen und sehen.

Thomas Merton (1915 – 1968)

 

Gefunden habe ich diesen Text hier: http://satyamnitya.wordpress.com/2012/04/01/thomas-merton-so-oder-so-sind-wir-schon-angekommen/

Mehr zu Thomas Merton am 12. August hier: https://mystikaktuell.wordpress.com/2018/07/08/mystik-hier-und-jetzt-thomas-merton-1915-1968-moench-poet-und-rebell-12-august-2018/

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Erlebnis der Ruhe und Erfüllung

Foto: © wak

Die so genannte mystische Erfahrung ist etwas gänzlich Unbeschreibliches. Schon das Etikett Mystik wird dieser Dimension von Erfahrung nicht gerecht. Man tritt aus dem Gegebenen und Vorhandenen völlig heraus und hat ein Erlebnis der Ruhe und Erfüllung und des Stimmens, das man nur nachträglich in die Sprache einer Ideologie oder Religion übersetzen kann.

Paul Watzlawik (1921 – 2007) In: Bernhard Pörksen (Hrsg.) Die Gewissheit der Ungewissheit, Heidelberg 2001, S. 231

Sich der tieferen Dimension öffnen

Es dürfte heute kaum noch ein Zweifel mehr darüber bestehen, dass der Übungspraxis des Zen ein Prinzip menschlichen Werdens zugrunde liegt, über dessen Richtigkeit sich nicht mehr streiten lässt: Dass es dem Menschen gegeben und aufgegeben ist, sich auf Grund bestimmter Erlebnisse, Einsichten und Übungen von der Herrschaft des ihn vom Sein trennenden, statischen Ichbewusstseins zu befreien, sich einer tieferen Dimension der Wirklichkeit zu öffnen und auf sie hin transparent zu werden.

Karlfried Graf Dürckheim (1896 – 1988)

Zen und / oder Mystik?

Wenn von Zen oder von Mystik die Rede ist, wird oft nicht deutlich, wie sehr beide mit unserer konkreten Lebenspraxis zu tun haben können. Und dass es bei Zen oder Mystik nicht um falsche und sich widerstreitende Alternativen geht.

Doch was ist Zen eigentlich? „Zen lehrt, dass die Buddha-Natur, oder die Möglichkeit, Erleuchtung zu erreichen, in jedem innewohnt, aber aus Unwissenheit brachliegt…“. Erreicht wird die Erleuchtung „mit einem plötzlichen Durchbruch der Grenzen des gewöhnlichen, alltäglichen, logischen Denkens“, beschreibt die „New Encyclopaedia Britannica“ den Sinn des Zen.

Und was ist dann Mystik? „Durch die mystischen Berührungen wird der Mensch aus seinem verteilten, gewöhnlich-tag-täglichen Bewusstsein herausgeholt. Er wird ,eingekehrt‘ und spürt nun, dass in seinem ,Herzen‘ etwas geschieht,“ schreibt Paul Mommaers in seinem Buch „Was ist Mystik?“. Um einem Missverständnis vorzubeugen. Mystik und Zen sind selbstverständlich nicht identisch. Sie sind jedoch auch keine feindlichen Geschwister, weil es beiden, Zen wie Mystik, um die Rückbindung des Menschen an seine eigene göttliche Dimension geht.

Wenn ich Dienstags zu meiner Meditationsgruppe von Bruder Siegfried gekommen bin, sah ich immer wieder wie wenig sich der Goldkern spiritueller Weisheit von institutionalisiert religiösen, konfessionellen oder ideologischen Grenzen irritieren lässt. In gegenseitiger Achtung gingen und gehen diese Menschen miteinander um, die sich wöchentlich treffen. Zunächst reden sie über einen Text. Doch dann meditieren sie in der Stille miteinander. Den Menschen dort geht es gemeinsam darum, loszulassen. Das Aufgeben der Anhänglichkeit an Dinge, Geschöpfe oder Gewohnheiten beispielsweise. Und sie wollen gemeinsam etwas für sich entdecken. Den Blick der Einfachheit. Den Einklang mit Gott. Den Grund der eigenen Existenz und des eigenen Nichts – mit all seinen Facetten. Das Erkennen des eigenen Selbst, das Schweigen. Damit Gott die Chance hat, sprechen zu können. Zu ihnen, zu mir.

Zen, hilft ihnen/mir dabei. Und die Rückbindung an eine jahrhundertealte Mystik, wie sie von Meister Eckhart oder seinem Schüler Johannes Tauler überliefert und heute noch in ihren Kernaussagen bedeutsam ist. „Wir suchen auf verborgene Weise das Eine, das weit über Vernunft und Erkenntnis steht“, hatte bereits im fünften Jahrhundert der spätantike Philosoph Proklus geschrieben. Worte, die ebenfalls an Aktualität nichts verloren haben. Und die jenseits imaginärer Grenzen von Zen und Mystik stehen.

Werner Anahata Krebber

Wortannäherungen zu Hannah Buchholz: „Schlaflos“

Schlaflos_Cover

Blick in das Tonnengewölbe des Grabes von Galla Placidia in Ravenna

http://12koerbe.de/mosaiken/rav-01.htm

Wie ein Schutzmantel
ist das Tonnengewölbe
des Grabes von Galla Placidia in Ravenna
über dem Buch „Schlaflos“
und das blaue Halbleinen des Umschlags
ist  kein Mantel des Vergessens, kein Leichentuch.
„Schlaflos“ ist nicht Grab,
„Schlaflos“ ist Auferstehung…

Das Gedicht
ist ein gefährlicher Ort,

doch für heute ist es
meine Rettung.
(h.b.)

Ungewohnte, ungewöhnliche Zeilenfälle
ziehen sich durch den Band
mit den Gedichten von Hannah Buchholz,
die sich als Geschichte in Gedichten präsentiert.
Worte, die gesetzt sind in Zeilen,
die den Leser mitnehmen.
Sie lassen teilhaben an der Geschichte
der Lyrikerin

Aber was ist
die Geschichte hinter den Gedichten?

anwesend und abwesend
gemalt aber nicht abgebildet
angezogen und abgestoßen
im ständigen raschen Wechsel
Versuche zu verstehen
und die Erfahrung von Unverständnis

Doch das einsame Kind,
das kleine wie das große,
kann auch angenommen sein erfahren.

Denn es gibt Anker, es gibt Halt.
Menschen und Orte, die Heimat werden.
In der Natur, am See, mit dem Wind, dem Regen
der Musik.
Und Atemholen gibt es

Die umhüllende Dunkelheit der Nacht
wird zu einem Schutzschirm
mit kosmischer Dimension

Aus dem im Schmerz geborenen Wort
wird Erlösung, wird Erfüllung
Aus Leere wird Fülle
aus Dunkel wird Licht

Tiefe Ein- und Ausblicke,
in einer Sprache von seltener Dichte
und Klarheit in der Suche danach
Unklarheit und Verstörtheit und Irritationen
zu verstehen, zu bearbeiten, zu verarbeiten.
zu verwandeln, zu transformieren

Welche Kraft…

Werner Anahata Krebber , 11.01.2015 / 31.07.2015

Mehr zu „Schlaflos“ und anderen Büchern von Hannah Buchholz hier:

https://hannahbuchholz.wordpress.com/publikationen/

Ein überfließendes Herz

Der Verstand hat seine Funktion auf dem Marktplatz, aber wenn du heimkommst, sollte er zu rattern aufhören. Genauso wie du deine Jacke ablegst, deinen Hut, deine Schuhe, solltest du auch deinen Verstand ablegen und zu ihm sagen: »Jetzt sei still! Das hier ist nicht deine Welt.« Das bedeutet aber nicht, gegen den Verstand zu sein. Es bedeutet vielmehr, dem Verstand eine Ruhepause zu gönnen. Daheim mit deiner Frau, mit deinem Ehemann, mit deinen Kindern, mit deinen Eltern, mit deinen Freunden wird der Verstand nicht gebraucht. Dort brauchst du ein überfließendes Herz. Und wenn ein Haus nicht in Liebe überfließt, wird es nie zu einem Heim; dann bleibt es nur ein Haus. Und wenn du in deinem Heim ein paar Augenblicke für Meditation finden kannst, für die Erfahrung deines Seins, dann erlebt dein Heim seine Krönung – es wird zu einem Tempel. Das gleiche Haus. . . für den Verstand ist es nur ein Haus. Für das Herz wird es zu einem Heim. Für das Sein wird es zu einem Tempel. Das Haus bleibt das gleiche, aber du veränderst dich, deine Vision verändert sich, deine Dimension verändert sich, dein Verständnis und deine Art und Weise, die Dinge zu betrachten, verändern sich. Ein Haus, das nicht alle drei in sich vereinigt, ist armselig.

Osho (1931 – 1990)

 

Eine längere Version dieses Gedankens fand ich hier:

https://herzzentrale.wordpress.com/2014/11/13/osho-der-verstand-als-diener-des-herzens-das-herz-als-diener-des-seins-und-das-sein-als-teil-der-intelligenz-die-die-ganze-existenz-durchdringt/