Stufen der Wahrheit

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Da es also drei Stufen oder Formen der Wahrheit gibt, so steigen wir zur ersten durch die Mühsal der Demut, zur zweiten durch das Gefühl des Mitleids, zur dritten durch Entzückung und Beschauung empor. Auf der ersten Stufe findet man die Wahrheit streng, auf der zweiten barmherzig, auf der dritten rein. Zur ersten Stufe führt die Vernunft, durch die wir uns auf Herz und Nieren. prüfen. Zur zweiten Stufe führt die Liebe, durch die wir mit andern Erbarmen fühlen. Zur dritten Stufe reißt uns die Reinheit fort, durch die wir uns zum Unsichtbaren erheben.

Bernhard von Clairvaux (um 1090 – 1153)

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Selig die Bringer des Friedensreichs

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Als er die Massen sah, stieg er auf den Berg, setzte sich undseine Jünger kamen zu ihm. Und er tat seinen Mund auf und lehrte sie, sagend:

Selig sind die Bettelmönche, denn für sie ist das Reich der Himmel da.
Selig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden.
Selig die Milden, denn sie werden das Land Israel erben.
Selig, die hungern und dürsten, Gerechte zu sein, denn sie sollen satt werden.
Selig die Erbarmenden, denn sie werden Erbarmen finden.
Selig die im Herzen Reinen, denn sie werden Gott sehen.
Selig die Bringer des Friedensreichs, denn sie werden Gottes Töchter* und Söhne heißen.
Selig, die verfolgt werden, weil sie Gerechte sind, denn für sie ist das Reich der Himmel da.
Selig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und über euch alles Böse lügnerisch sagen um meinetwillen. Freut euch und jubelt, denn euer Lohn wird groß sein im Reich der Himmel. So haben sie die Propheten vor euch verfolgt.

Carl-Friedrich von Weizsäcker (1912 – 2007) in: Der Garten des Menschlichen, München/Wien 1977

*Die „Töchter“ habe ich hinzugefügt  😉

Unser tiefes Verlangen nach Befreiung verwirklichen

Shin’ichi Hisamatsu

Besänftigt und gefaßt
Laßt uns erwachen zum wahren Selbst,
Völlig Erbarmende werden,
Völlig unsere Fähigkeiten nutzen,
Wie immer es unserer Berufung entspricht;
Das Leiden erkennen
Von Mensch und Gesellschaft
Und die Wurzel des Leidens;
Die richtige Richtung erfassen,
Wohin die Geschichte gehen soll.
Wir reichen einander die Hände,
Miteinander verwandt,
Weit jenseits der Unterschiede
Von Rasse, Nation und Klasse.
Laßt uns voll Mitgefühl geloben,
Daß wir unser tiefes Verlangen
Nach Befreiung verwirklichen
Und eine Welt gestalten,
In der alle leben können
In Wahrheit und Fülle.

(Shin’ichi Hisamatsu 1889 – 1980)

Sieben Empfehlungen von Rumi

Sei wie ein Fluss bei tätiger Freigiebigkeit und Hilfe.
Sei wie die Sonne im Verbreiten von Erbarmen und Güte.
Sei wie die Nacht im Verdecken der Fehler von anderen.
Sei wie ein Toter hinsichtlich Fanatismus und Harschem.
Sei wie der Erdboden in Bescheidenheit und Genügsamkeit.
Sei wie das Meer in Geduldsamkeit.
Zeig dich entweder so, wie du bist oder sei so, wie du dich zeigst.

Dschelaluddin Rumi / Mevlana / Muhammad Dschelaleddin Rumi (1207-1273) zugeschrieben

Manjusri: Kommunikation des Erbarmens

Manjusri_PyarFoto: © wak

Manjusri repräsentiert den mechanischen Aspekt des Erbarmens, aber hier ist es eher eine intellektuelle als eine rein impulsive Eigenschaft. Er ist auch der Schöpfer des Klanges, der Kommunikation des Erbarmens; er steht für den Klang der Leere, welcher der Ursprung aller Worte ist.

Chögyam Trungpa (1940 -1987) in seinem Kommentar zu „Das Totenbuch der Tibeter“. Kreuzlingen/München 2002, S. 45