Wir sind beide in eins geflossen

Gedenktafel im Kloster Helfta, die an Mechthild von Magdeburg, Mechthild von Hackeborn und Gertrud die Große erinnert.    Foto: © wak

 

Ich bin in Dir,
Du bist in mir,
Wir können einander nicht näher sein,
Denn wir sind beide in eins geflossen
Und sind in eine Form gegossen
Und bleiben so ewig unverdrossen.

Mechthild von Magdeburg (1207 – 1282)

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Näher kommend wird der Pilger irre…

Schon von ferne fühlt der fremde scheue
Pilger, wie es golden von ihm träuft;
so als hätten Reiche voller Reue
ihre Heimlichkeiten aufgehäuft.

Aber näher kommend wird er irre
vor der Hoheit dieser Augenbraun:
denn das sind nicht ihre Trinkgeschirre
und die Ohrgehänge ihrer Fraun.

Wüßte einer denn zu sagen, welche
Dinge eingeschmolzen wurden, um
dieses Bild auf diesem Blumenkelche
aufzurichten: stummer, ruhiggelber
als ein goldenes und rundherum
auch den Raum berührend wie sich selber.

Rainer Maria Rilke, Neue Gedichte, Erster Teil (1907)

Ich bin in Dir und Du in mir

Gedenktafel für die drei großen Mystikerinnen von Helfta  Foto: © wak

 

Ich bin in dir
und du in mir.

Wir könnten uns
nicht näher sein.

In eins sind wir geflossen,
gegossen wie in eine Form.
Nichts kann uns trennen.

Gertrud von Helfta (1256-1302)

Bild

Du bist meiner Sehnsucht Liebesfühlen…

Den Raum berührend wie sich selber

Schon von ferne fühlt der fremde scheue
Pilger, wie es golden von ihm träuft;
so als hätten Reiche voller Reue
ihre Heimlichkeiten aufgehäuft.

Aber näher kommend wird er irre
vor der Hoheit dieser Augenbraun:
denn das sind nicht ihre Trinkgeschirre
und die Ohrgehänge ihrer Fraun.

Wüßte einer denn zu sagen, welche
Dinge eingeschmolzen wurden, um
dieses Bild auf diesem Blumenkelche
aufzurichten: stummer, ruhiggelber
als ein goldenes und rundherum
auch den Raum berührend wie sich selber.
Rainer Maria Rilke, Neue Gedichte, Erster Teil (1907)

Ich bin in dir, du bist in mir

Da sprach der liebende Mund,
Der meine Seele küßte wund,
In seinen erhabenen Worten,
Die ich niemals würdig hörte:
Du bist meiner Sehnsucht Liebesfühlen,
Du bist meiner Brust ein süßes Kühlen,
Du bist ein inniger Kuß meines Mundes,
Du bist eine selige Freude meines Fundes,
Ich bin in dir, du bist in mir,
Wir können einander nicht näher sein,
Denn wir sind beide in eins geflossen
Und sind in eine Form gegossen
Und verbleiben so ewig unverdrossen.

Mechthild von Magdeburg (1210-1282) in: „Das fließende Licht der Gottheit“