O Gott gib Licht …

 

Musik aus dem Zyklus HAGIOS von Komponist Helge Burggrabe. Aufnahme im Rahmen des Bremer Friedenskonzertes am 8. Mai 2020 im Bremer Dom. Mitwirkende: Sabrina Reist (Sopran),  Sophia Holdt (Alt), Clemens Löschmann (Tenor), Birger Radde (Bariton) und Helge Burggrabe (Klavier)

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Auf der Seite „Nische der Lichter“ findet sich dieser Hinweis zu einer etwas anderen und ausführlicheren Version des Textes: „Das Lichtgebet (Du’a an-Nur) ist zweifellos eines der schönsten Gebete, ein Juwel. Es heißt, dass Mevlana Rumi (auf den der Mevlevi-Derwisch-Orden zurück geht) das Gebet des Lichts jeden Morgen rezitierte.“ https://nischederlichter.wordpress.com/das-lichtgebet/

„O Gott gib Licht in mein Herz, Licht in mein Grab,
Licht in meine Hände, Licht hinter mich, Licht über
mich, Licht unter mich, Licht in meine Ohren, Licht in
meine Augen, Licht auf meine Haut, Licht in mein Haar,
Licht in mein Fleisch, Licht in mein Blut, Licht in meine
Knochen.
O Gott! Mehre mein Licht und mach mich zu Licht.
O Gott! Gib Licht in mein Herz. Licht auf meine Zunge,
Licht in meine Auge, Licht in meine Ohren, Licht auf
meine rechte Seite, Licht auf meine linke Seite, Licht
über mich, Licht unter mich, Licht vor mich, Licht
hinter mich. Licht in mich.
O Gott, ich bitte dich! Gib mir Licht, mehre mein Licht
und mach mich zu Licht! Amen“

 

Die Verborgenheiten des heiligen Weges weitergeben

Hippolytus von Rom | Bild: Archiv

 

Jesus aber sprach: „Blicke, Vater,
auf dieses von Bösen verfolgte Wesen,
das auf der Erde umherirrt,
fern von deinem Geiste.
Sie sucht dem bitteren Chaos zu entfliehen,
und weiß nicht, wie sie hindurchkommen soll.
Deshalb sende mich, Vater!
Im Besitz der Siegel will ich hinabsteigen,
Alle Äonen will ich durchschreiten,
alle Geheimnisse will ich enthüllen,
und die Gestalten der Götter will ich zeigen.
Die Verborgenheiten des heiligen Weges
will ich, unter dem Namen Gnosis, weitergeben.

Aus dem gnostischen Naasener-Psalm. Überliefert durch Hippolytus von Rom († um 235)

Mystik in den Upanishaden

Friedrich Heiler (1892 – 1967). Mehr über ihn hier: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118547836.html#ndbcontent

Lichtgebet

 

Oh du mein Gott,
gib mir Licht,
stärke mein Licht,
mache mich zu Licht.

Gott setze Licht in mein Herz,
Licht in meine Seele,
Licht in meinen Geist,
Licht in mein Bewusstsein,
Licht in mein Denken und
Licht in mein Tun.

Gott setze Licht auf meine Zunge,
Licht in meine Augen,
Licht in meine Ohren,
Licht in meine Nerven,
Licht in mein Blut und
Licht in meine Haut.

Gott setze Licht zu meiner Rechten,
Licht zu meiner Linken,
Licht hinter mir,
Licht vor mir,
Licht über mir und
Licht unter mir.

Aus der Tradition der Sufi. Vertont von Helge Burggrabe in Zusammenarbeit mit Elbcanto

Du wirst Gott schauen

Foto: © wak

Ein Schüler fragte: “Herr, wie kann ich Gott erlangen ?” Da nahm ihn der Meister zum Meer und tauchte ihn unter Wasser. Nach kurzer Zeit ließ er ihn wieder los und fragte: “Wie hast du dich gefühlt?” Der Schüler antwortete: “Ich glaubte, mein letzter Augenblick sei gekommen. So verzweifelt war ich.” Da antwortete der Meister: “Du wirst Gott schauen, wenn dein Verlangen nach ihm so groß ist, wie deine Sehnsucht nach Luft in diesem Augenblick.”

Ramakrishna (1836 – 1886)

 

Die kostbarsten Güter soll man nicht suchen, sondern erwarten

Simone Weil im Jahr 1921 / Bild: wikimedia, gemeinfrei

Die Aufmerksamkeit besteht darin, sein Denken zu umgehen, den Geist verfügbar, leer und für den Gegenstand durchlässig zu halten, die verschiedenen bereits erworbenen Kenntnisse, die man zu nutzen genötigt ist, in sich dem Geist zwar nahe und erreichbar, doch auf einer tieferen Stufe zu erhalten, ohne dass sie den Geist berührten. Der Geist soll hinsichtlich aller eigenen und schon ausgeformten Gedanken wie ein Mensch auf einem Berg sein, der vor sich hinblickt und gleichzeitig unter sich – jedoch ohne hinzusehen – viele Wälder und Ebenen wahrnimmt. Und vor allem soll der Geist leer sein, wartend, nichts suchend, aber bereit, den Gegenstand, der in ihn eingehen wird, in seiner nackten Wahrheit aufzunehmen. Die kostbarsten Güter soll man nicht suchen, sondern erwarten. Denn der Mensch kann sie aus eigenen Kräften nicht finden, und wenn er sich auf die Suche nach ihnen begibt, findet er statt ihrer falsche Güter, deren Falschheit er nicht zu erkennen vermag.

Simone Weil (1909 – 1943) in: Schwerkraft und Gnade, München 1952

Gefunden habe ich diesen Gedanken von ihr hier: http://www.marschler.at

Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt, wie von Feuer

Foto: © wak

Und es erschienen ihnen Zungen,
zerteilt, wie von Feuer;
und er setzte sich auf einen jeglichen unter ihnen;
und sie wurden alle voll des Heiligen Geistes
und fingen an, zu predigen mit anderen Zungen,
nach dem der Geist ihnen gab auszusprechen.

Aus der Apostelgeschichte im Neuen Testament