Auf mystische Weise Gott erkennen

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Wer auf mystische Weise Gott erkennen will, muss über alle Vernunfterkenntnis hinaus, auch sich selbst lassend, sich in die Dunkelheit werfen. Dann wird er finden, wie das, was der Verstand für unmöglich hält, nämlich das Zugleich von Sein und Nichtsein, die Notwendigkeit selbst ist.
Dionysius sagt, dass man, seine Erkenntnisse selbst mit Füßen tretend, ohne Wissen zu Gott streben muss, weil es dann zu jener Vereinigung kommt, in der es ohne Erkenntnis Gewissheit gibt, wo die Dunkelheit Licht und die Unwissenheit Wissenschaft ist.
Niemand kann auf mystische Weise Gott schauen als allein in der Dunkelheit des Ineinsfallens der Gegensätze.

Nikolaus von Kues (1401 – 1464)

Keine Dunkelheit wird mehr sein

Hermes Trismegistos in einem Bodenmosaik | wikimedia gemeinfrei

 

Die Wahrheit, Gewißheit, das Wahrste, ohne Unwahrheit. Das Obere ist wie das Untere. Das Untere ist wie das Obere. Zu erlangen ist: das Wunder der Einheit. Alles ist geformt von der Betrachtung der Einheit, und alles kommt – durch Angleichung – aus der Einheit. Ihre Eltern sind Sonne und Mond, der Wind hat sie geboren, die Erde sie genährt. Jedes Wunder ist von ihr, und ihre Macht ist vollkommen. Wirf sie auf die Erde, und Erde wird von Feuer sich trennen. Das Ungreifbare getrennt vom Greifbaren. Durch Weisheit erhebt sie sich langsam von der Erde in den Himmel. Dann steigt sie zur Erde nieder, verbindend das Obere und das Untere. So werdet ihr die Erleuchtung der ganzen Welt haben, und keine Dunkelheit wird mehr sein. Dies ist die Macht aller Stärke: das Ungreifbare fügt sich ihr, das Feste durchdringt sie. Auf diese Weise wurde die Welt erschaffen. Die Zukunft wird herrliche Entwicklungen bringen, und dies ist der Weg. Ich bin Hermes, der dreifältige Weise; ich wurde so genannt, weil ich die drei Elemente aller Weisheit bewahre. Und so endet die Offenbarung des Werkes der Sonne.

Die Lehren, die Hermes Trismegistos zugeschriebn werden, hat Idries Shah so übersetzt in: Die Sufis. Die Botschaft der Derwische, Weisheit der Magier. Ein Kompendium der Sufi-Geschichte und -Lehre

 

Jesus aber verbarg sich…

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Da hoben sie Steine auf,
um sie auf ihn zu werfen.
Jesus aber verbarg sich und verließ den Tempel.

Johannes-Evangelium 8,59

Gesehen in der Kunst-Station St. Peter in Köln. Mehr dazu hier: http://www.sankt-peter-koeln.de/wp/kunst-station/ubersicht/

 

Geh in deinen Grund

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Da kommen denn viele Leute und erdenken sich mancherlei Wege,
um zu diesem Ziel zu gelangen:
Die einen wollen ein Jahr lang von Wasser und Brot leben,
die anderen eine Wallfahrt machen,
bald dies, bald das.
Ich nenne dir den einfachsten und kürzesten Weg:
Geh in deinen Grund und prüfe, was dich am meisten hindert,
dich am meisten von der Erreichung des Zieles zurück hält;
darauf richte deinen Blick.
Diesen Stein dann wirf in eines Flusses Grund.

Johannes Tauler (um 1300 – 1361

Geh ein in deinen Grund…

Foto: © wak

 

Da kommen denn viele Leute und erdenken sich mancherlei Wege,
um zu diesem Ziel zu gelangen:
Die einen wollen ein Jahr lang von Wasser und Brot leben,
die anderen eine Wallfahrt machen,
bald dies, bald das.
Ich nenne dir den einfachsten und kürzesten Weg:
Geh in deinen Grund und prüfe, was dich am meisten hindert,
dich am meisten von der Erreichung des Zieles zurück hält;
darauf richte deinen Blick.
Diesen Stein dann wirf in eines Flusses Grund.

Johannes Tauler  (* um 1300 – 1361)

Mehr zu Johannes Tauler am 6. Januar im Kölner Mystikkreis: https://mystikaktuell.wordpress.com/2018/12/03/seine-sprache-ist-wie-ein-bergquell-johannes-tauler-im-mystikkreis-am-6-januar-2019/