Schweigen: Ort der Leere und Erfüllung

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Das Schweigen wird der Mystik ebenso sehr zum Ort der Leere wie der Erfüllung. Die Einübung in das Schweigen ist nicht das bloße Heraustreten aus dem öffentlichen Gespräch, sondern auch ein Leerwerden, ein Freiwerden vom inneren Reden, vom Lärm des Denkens, der das Wort, das uns gegeben ist, nicht hören lässt. In gesteigerter Form kann die, Unsagbarkeit, sogar, jenseits der Grenze des Sagenkönnens, auf eines verweisen, wo sich das Sprechen verbietet: auf eines, das unantastbar ist, das nicht gesagt, vor der Sprache geschützt werden soll.

Emil Angehrn (*1946)

Die Welt bedarf der genialen Heiligen

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Es genügt heute nicht, ein Heiliger zu sein; es bedarf der Heiligkeit, die der gegenwärtige Augenblick fordert, einer neuen Heiligkeit, wie es sie früher nie gegeben hat. Ein neuer Typus der Heiligkeit, das ist wie der Ausbruch eines innersten Quells, das ist eine Erfindung. Es ist beinahe so etwas wie eine neue Offenbarung des Weltalls und der menschlichen Bestimmung. Es ist die Freilegung eines weiten Bereiches von Wahrheit und Schönheit, der bis dahin unter einer dicken Staubschicht verborgen war. Hierzu bedarf es eines größeren Genies, als Archimedes es brauchte, um die Mechanik und die Physik zu erfinden. Eine neue Heiligkeit ist eine sehr viel wunderbarere Erfindung.

Nur eine Art von Perversität kann die Freunde Gottes veranlassen, sich dessen zu berauben, dass sie Genie haben; denn um einen Überreichtum an Genie zu empfangen, genügt es, dass sie es im Namen Christi von ihrem Vater erbitten. Dies ist, wenigstens heutigen Tages, eine berechtigte Bitte, denn sie ist notwendig. Ich glaube, dies ist, in dieser Form oder in irgendeiner gleichwertigen, heute die erste Bitte, die man alle Tage, alle Stunden tun sollte, wie ein hungriges Kind immer nach Brot verlangt. Die Welt bedarf der genialen Heiligen, wie eine Stadt, in der die Pest wütet, der Ärzte bedarf.

 Simone Weil in einem Brief an Pater Perrin, 26.5.1942

In: https://www.nootheater.de/menu.html  – Buch der Freunde XXV

Der vollständige Text ist hier nachzulesen:

MAGISCHE BLÄTTER
CI. JAHRGANG HERBST 2020
3. Quartalsausgabe August, September, Oktober, gebunden
ISBN.Nr. 978 -3-948594-03-9

HEFT 8  |  September 2020

TITELTHEMA: EIN VERSCHÜTTETER TEMPEL

https://verlagmagischeblaetter.eu/monatsschrift/magische-blaetter

Bestellt werden können die Magischen Blätter hier: kontakt@verlagmagischeblaetter.eu

Vollkommenheit und Leere

Thomas Merton in der Trappistenabtei Gethsemani / Bild: Archiv

Das vollkommene Tun ist leer. Wer kann es sehen? Derjenige, der die Form vergisst. Jenseits der Form tritt das ungeformte, das leere Tun mit der eigenen Form hervor. Vollkommene Form ist das Geschehen eines Augenblicks. Seine Vollkommenheit vergeht sofort. Vollkommenheit und Leere gehen zusammen, denn sie sind dasselbe: der Zusammenfall einer Augenblicksform mit dem ewigen Nichts. Form: der Schein des Nichts. Vergiss die Form, und sie wird plötzlich sichtbar, umstrahlt und glänzend im eigenen Licht, das das Nichts ist. Dann aber suche nicht mehr. Lass es geschehen. Lass es kommen und gehen. Was denn? Alles und jedes, das meint: Nichts.

Thomas Merton (1915-1968)

Unterschiede bewusst werden lassen

 

Viel fruchtloses Bemühen, viel Streit, viel Unzufriedenheit würden verschwinden, und entsprechend mehr Gleichmut, Frohsinn, Glück könnten einziehen, wenn man, allgemein sich dieses Unterschiedes bewusst, mehr nach wahrem Besitz als nach Eigentum streben würde. Was damit gemeint ist, bringt ein chinesischer Aphorismus in knappster Form zum Ausdruck: „Der Herr sagte: „Mein Garten . . . – und sein Gärtner lächelte.“

Albert Hofmann (1906 – 2008) in seinem Buch „Einsichten – Ausblicke“; aktuell ist der gesamte Text „Über Besitz“ nachzulesen in der Mai-Ausgabe der „Magischen Blätter“. Mehr dazu hier: https://verlagmagischeblaetter.eu/monatsschrift/magische-blaetter

Über den Urgrund des Alls

 

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Der Urgrund des Alls, über alles hinaus, was Schöpfung heißt, kann nicht Stoff sein, nicht Geist, nicht Wesen, nicht Leben, nicht Bewusstsein; nicht Körper, Figur, Form, Bild, Idee, Qualität oder Quantität oder Masse. Er kann nicht an einem Orte mehr sein als an einem anderen, kann also nicht konturenhaft gesehen oder überhaupt durch abgrenzende Sinne oder Gedanken erfasst werden; also kann Er auch weder Sinne erregen noch durch Sinne erregt werden, kann überhaupt nicht gestört werden, entzieht sich jeder Ordnung oder Unordnung und schon gar jedem Verstricktsein in materielle Unterscheidungen. Kein Zufall und keine Beziehung und kein Misslingen kann Ihn je betreffen oder gar Seine Allmacht beschränken, ebenso wenig wie ein Mangel an Licht – und keine Veränderung oder Wandlung oder Entwertung, keine Vernichtung, keine Teilung, keine Entbehrung, kein Abströmen oder was sonst noch dem geschaffenen Bereich der Sinne angehört, hat je bei Ihm Statt.

Dionysius Areopagita (5. Jh.)

 

Umstrahlt und glänzend im eigenen Licht

Thomas Merton / Bild: Archiv

Das vollkommene Tun ist leer. Wer kann es sehen? Derjenige, der die Form vergisst. Jenseits der Form tritt das ungeformte, das leere Tun mit der eigenen Form hervor. Vollkommene Form ist das Geschehen eines Augenblicks. Seine Vollkommenheit vergeht sofort. Vollkommenheit und Leere gehen zusammen, denn sie sind dasselbe: der Zusammenfall einer Augenblicksform mit dem ewigen Nichts. Form: der Schein des Nichts. Vergiss die Form, und sie wird plötzlich sichtbar, umstrahlt und glänzend im eigenen Licht, das das Nichts ist. Dann aber suche nicht mehr. Lass es geschehen. Lass es kommen und gehen. Was denn? Alles und jedes, das meint: Nichts.

Thomas Merton (1915-1968)

Miteinander-Teilen geschieht in und durch mystische Weisheit

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Die tiefste Form des Miteinander-Teilens geschieht in und durch mystische Weisheit, durch Lehren, Einsichten, Methoden des spirituellen Lebens und deren Früchte.

Ein reifes mystisches Leben ist naturgemäß, ja geradezu organischer weise interspirituell, weil die mystische Reise in der Tiefe des Menschen innere Freiheit und Befreiung entzündet.

Wayne Teasdale (1945 –2004)

Dynamik der Liebe

Die Eine untrennbare Wirklichkeit ist namenlos und enthält in sich alle Namen zugleich – immanent und transzendent. Absolut gesehen ist sie eigenschaftslos. Drückt sich die Eine Wirklichkeit in Klang, Farbe und Form aus, vibriert sie in Milliarden von unterschiedlichen Eigenschaften, in untrennbarer Einheit. Die Natur der einen Wirklichkeit ist grundsätzlich egolos. Universen, Galaxien, Sonne und Mond, alle Planeten und Wesen, alle Pflanzen und Tiere sowie alle Menschen sind untrennbar Teil dieser einen Wirklichkeit. Es ist allein die Dynamik der Liebe, die den Tanz aller Frequenzen ermöglicht. Die ganze Welt, alle Universen – vom Größten bis zum Allerkleinsten – vibrieren in absoluter Stille in und durch sie als die eine untrennbare Wirklichkeit.

Annette Kaiser (*1948)

Kann die Filmkunst zur Menschwerdung beitragen?

„Das Geistige im Film ist ein noch unentdeckter Kontinent, ein Kapitel der Filmgeschichte, das noch nicht wirklich aufgeschlagen wurde. Es sollte uns nicht genügen, immer wieder die gleiche Form des Kinos zu reproduzieren. Um etwas in unserem Leben wahr werden zu lassen, müssen wir es vorher gesehen haben. Es wäre verfehlt und unrealistisch, das derzeitige Filmsystem angreifen oder gar abschaffen zu wollen, aber es bedarf dringend der Ergänzung und des Ausgleichs. Was den meisten Filmen fehlt, ist nicht das technische Vermögen, sondern der emotionale und geistige Reichtum. Im Grunde wäre das Fernsehen ein ideales Medium, den Zuschauer Erfahrungen mit neuen Formen machen zu lassen, ihre Wahrnehmungsmöglichkeiten zu erweitern. Bei einer so großen Anzahl von Fernsehkanälen sollte es sich unsere Gesellschaft zur Aufgabe stellen, zumindest einen „Leuchtturm“ zum Brennen zu bringen. Wenigstens einen Fernsehkanal zur Schutzzone zu erklären, auf dem sich der Zuschauer sicher fühlen könnte, weil der Fernsehdirektor und die Gremien bei der Auswahl des Programms die Verantwortung für die Seelen ihrer Zuschauer im Blick hätten. Keine Zerstreuung, sondern Sammlung. Gerade in Anbetracht der kollektiv erbrachten Rundfunkgebühren sollte ein solches Vorhaben umgesetzt werden. Lebendi­ges Leben eingebettet in einem zeitlos, geistigen Organismus.

Dort könnten die europäischen Pioniere Robert Bresson, Ingmar Bergman, Luis Buñuel geehrt werden, Pier Paolo Pasolinis „Das Evangelium nach Matthäus“ (1964) und Carl Theodor Dreyers „Das Wort“ (1955), „Der Himmel über Berlin“ (1987) von Wim Wenders oder der amerikanische Filmklassiker „Lost Horizon“ (1937) von Frank Capra gezeigt werden. Und aus dem asiatischen Kino bieten sich die Filmwerke von Akira Kurosawa und Yasujiro Ozu. In „Rashomon“ (1954), einem Klassiker des japanischen Kinos, stellt sich das Erleben eines scheinbar für alle Beteiligten gleichen Geschehens als subjektiv sehr verschieden dar und zieht da­mit die objektive ethische Urteilsfähigkeit des Menschen in Zweifel. Ebenso ist der Film „Warum Bodhi Dharma in den Orient aufbrach“(1989) von Young-kyon Bae zu erwähnen. Und es sollten auf jeden Fall auch Filme aus der Bildenden Kunst gezeigt werden wie „Variations Of A Cellophane Wrapper“ (1970) von David Rimmer, „Pas des Deux“ (1968) von Norman McLaren und „Lapis“ (1966) von James Whit­ney, nicht zu vergessen die Arbeiten von Maya Deren und Jordan Belson.

… Filmkunst als Ausdruck und Weg unseres geistigen und seelischen Erwachens. Und als Mittel und Medium unserer Selbstgestaltung.“

Gefunden habe ich dieses Zitat Hier: http://www.organisationzurumwandlungdeskinos.de/ Er erschien unter dem Titel „Kann die Filmkunst zur Menschwerdung beitragen?“ im ersten Heft der neu aufgelegten „Magischen Blätter“, Ronnenberg, Frühjahr 2020

Mehr hier: https://verlagmagischeblaetter.eu/monatszeitschrift