Vom inneren Licht erfüllt

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Was sich der Seele im Grunde darbietet, hat weder Bild noch Form, weder Ort noch Weise: es ist ein unergründlicher Grund, schwebend in sich selbst, und in diesem Grund ist Gottes Wohnung mehr als irgendwo anders. Wer sich dorthin einsenkt, der findet da Gott und findet sich selbst in Gott und eins mit Gott. Denn von diesem Grunde scheidet Gott sich nie. Hier ist dem vom inneren Licht erfüllten Geist Gott gegenwärtig, und die Ewigkeit wird hier empfunden, in der es weder Vorher noch Nachher gibt.

Johannes Tauler (1300 – 1361)

Alles was gedacht und wahrgenommen wird

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Alles nämlich, was eingesehen und wahrgenommen wird, ist nichts anderes als die Erscheinung des nicht Erscheinenden, die Manifestation des Verborgenen, Affirmation des Negierten, Begreifen des Unbegreiflichen, das Sagen des Unsagbaren, der Zugang zum Unzugänglichen, Einsehen des Uneinsehbaren, Körper des Unkörperlichen, Wesen des Überwesentlichen, Form des Gestaltlosen, Maß des Unmeßbaren, Zahl des Unzählbaren, Gewicht des Gewichtlosen, Festwerden des Geistigen, Sichtbarkeit des Unsichtbaren, Ort des Ortlosen, Zeitlichkeit des nicht Zeitlichen, Begrenzung des Unendlichen, Umgrenzung des nicht Umgrenzten, und das Übrige, was mit bloßem Intellekt sowohl gedacht wie erblickt wird, und nicht in den Windungen des Gedächtnisses eingefangen werden kann und der Schärfe des Geistes entflieht.

Scotus Eriugena (815 – 877)

Der Religion der Liebe folgen

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Welche Herrlichkeit! Ein Garten inmitten von Flammen!
Mein Herz hat sich für jegliche Form geöffnet:
Es ist eine Weide für Gazellen,
und ein Kloster für christliche Mönche,
und ein Tempel für Götzenbilder, und die Kaaba der Pilgernden,
und die Tafeln der Thora, und das Buch des Korans.
Ich folge der Religion der Liebe:
Welchen Weg auch immer die Reittiere der Liebe einschlagen,
das ist meine Religion und mein Glaube.

Ibn Arabi (1165–1240)

Zitiert in einer Ansprache am World Symposium on Humanity, London 1979 von Bülent Rauf (1911 – 1987) Rauf war u.a. Ehrenpräsident der Ibn Arabi Society: https://ibnarabisociety.org/Siehe auch hier: https://chalice-verlag.de/einssein-ibn-arabi-einheit-buelent-rauf/

Wirklichkeit der Leerheit

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Wirklichkeit ist nicht anderes als das, was gerade geschieht, jetzt. Die Dinge ereignen, bewegen und verwandeln sich. Wir können sie nicht in einem Schnappschuss festhalten. Doch das ist es, was alle unsere Ideen und Konzepte sind – eine Sammlung von Schnappschüssen. Genau das müssen wir unmittelbar erkennen. Diese Einsicht ist die Wirklichkeit der Leerheit, während alle Schnappschüsse die Welt der Form bilden. Und das Herzsutra lehrt, um es noch einmal zu sagen, dass beide Welten gleich sind.

Bernard Glassman (1939 – 2018) in: Das Herz der Vollendung. Unterweisungen eines westlichen Zen-Meisters

Der Sprache Gottes angepasst

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Je weniger Form in der Religion,
um so besser;
denn Gott ist Geist.
Je geistiger unser Gottesdienst,
um so näher der Natur Gottes,
je schweigender,
um so angepasster
der Sprache Gottes.

William Penn (1644 – 1718)

Der Religion der Liebe folgen

Foto: (c) wak

Welche Herrlichkeit!
Ein Garten inmitten der Flammen!
Mein Herz hat sich für jegliche Form geöffnet:
Es ist eine Weide für Gazellen,
und ein Kloster für christliche Mönche,
und ein Tempel für Götzenbilder,
und die Kaaba der Pilgernden,
und die Tafeln der Tora,
und das Buch des Korans.

Ich folge der Religion der Liebe:
Welchen Weg die Kamele der Liebe auch einschlagen,
das ist meine Religion und mein Glaube.

Ibn Arabi (1165–1240)

Eingehen in das Gesetz des Kosmos

Glasfenster von Josef Albers / Foto: (c) wak

Der moderne Maler malt z.B. nicht mehr die duftende taufrische Unmittelbarkeit einer Rose oder Tulpe, sondern sucht die Symbolkraft der Blüte an sich, natürlich mit Hilfe der Rose, der Tulpe, zu zeigen. So ist er bestrebt, indem er die „vor der Nase“ liegende „Natur“ scheinbar übersieht, mit weiter gestecktem Horizont, aber hinter den leiblichen Augen verborgene innere Zusammenhänge des Geschehens zu schauen sucht, durch die Mittel der künstlerischen Form in unmittelbare Berührung mit der Einheit aller Dinge zu kommen, einzugehen in das große Gesetz des Kosmos, sich selber erlösen, durch das Suchen des Göttlichen.

Fritz Neumann-Hegenberg: Kunst der Seele. Aus dem Nachlass, 1921

Der vollständige Beitrag ist hier nachzulesen:

MAGISCHE BLÄTTER BUCH VIII
CII. JAHRGANG WINTER 2021/2022

Januar 2022: Sakralkunst

Mehr auch hier: https://verlagmagischeblaetter.eu/monatsschrift-magische-bl%C3%A4tter

Bestellungen: kontakt@verlagmagischeblaetter.eu

Die Welt braucht die Bilder ihrer Zukunft

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Es gibt Zeiten, in denen es für diejenigen, die nicht durch Form, Glauben oder Ideologie eingeschränkt sind, unbedingt notwendig wird, am Leben mitzuwirken, um neue Bilder, neue Weisen des Daseins zu schaffen. Dann wird der Mystiker so etwas wie eine Hebamme für die Imagination, der Bildern ins Leben verhilft, die heilen und etwas zurückbringen können. Das ist jetzt der Fall. Die Welt braucht die Bilder ihrer Zukunft oder sie stirbt.

Llewellyn Vaughan-Lee (*1953) in: Alchemie des Lichts. Die Arbeit mit den Urenergien des Lebens, The Golden Sufi Center, 2008, S. 81-82

Befreiendes Lachen

Foto: privat

Das befreiende Lachen zu besitzen
und es vermitteln zu können,
ist eine besondere Gabe.
Es ist mir keine religiöse Form
der Menschheit bekannt,
die das Zwerchfell mehr strapaziert
als das Zen.

Fritz Hungerleider (1920 – 1998) in: Das Zen-Seminar. Ein Leitfaden für Übende und Lehrer. Wien/Freiburg/Basel 1976, S.52