Die läuternde Quellkraft der Stille

Foto: © wak

In der Eckhart-Legende „von dem guten Morgen“, die von der Begegnung Meister Eckharts mit dem armen Menschen berichtet, heißt es:
„Du magst wohl heilig sein, (doch) wer hat dich heilig gemacht, Bruder?“
Die Antwort lautet:
„Das tat mein Stillesitzen und meine hohen Gedanken und meine Vereinigung mit Gott.“
Das erste also, das hier genannt wird, ist das Stillesitzen!
Das Mittelalter wußte noch um die nie auszuschöpfende läuternde Quellkraft der Stille, die allein im Stillesitzen aufgeht.

Karlfried Graf Dürckheim (1896 – 1988) in: Der Alltag als Übung

Advertisements

Stille ins menschliche Herz bringen

Foto: © wak

Was wirklich von Bedeutung ist, für jede Methode des Sufitums, ist die fortwährende Erinnerung an einen der Namen Gottes. Das bringt Stille ins menschliche Herz; dies ist der erste Schritt. Der zweite ist die Öffnung einer Pforte im Innern des Herzmuskels; hier, nicht im Gehirn, liegen die verborgenen Fähigkeiten der Seele, und genau auf dieses Zentrum richtet ein Sufi seine Aufmerksamkeit. Und auf der Leiter des Herzschlags reist er über den Ozean des Daseins, um die Perle des wahren Selbst zu finden.

Seyed Mostafa Azmayesh (* 1952)

Die Stille ist der Wegweiser

Foto: © wak

Wir suchen Gott fast immer auf eine intellektuelle Weise. Wir wollen ihn verstehen und wissen, wer er ist und wo er ist. So kann man Gott nicht finden. Gott ist in unseren Herzen. Nur die Stille mit der Ausrichtung nach innen führt dorthin. Die Stille hält die Seele fern von Gedanken und Vorstellungen. In dieser heiligen Stille begegnen wir Christus in uns. Der Friede, der alles Verstehen übersteigt, führt zu Christus in uns. Gottes Gegenwart kann nur aufleuchten, wenn der Verstand still ist. Gott existiert jenseits von Doktrinen. Die Stille ist der Wegweiser. Beständig zum Einen schauen, der immer gegenwärtig ist. Mehr braucht man nicht.

Franz Jalicz (*1927) in: Die Geistliche Begleitung im Evangelium

Stille. Ein Wegweiser – Buchtipp II

Der äußere Umschlag von „Stille“

Erling Kagge

Stille
Ein Wegweiser

Aus dem Norwegischen von Ulrich Sonnenberg

Insel-Verlag, Berlin, 2017, 144 Seiten, 14 €

ISBN: 978-3-458-17724-1 / Auch als eBook erhältlich

Was ist Stille? Wo ist sie? Warum ist sie heute wichtiger denn je? Diese drei Fragen ergeben sich für Erling Kagge in einem Gespräch mit Studenten. Und er hat sich auf die Suche begeben und bietet dreiunddreißig Versuche einer Antwort an.
Vom Staunen ist da die Rede und von der Furcht, sich selbst besser kennenzulernen. Eindrucksvoll beschreibt Kagge die Stille, die er am Südpol erfährt. Wie wenig, so fragt er, sind wir es noch gewohnt, uns selber auszuhalten. Und wie groß die Angst, etwas zu verpassen. Kagge greift zurück auf die großen Denkschulen und Weltreligionen. Und er stellt sie ganz frisch und klar in einen neuen, aktuellen Gegenwartszusammenhang, der berührt. Was zum Beispiel, wenn die Stille nicht Nichts ist?
Nicht am Schreibtisch, sondern im Erfahren dessen, was ihm auf seinen zahlreichen Reisen begegnet, ist Kagge ein teilnehmender Beobachter. Er lädt ein, den eigenen Südpol zu entdecken.

Was ist Stille? Wo ist sie? Warum ist sie heute wichtiger denn je? Um dem näher zu kommen, hat Erling Kagge dem Buch Bilder beigegeben, die in faszinierender Weise den Text ergänzen. Und nimmt man den schlichten, klar typographierten Umschlag ab, ist der Leser mitten drin im Leben. In seinem eigenen Leben. In seiner eigenen Suche nach der Stille.

© Werner A. Krebber

Mehr hier:
http://www.suhrkamp.de/buecher/stille-erling_kagge_17724.html

Reite dein Pferd entlang der Schneide des Schwertes

 

Foto: © wak

Reite dein Pferd entlang der Schneide des Schwertes.
Verbirg dich inmitten der Flammen.
Der Obstbaum wird im Feuer Blüten treiben.
Die Sonne geht am Abend auf.

Aus dem Zen

Von Thomas Merton zitiert in: „Weisheit der Stille – Die Geistigkeit des Zen und ihre Bedeutung für die moderne christliche Welt“

Schweigen: ein Stern, der die Bahn wandelt

Skulptur Martin Bubers in Heppenheim  Foto: © wak

 

Das Schweigen ist unser schützendes Symbolon gegen die Götter und Engel des Getriebes: unsere Hut wider seine Irrgänge, unsere Reinigung wider seine Unreinheit. Wir schweigen das Erlebnis, und es ist ein Stern, der die Bahn wandelt. Wir reden es, und es ist hingeworfen unter die Tritte des Marktes. Wir sind dem Herrn stille, da macht er Wohnung bei uns; wir sagen Herr, Herr, da haben wir ihn verloren. Aber so gerade ist es mit uns: wir müssen reden. Und unsere Rede wölbt einen Himmel  über uns und die Andern einen Himmel: Dichtung, Liebe, Zukunft. Aber eines ist nicht unter diesem Himmel; das Eine, das not tut.

Martin Buber (1878 – 1965) in seinem Text „Ekstase und Bekenntnis“