Achte gut auf diesen Tag denn er ist das Leben…

 

Achte gut auf diesen Tag,
denn er ist das Leben –
das Leben allen Lebens.

In seinem kurzen Ablauf
liegt alle Wirklichkeit
und Wahrheit des Daseins,
die Wonne des Wachsens,
die Herrlichkeit der Kraft.

Denn das Gestern ist nichts als ein Traum
und das Morgen nur eine Vision.

Das Heute jedoch – recht gelebt –
macht jedes Gestern
zu einem Traum voller Glück
und das Morgen
zu einer Vision voller Hoffnung.

Drum achte gut auf diesen Tag.

 

Aus dem Sanskrit / 5. Jahrhundert – Kalidasa zugeschrieben

Ewig sich wandelnder, wachsender Gott

Bild: privat

Russland, das Land, wo die Menschen einsame Menschen sind, jeder mit einer Welt in sich, jeder voll Dunkelheit wie ein Berg, jeder tief in seiner Demut, ohne Furcht, sich zu erniedrigen, und deshalb fromm.

Menschen voll Ferne, Ungewissheit und Hoffnung: Werdende. Und über allem ein nie festgestellter, ewig sich wandelnder, wachsender Gott.

Rainer Maria Rilke 1904 in einem Brief

Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens / Antikriegs-Tag 2019

Text der Wandtafel im Vestibül des Raumes der Stille im Brandenburger Tor, Berlin

 

Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
dass ich Liebe bringe, wo man sich hasst,
dass ich Versöhnung bringe, wo man sich kränkt,
dass ich Einigkeit bringe, wo Zwietracht ist,
dass ich Wahrheit sage, wo Irrtum ist,
dass ich den Glauben bringe, wo Zweifel quält,
dass ich die Hoffnung bringe, wo Verzweiflung droht,
dass ich die Freude bringe, wo Traurigkeit ist,
dass ich das Licht bringe, wo Finsternis waltet.

Herr hilf mir, dass ich nicht danach verlange,
getröstet zu werden, sondern zu trösten.
Dass ich nicht danach verlange,
verstanden zu werden, sondern zu verstehen.

Dass ich nicht danach verlange,
geliebt zu werden, sondern zu lieben.
Denn: Wer gibt, der empfängt,
wer verzeiht, dem wird verziehen,
wer stirbt, der wird zum ewigen Leben geboren.

Irrtümlich Franz von Assisi zugeschrieben. Mehr hier: http://www.franciscan-archive.org/franciscana/peace.html

Der Originaltext hier:

Seigneur, faites de moi un instrument de votre paix.
Là où il y a de la haine, que je mette l’amour.
Là où il y a l’offense, que je mette le pardon.
Là où il y a la discorde, que je mette l’union.
Là où il y a l’erreur, que je mette la vérité.
Là où il y a le doute, que je mette la foi.
Là où il y a le désespoir, que je mette l’espérance.
Là où il y a les ténèbres, que je mette votre lumière.
Là où il y a la tristesse, que je mette la joie.
Ô Maître, que je ne cherche pas tant à être consolé qu’à consoler, à être compris qu’à comprendre, à être aimé qu’à aimer, car c’est en donnant qu’on reçoit, c’est en s’oubliant qu’on trouve, c’est en pardonnant qu’on est pardonné, c’est en mourant qu’on ressuscite à l’éternelle vie.

 

Source: La Clochette, n° 12, déc. 1912, p. 285.

 

Um Seiner ewigen Schönheit willen

Darstellung von Rabia in einer persischen Miniatur / Bildquelle: wikimedia/gemeinfrei

Ich will Wasser in die Hölle gießen
und Feuer ans Paradies legen,
damit diese beiden Schleier verschwinden
nd niemand mehr Gott
aus Furcht vor der Hölle
oder in Hoffnung aufs Paradies anbete,
sondern nur noch
um Seiner ewigen Schönheit willen.

Rābiʿa al-ʿAdawiyya al-Qaisiyya / Rabia Basri / Rabia von Basra (714, 717 oder 718 i –  801)

Wie ein dem Käfig entkommener Vogel

Laß ab von all deinen früheren Einbildungen, Meinungen, Deutungen und weltlichen Erkenntnissen, von Verstandesdünkel, Selbstsucht und Überlegenheitsstreben. Werde wie ein abgestorbener Baum, wie kalte Asche. Wenn du den Punkt erreichst, wo Gefühle aufgehört haben, Anschauungen sich verflüchtigt haben und dein Geist rein und bloß ist, öffnest du dich der Zen-Verwirklichung.

Danach kommt es darauf an, Beständigkeit zu entwickeln, den Geist stets von allen Verfälschungen freizuhalten. Ist da auch nur das geringste Schwanken, so besteht keine Hoffnung, die Welt zu überwinden.

Bleib in jeder Lage entschlossen und fest, dann wirst du Frieden haben. Wenn man dich keiner Stufe zuordnen kann, weder der des Weisen noch der der gewöhnlichen Menschen, dann bist du wie ein dem Käfig entkommener Vogel.

Yuan-wu K`o-ch`in (1063 – 1135)

Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens

 

Foto: © wak

Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
dass ich Liebe bringe, wo man sich hasst,
dass ich Versöhnung bringe, wo man sich kränkt,
dass ich Einigkeit bringe, wo Zwietracht ist,
dass ich Wahrheit sage, wo Irrtum ist,
dass ich den Glauben bringe, wo Zweifel quält,
dass ich die Hoffnung bringe, wo Verzweiflung droht,
dass ich die Freude bringe, wo Traurigkeit ist,
dass ich das Licht bringe, wo Finsternis waltet.

Herr hilf mir, dass ich nicht danach verlange,
getröstet zu werden, sondern zu trösten.
Dass ich nicht danach verlange,
verstanden zu werden, sondern zu verstehen.

Dass ich nicht danach verlange,
geliebt zu werden, sondern zu lieben.
Denn: Wer gibt, der empfängt,
wer verzeiht, dem wird verziehen,
wer stirbt, der wird zum ewigen Leben geboren.

 

Irrtümlich Franz von Assisi zugeschrieben. Mehr hier: http://www.franciscan-archive.org/franciscana/peace.html

Gib acht auf diesen Tag…

Foto: © wak

Gib acht auf diesen Tag!
Denn er ist das Leben.
Das wahre Leben des Lebens.
In seiner kurzen Dauer
Ruht alle Wahrheit
Und alle Wirklichkeit deiner Existenz:
Die Seligkeit des Wachseins,
Der Ruhm der Tat,
Die Herrlichkeit der Leistung.

Denn Gestern ist nur ein Traum
Und Morgen nur eine Vision.
Aber heute gut gelebt
Macht jedes Gestern
Zu einem Traum des Glücks
Und jedes Morgen
Zu einer Vision der Hoffnung.

Darum gib acht auf diesen Tag.
Dies sei dein Gruß an jede neue Sonne.

Kalidasa (5. Jahrhundert)

Diese Version des Textes „Achte gut auf diesen Tag…“ fand ich in Henning von der Osten: Über die Welt und über Gott. Zeitgemäße Antworten auf 11 Grundfragen des Lebens. Bielefeld 1993, S. 164