Eine Minute Stille für den Weltfrieden

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Von der Stille der Meditation geht eine ungeheure Kraft aus. In einer interreligiösen Gruppe, die der UN Vorschläge unterbreiten sollte, regte ich an, dass alle Mitglieder der Gruppe dem Weltfrieden jeden Mittag eine Minute der Stille widmen sollten. Können Sie sich vorstellen, dass die ganze Welt eine Minute lang innehält? Würde die ganze Welt regelmäßig jeden Tag eine Minute lang in Stille verweilen, so hätte dies wahrscheinlich eine positivere Auswirkung auf den Weltfrieden als zehn Jahre intensiver Friedensverhandlungen.

Die Stille der Meditation schafft Raum, eine besondere Art schöpferischer Leere. Diese Leere, die durch die Meditation entsteht, ist kein Mangel und auch kein Fehlen von irgend etwas, sondern ein Zustand der Offenheit, durch den Dinge überhaupt erst möglich werden. Sie gleicht dem leeren Raum in einer Tasse oder an der Nabe eines Rades. Eine volle Tasse kann nichts mehr aufnehmen, doch eine leere Tasse kann man mit verschiedenen Dingen füllen. Und ein Rad ohne Nabe für die Achse kann sich nicht drehen.
Dieser „leere“ Raum ist vollkommen wach und lebendig. Alle Formen und Energien der Welt gehen aus ihm hervor, so wie die Wolken im klaren blauen Himmel erscheinen.

Bernard Glassman (1939 – 2018) in: Anweisungen für den Koch. Lebensentwurf eines Zen-Meisters. 1999, S. 51

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Die sichtbare Präsenz Gottes

 

Simone Weil im Jahr 1921 / Bild: wikimedia, gemeinfrei

Gott ist abwesend in der Welt,
außer durch die Existenz derer,
die seine Liebe leben.

Sie müssen in der Welt sein
mit ihrer Barmherzigkeit.

Ihre Barmherzigkeit
ist die sichtbare Präsenz Gottes.

Lassen wir es an Barmherzigkeit fehlen,
trennen wir grausam eine Kreatur und Gott.

Simone Weil (1909 – 1943)

Stille: Erfahrung sich erfüllenden Lebens

 

Foto: © wak

Es lebt im Menschen ein geheimes Wissen darum, daß die rechte Stille, nach der die Seele sich sehnt, mehr ist als nur das wohltuende Fehlen von Lärm, mehr auch als ein bloßes Gegengewicht an Ruhe gegen Unruhe und Überforderung seines Leibes, auch mehr als die bloße Voraussetzung alles Lebens im Geiste oder als die Bedingung seelischer Gesundheit. Es ist ein Wissen, daß echte Stille grundsätzlich mehr ist als die Voraussetzung oder Bedingung glückhaften Lebens, daß sie vielmehr gleichbedeutend ist mit der Erfahrung sich erfüllenden Lebens selbst! Auch in unserer Zeit ist die Urerfahrung des Menschen noch nicht vollends verschüttet, daß er immer, wo er wahrhaft glücklich ist, still wird, und daß umgekehrt dort, wo er vermag, wahrhaft stille zu werden, das wahre Glück ihm erst aufgeht.

Karlfried Graf Dürckheim (1896 – 1988) in: Japan und die Kultur der Stille. Was die Tradition des Ostens uns geben kann. O. Barth-Verlag, 1950

Teresa de Jesus: Nada te turbe

tvanadaScreenshot aus KARMEL-Impulse

 

Nichts soll dich ängstigen,
nichts dich erschrecken,
alles vergeht,
Gott bleibt derselbe.
Geduld erlangt alles;
wer Gott hat, dem fehlt nichts.
Gott nur genügt.

Teresa von Avila (1515 – 1582)

Diese Übersetzung und die handschriftliche Niederschrift fand ich hier http://www.karmelocd.de/download.html?f=KARMELimpulse%2FHeft_4_2007.pdf