Schweigend überlassen und anvertrauen

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Das Ziel des Schweigens ist es, uns für Gott offener zu machen, so dass in unsere Lebensvollzüge, in unser Denken und Tun Gottes Geist einströmen könnte. Das Schweigen sollte uns durchlässig machen für Gottes Geist, so dass Gott in uns die Führung übernehmen könnte. Nicht wir mit unserer egoistischen Enge bestimmen unser Leben, sondern Gottes Geist selbst, dem wir uns schweigend überlassen und anvertrauen.

Anselm Grün (*1945)

Es hat für Myriaden Formen Raum und Licht…

Es hat für Myriaden Formen Raum und Licht,
Nur überlässt es denen sich wahrhaftig nicht,
Die es sich selbst als Eigengut erstreben
Und sich ihm selber nicht zu eigen geben.

Erst, wenn verzichtet wird auf eig‘nen Schein,
Kehrt das, was wirklich ist, im Menschen ein: –
Nur wer sich selbst zu leerem Raume weitet,
Findet sich ewig lichtem Leben zubereitet.

Bô Yin Râ (1876 – 1943) in: Mancherlei, Basel 1939

 

Aktuell erschienen in den Magischen Blättern, Frühjahr 2020. Mehr zu Bô Yin Râ, den Jacob-Böhme-Bund und die Magischen Blätter hier:  https://verlagmagischeblaetter.eu/

 

In Licht verwandelt

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Die ihrer eigenen Natur überlassene Menschenseele ist wie ein in Potenz leuchtender Kristall in der Dunkelheit. Als Natur ist er vollkommen. Doch fehlt ihm etwas, das er nur von außen, von oben her, empfangen kann. Bestrahlt ihn nun das Licht, so wird er gewissermaßen in Licht verwandelt, seine Natur geht auf im Glanz einer höheren Natur, der des Lichtes, das in ihm ist.

Thomas Merton (1915 – 1968) in „Der Berg der sieben Stufen“