Sehnsucht nach der Einheit von Diesseits und Jenseits

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Der Mystiker aber liebt diese Welt, liebt den Nächsten, tut alles für ihn, aber schon nicht mehr um Lohn, nicht um Dankbarkeitserweise zu erhalten. Er tut umsonst, er weiß nicht einmal, daß er es tut. Es freut ihn, wenn der andere sich freut, daß er für ihn da ist, ohne es zu wissen. Es bedeutet eine Sanftmut, eine Liebe zur Welt, zu den Menschen, und nicht nur zum „Nächsten“, wie man sagt; jeder Mensch ist „der Nächste“, jedes Tier, jede Pflanze. Es ist die Sehnsucht nach anderen Welten, die Sehnsucht nach der großen Einheit von Diesseits und Jenseits, Erde und Himmel, wo alle Generationen in einem da sind, alle deine Wünsche, deine Gedanken, deine Hoffnungen erfüllt sind. Wenn du dich danach sehnst, kann der Weg beginnen.

Friedrich Weinreb (1910 – 1988)

Alles beginnt mit der Sehnsucht

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Alles beginnt mit der Sehnsucht,
immer ist im Herzen Raum für mehr,
für Schöneres, für Größeres –
Das ist des Menschen Größe und Not:
Sehnsucht nach Stille, nach Freundschaft und Liebe.
Und wo Sehnsucht sich erfüllt,
dort bricht sie noch stärker auf –
Fing nicht auch Deine Menschwerdung, Gott,
mit dieser Sehnsucht nach dem Menschen an?
So lass nun unsere Sehnsucht damit anfangen,
Dich zu suchen,
und lass sie damit enden,
Dich gefunden zu haben.

Nelly Sachs (1891 – 1970)

Selbst gute Gärtner werden

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Wer mit dem geistlichen Leben beginnt, ist wie jemand, der einen Garten anlegen will, damit sich der Herr darin ergehen kann. Sein Grundstück ist wild und voller Unkraut. Seine Majestät selbst rodet es und setzt schöne Pflanzen ein. Dann aber müssen wir uns bemühen, mit der Hilfe Gottes selbst gute Gärtner zu werden und die Pflanzen regelmäßig begießen, damit sie nicht vertrocknen, sondern wachsen, blühen und herrlich duften, damit sich unser Herr daran erfreue. So wird er oft in unseren Garten kommen und sich zwischen den Blumen der Tugend ergehen.

Überlegen wir nun, wie wir den Garten bewässern können. Ich meine, da gibt es vier Arten:
Erstens kann man das Wasser in einem Gefäß selbst aus dem Brunnen emporziehen, was eine große Mühe ist.
Zweitens kann man sich eines Schöpfrades bedienen, wie ich es manchmal tat; das ist schon weniger anstrengend, und man hat mehr Wasser.
Drittens kann man es aus einen Fluß oder Bach ableiten; das ist sehr viel wirkungsvoller, denn die Erde wird besser durchtränkt, und man muß nicht zu häufig bewässern, so daß dem Gärtner viel Arbeit abgenommen ist.
Viertens, wir müssen überhaupt nichts mehr tun, weil der Herr es kräftig regnen läßt; und das ist unvergleichlich viel besser als alles Vorhergenannte.

Teresa von Avila (1515 – 1582)

Zu sprechen beginnen

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Große Kunstwerke warten,
sie sind voller Stille,
aber man muss viel Zeit mitbringen,
bis sie zu sprechen beginnen.

Simone Weil (1909 – 1943)

 

Mehr zu Simone Weil und Doing Nothing hier: https://mystikaktuell.wordpress.com/2019/08/07/simone-weil-mystikerin-philosophin-rebellin-doing-nothing-am-8-september-2019-herzliche-einladung/

Erkennen dass es Dein Weg ist

Wenn Du durch das Tor des Lebens gelangen willst,
musst Du aufbrechen, einen Weg suchen.
Du wirst straucheln und fallen,
aber die Kraft haben wieder aufzustehen.
Irgendwann wirst Du beginnen, diesen Weg zu lieben,
weil Du erkennst, dass es Dein Weg ist.
Alles kommt darauf an, den ersten Schritt zu wagen.
Denn mit dem ersten Schritt gehst Du durch das Tor.

Aus dem Zen

Eine leidenschaftliche Liebesaffäre

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Gott will sich selber durch den Menschen erkennen. Er hat den Menschen geschaffen, ist Menschheit geworden, um mit ihr (das heißt auch, mit sich selbst) eine leidenschaftliche Liebesaffäre zu beginnen. Er will werben und umworben werden, durchdringen und durchdrungen werden, getrennt sein und eins werden, Streit und Versöhnung will Er, erkennen und erkannt werden, lieben und geliebt werden. Er will sich hingeben, sich ganz in Liebe verströmen und mit derselben Leidenschaft begehrt werden, wie Er den Menschen begehrt.

Katja Wolff, Der kabbalistische Baum, München 1989

Unser wahres Zuhause in unserem Leben finden

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Nach und nach
verwandelt sich
das Gefühl von Trostlosigkeit
in ein Gefühl wahrer Zugehörigkeit.

Dies ist eine langsame
und nie eigentlich abgeschlossene Entwicklung,
aber sie meist absolut unerlässlich,
wenn wir zum Rhythmus
unserer eigenen Individualität finden wollen.

In diesem Sinne ist sie die niemals vollendete Aufgabe,
unser wahres Zuhause in unserem Leben zu finden.
Dies ist kein narzistisches Ziel, denn
sobald wir uns im Haus unseres Herzens
niedergelassen haben,
beginnen sich immer mehr Türen und Fenster
in die Welt zu öffnen.

John O’Donohue (1956 -2008) in: Echo der Seele. Von der Sehnsucht nach Geborgenheit, München 1999, S. 129

Hingerissen zu Gott

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Der Anfang des Gebetes
besteht darin,
beginnende Gedanken
mit einem Wort abzuschneiden.

Die Mitte
liegt in der Aufmerksamkeit
des Bewusstseins
auf die gesprochenen Worte.

Das Ende jedoch
ist das Hingerissensein
zu Gott.

Johannes Climacus (* vor 579 – um 649)

Buchtipp VII – Zukunft: Mystik! (Roland R. Ropers)

 

Roland R. Ropers

Zukunft: Mystik!
Wegweiser zur religiösen Urquelle

Mit Beiträgen von Helga Simon-Wagenbach, Christiane May-Ropers, Christina Kessler und Dorothea J. May

Topos Premium / 224 Seiten, 20 €
ISBN: 978-3-8367-0046-7
Kevelaer 2018

„Das tiefste und erhabenste Gefühl, dessen wir fähig sind, ist das Erlebnis des Mystischen. Aus ihm allein keimt wahre Wissenschaft. Wem dieses Gefühl fremd ist, wer sich nicht mehr wundern und in Ehrfurcht verlieren kann, der ist seelisch bereits tot.“ (Albert Einstein)

Mit diesem und anderen Zitaten und eindrücklichen ausführlichen Hinweisen haben die Autorinnen und Autoren einen „Wegweiser zur religiösen Urquelle“ vorgelegt. Die fünf Autorinnen und der Autor beschreiben aus langjäriger Erfahrung konkrete Wege und Übungen, um in das innere Universum zu gelangen, die Urheimat jedes Menschen.

Rückkehr zum inneren Universum
Roland R. Ropers

Zukunft beginnt jetzt – Mystik ist der Weg
Helga Simon-Wagenbach

Der Klang unseres Körpers
Christiane May-Ropers

Mystik in den Alltag bringen
Entmystifizierte Mystik
Christina Kessler

In einem Meer von Liebe
Dorothea J. May

In seinem Buchhinweis schreibt der Verlag: „Ein faszinierender spiritueller Kompass für den täglichen Lebensweg.“ Ja, ich denke, das stimmt.

 

Die Autoren:
Roland R. Ropers, geb. 1945, Religionsphilosoph, Buchautor, spiritueller Sprachforscher und Weisheitslehrer (www.Watchful-Wisdom-Walking.de)

Helga Simon-Wagenbach, geb. 1936, erfahrene Yoga- und Zen-Lehrerin, Buchautorin, intensive Seminare für integrale Spiritualität (www.Helga-Simon-Wagenbach.de)

Christiane May-Ropers, geb. 1952, Dr. med., Fachärztin für physikalische und rehabilitative Medizin und Naturheilverfahren in leitenden Funktionen, Buchautorin, langjährige spirituelle Praxis und Erfahrung, weltweite Kurstätigkeit (www.May-Ropers.de)

Christina Kessler, geb. 1955, Dr. phil., weltweit aktive Kulturanthropologin und Humanismusforscherin, Buchautorin, erfahrene Weisheitslehrerin, intensive Seminartätigkeit (www.Christinakessler.com)

Dorothea J. May, geb. 1955, ehem. Schauspielerin, langjährige spirituelle Praxis bei bedeutenden Meistern, Buchautorin, systemische Coaching- und Sensitivitäts-Seminare (www.maybalance.eu)

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