Die Bergpredigt Buddhas erfolgt wortlos

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Die „Bergpredigt Buddhas,“ die Blumenpredigt, verläuft wortlos: Schweigend hält Buddha eine weiße Blume hoch. Nur einer seiner Jünger versteht den Meister: Mahakasyapa lächelt schweigend. In diesem Augenblick, heißt es, wird er zum Nachfolger Buddhas. Die Tradition, die eben im Schweigen besteht, wird ihm übertragen.

David Steindl-Rast (*1926) in: Meine wichtigste Erfahrung in der Begegnung mit anderen Religionen.

Der vollständige Text findet sich hier: https://www.bibliothek-david-steindl-rast.ch/bibliothek/texte/texte-von-bruder-david/1831-meine-wichtigste-erfahrung-in-der-begegnung-mit-anderen-religionen

Schweigen und Arbeiten

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Was erforderlich ist (wenn überhaupt etwas), ist nicht Schreiben oder Reden – daran besteht für gewöhnlich gar kein Mangel –, sondern Schweigen und Arbeiten; denn Reden stört, Schweigen und Arbeiten dagegen sammeln die Gedanken und festigen den Geist. Sobald dann ein Mensch das begriffen hat, was ihm zu seinem Nutzen gesagt worden ist, besteht für ihn keine Notwendigkeit mehr, etwas zu hören oder zu erörtern. Er muß sich vielmehr eifrig daran machen, das in Demut, Barmherzigkeit und Selbstverachtung in die Praxis umzusetzen, was er schweigend und aufmerksam gelernt hat.

Johannes vom Kreuz / Juan de la Cruz (1542  1591)

Schweigend überlassen und anvertrauen

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Das Ziel des Schweigens ist es, uns für Gott offener zu machen, so dass in unsere Lebensvollzüge, in unser Denken und Tun Gottes Geist einströmen könnte. Das Schweigen sollte uns durchlässig machen für Gottes Geist, so dass Gott in uns die Führung übernehmen könnte. Nicht wir mit unserer egoistischen Enge bestimmen unser Leben, sondern Gottes Geist selbst, dem wir uns schweigend überlassen und anvertrauen.

Anselm Grün (*1945)

Im Angesicht des Schweigens begreifen

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Schweigen spricht immer. Es ist ein ewiger Fluss von Mitteilung, der durch das Sprechen unterbrochen wird. Die Worte, die ich jetzt ausspreche, überdecken diese schweigende Sprache. Da fließt zum Beispiel Strom durch einen Draht; trifft er auf einen Widerstand, glüht er auf in einer Glühbirne oder bewegt er sich in einem Ventilator. Im Draht aber bleibt er bloße elektrische Energie. Genauso ist Schweigen der ewige Fluss der Sprache, der durch Worte unterbrochen wird. Was man durch jahrelanges Gerede nicht erfasst, kann im Schweigen oder im Angesicht des Schweigens sofort begriffen werden.

Ramana Maharshi  (1879 – 1950)

Mehr zu Ramana Maharshi am 7. Juli hier: https://mystikaktuell.wordpress.com/2019/06/07/ramana-maharshi-und-doing-nothing-mystikkreis-am-7-juli-2019/

Leere Rollen und spirituelle Wahrheit

Llewellyn Vaughan-Lee (* 1953) in: Der Liebesbund. Psychologische und spirituelle Aspekte des mystischen Wegs. Interlaken 1993, S. 25

 

Werde eins mit dem Einen

Solange der Mensch mit den Bildern, die unter uns sind, beschäftigt ist und damit umgeht, wird er, so glaube ich, niemals in diesen Grund gelangen. Es gilt uns als Aberglaube, anzunehmen, dass dieser Grund in uns sei; wir können nicht glauben, dass dergleichen sei und in uns sei. Daher, willst du erfahren, dass er besteht, so lass alle Mannigfaltigkeit fahren, und betrachte nur diesen einen Gegenstand mit den Augen deines Verstandes; willst du aber höher steigen, so lass das vernünftige Hinsehen und Ansehen, denn die Vernunft liegt unter dir, und werde eins mit dem Einen. Und er nennt das Eine eine göttliche Finsternis, still, schweigend, schlafend, übersinnlich.

Proklos (412 – 485)

Vaterunser des Yogananda

O Himmlischer Vater, Mutter, Freund, geliebter Gott!
Mögen wir nicht aufhören, schweigend Deinen heiligen Namen zu wiederholen,
bis wir Dir immer ähnlicher werden.
Erfülle uns mit göttlicher Begeisterung, damit wir nicht mehr die Materie, sondern nur noch Dich anbeten.
Läutere unsere Herzen, damit sich Dein Vollkommenes Reich durch uns auf Erden offenbare und alle Völker von Ihrem Elend erlöst werden.
Mögen unsere befreiten Seelen auch nach außen hin Gutes wirken.
Stärke unseren Willen, damit wir unsere weltlichen Wünsche überwinden und stets im Einklang mit Deinem fehlerlosen Willen handeln.
Gib uns unser täglich Brot: Nahrung, Gesundheit und Wohlergehen für den Körper, Leistungsfähigkeit für den Geist und vor allem Deine Liebe und Deine Weisheit für unsere Seele.
Nach Deinem Gesetz „wird man uns mit dem Maß, mit dem wir messen, wieder messen.“
Mögen wir allen, die uns kränken, vergeben und nie vergessen, dass wir selbst von Deiner Gnade abhängig sind.
Laß uns nicht durch den Mißbrauch unserer gottgegebenen Vernunft in die Grube des Irrtums fallen. Wenn es aber Dein Wille ist, O Geist, uns zu prüfen, so mache Dich selbst verlockender als alle Versuchungen.
Hilf uns, die schattenhaften Fesseln des einzigen Übels abzuwerfen: in Unkenntnis Deiner selbst zu leben.
Denn Dein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkei in Ewigkeit.
Amen

Paramanahansa Yogananda (1893 – 1952)