Vom Nutzen des Lassens

Foto: © wak

 

Du musst wissen, dass sich noch nie ein Mensch in diesem Leben so weitgehend gelassen hat, dass er nicht gefunden hätte, er müsse sich noch mehr lassen. Der Menschen gibt es wenige, die das recht beachten und darin beständig sind. Es ist ein gleichwertiger Austausch und ein gerechter Handel: So weit du ausgehst aus allen Dingen, so weit, nicht weniger und nicht mehr, geht Gott ein mit all dem Seinen, dafern du in allen Dingen dich des Deinen völlig entäußerst. Damit heb an, und lass dich dies alles kosten, was du aufzubringen vermagst. Da findest du wahren Frieden und nirgends sonst.

Die Leute brauchten nicht soviel nachzudenken, was sie tun sollten; sie sollten vielmehr bedenken, was sie wären. Wären nun aber die Leute gut und ihre Weise, so könnten ihre Werke hell leuchten.

Bist du gerecht, so sind auch deine Werke gerecht. Nicht gedenke man Heiligkeit zu gründen auf ein Tun; man soll Heiligkeit vielmehr gründen auf ein Sein, denn die Werke heiligen nicht uns, sondern wir sollen die Werke heiligen. Wie heilig die Werke immer sein mögen, so heiligen sie uns ganz und gar nicht, soweit sie Werke sind, sondern: soweit wir heilig sind und Sein besitzen, soweit heiligen wir alle unsere Werke, es sei Essen, Schlafen, Wachen oder was immer es sei. Die nicht großen Seins sind, welche Werke die auch wirken, da wird nichts daraus. Erkenne hieraus, dass man allen Fleiß darauf verwenden soll, gut zu sein, – nicht aber so sehr darauf, was man tue oder welcher Art die Werke seien, sondern wie der Grund der Werke sei.

Meister Eckhart (1260 – 328) in den „Reden der Unterweisung“

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Zeitloses Welt-Wissen

Mehr zu Tao, Wu Wei und Laotse hier: https://mystikaktuell.wordpress.com/2019/03/16/wu-wei-nicht-handeln-und-den-geschehnissen-ihren-lauf-lassen-5-mai-im-mystikkreis-koeln/

Die sichtbare Präsenz Gottes

 

Simone Weil im Jahr 1921 / Bild: wikimedia, gemeinfrei

Gott ist abwesend in der Welt,
außer durch die Existenz derer,
die seine Liebe leben.

Sie müssen in der Welt sein
mit ihrer Barmherzigkeit.

Ihre Barmherzigkeit
ist die sichtbare Präsenz Gottes.

Lassen wir es an Barmherzigkeit fehlen,
trennen wir grausam eine Kreatur und Gott.

Simone Weil (1909 – 1943)

Er hat mich gesucht

Am Anfang täuschte ich mich in vierfacher Hinsicht.
Ich trachtete ganz und gar danach, Gott zu gedenken, Ihn zu erkennen, Ihn zu lieben, Ihn zu finden.
Als ich da angelangt war, sah ich, dass Er sich meiner erinnert hatte, bevor ich Ihn erinnert habe, dass Seine Kenntnis von mir meiner Kenntnis von Ihm vorausgegangen war, dass Seine Liebe zu mir vor meiner Liebe zu Ihm bestanden hatte, und Er mich gesucht hatte, bevor ich ihn gesucht habe.

Bâyezîd Bistâmî (9. Jh.u.Z.)

Helfen, wenn du kannst

Jeder denkt, seine Methode sei die beste. Gut, aber vielleicht ist sie nur gut für dich. Nahrung, die für einen unverdaulich ist, kann einem anderen gut bekommen. Weil sie gut für dich ist, darfst du daraus nicht schließen, dass deine Methode jedermanns Methode ist und dass Peters Mantel auch Hans und Marie paßt. Alle ungebildeten, kulturlosen, gedankenlosen Männer und Frauen wurden in solch einen engen Mantel gesteckt. … Welches Recht hast du zu sagen, dass die Methode eines Menschen falsch sei? Sie mag falsch sein für dich. Diese Methode mag dich erniedrigen, aber den anderen nicht. Deshalb sagt Krishna: Wenn du Erkenntnis besitzt und einen schwachen Menschen siehst, verdamme ihn nicht. Begib dich auf seine Ebene und hilf ihm, wenn du kannst. Er muss wachsen.
Wir beginnen eine Religion, stellen eine Reihe von Dogmen auf, begehen Verrat am Ziel der Menschheit und tun, als wären wir alle gleich. Nicht zwei Menschen denken gleich oder haben den gleichen Körper… Nicht zwei Menschen haben die gleiche Religion …

Swami Vivekananda (1863 – 1902)

Wahren Frieden finden

Du musst wissen, dass sich noch nie ein Mensch in diesem Leben so weitgehend gelassen hat, dass er nicht gefunden hätte, er müsse sich noch mehr lassen. Der Menschen gibt es wenige, die das recht beachten und darin beständig sind. Es ist ein gleichwertiger Austausch und ein gerechter Handel: So weit du ausgehst aus allen Dingen, so weit, nicht weniger und nicht mehr, geht Gott ein mit all dem Seinen, dafern du in allen Dingen dich des Deinen völlig entäußerst. Damit heb an, und lass dich dies alles kosten, was du aufzubringen vermagst. Da findest du wahren Frieden und nirgends sonst.

Meister Eckhart (1260 – 1328)

Licht der Unendlichkeit

Wisse, bevor die Emanationen emanierten
und die Geschöpfe erschaffen wurden
gab es nur das einfache höhere Licht, welches die ganze Wirklichkeit ausfüllte.
Und es gab keinen leeren Raum und keine leere oder unausgefüllte Atmosphäre.
Sondern es war alles voller jenes unendlichen einfachen Lichtes.
Und dieses hatte weder Anfang noch Ende,
sondern es war alles einziges, einfaches, vollkommen gleichmäßiges Licht, und
dieses hieß: Licht der Unendlichkeit.

Und als in Seinem einfachen Willen der Wunsch erwachte, die Welten zu
erschaffen und die Emanationen zu emanieren,
und dabei die Perfektion
Seiner Taten, Seiner Namen, Seiner Bezeichnungen erleuchten zu lassen,
wurde das zum Grund der Erschaffung der Welten.

Und siehe, sodann schränkte sich die Unendlichkeit in ihrem zentralen Punkt ein,
exakt im Zentrum
und jenes Licht kontrahierte
und entfernte sich weit an die Ränder dieses Punktes.

Und sodann blieb leerer Raum, ein Vakuum,
von diesem mittleren Punkt.
Und siehe, diese Kontraktion war vollkommen gleichmäßig
um diesen leeren mittleren Punkt herum.
So, dass jener leerer Raum
von allen Seiten in vollkommener Gleichmäßigkeit kreisförmig wurde.

Und siehe, nach der Einschränkung
nach welcher leerer Raum und Vakuum entstand,
im exakten Zentrum des unendlichen Lichtes,
war nun Raum da,
in dem Geschöpfe, und Emanationen und Kreaturen existieren konnten.

Sodann zog sich aus dem Unendlichen Licht ein einziger Lichtstrahl
und stieg herab ins Innere jenes Raumes
und entlang dieses Strahls erschuf, formte und machte und kreierte Er alle
Welten.

Bevor diese Welten ins Leben gerufen wurden,
gab es nur Unendlichkeit, und ihr Name war Eins,
in einer so herrlichen und verborgenen Einheit,
dass sogar den Engeln, die Ihm am nächsten standen,
die Kraft zur Erkenntnis der Unendlichkeit fehlte,
und es gibt keinen Verstand, der Ihn erfassen könnte,
denn Er hat keinen Ort, keine Grenzen, keinen Namen.

Aus dem Buch „Ez Chaim“, „Baum des Lebens“, von Ari (Rabbi Isaak Luria, 1534-1572)

http://de.kab.info/germankab/weitere-artikel/21-artikel-deutsch/729-an-der-lichtgrenze