Sehnsucht nach der Einheit von Diesseits und Jenseits

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Der Mystiker aber liebt diese Welt, liebt den Nächsten, tut alles für ihn, aber schon nicht mehr um Lohn, nicht um Dankbarkeitserweise zu erhalten. Er tut umsonst, er weiß nicht einmal, daß er es tut. Es freut ihn, wenn der andere sich freut, daß er für ihn da ist, ohne es zu wissen. Es bedeutet eine Sanftmut, eine Liebe zur Welt, zu den Menschen, und nicht nur zum „Nächsten“, wie man sagt; jeder Mensch ist „der Nächste“, jedes Tier, jede Pflanze. Es ist die Sehnsucht nach anderen Welten, die Sehnsucht nach der großen Einheit von Diesseits und Jenseits, Erde und Himmel, wo alle Generationen in einem da sind, alle deine Wünsche, deine Gedanken, deine Hoffnungen erfüllt sind. Wenn du dich danach sehnst, kann der Weg beginnen.

Friedrich Weinreb (1910 – 1988)

Mystik ist Geheimnis und kann nur als Erlebnis im Geheimnis erfahren werden

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Mystik ist Geheimnis und kann nur als Erlebnis im Geheimnis erfahren werden. Eine Schule der Mystik, wo man Unterricht bekommt, ist ein Widerspruch in sich selbst. Jeder Weise sagt zu seinem Schüler: Wenn du dich sehnst und das Wort hörst, wirst du sehen, dass alles, wovon du glaubst, dass es sich erfüllen wird, nur die eine Seite ist. Die andere, wirklich großartige Seite wirst du erst noch erfahren.

Friedrich Weinreb (1910 – 1988) in: Wort, Sprache und Sprechen. Verlag der Friedrich Weinreb Stiftung 2008, S. 298 ff.

Mystisches Wissen

Die Welt des für unsere sinnliche Wahrnehmung Nicht-Existierenden wird im mystischen Wissen als sehr bevölkert und als sehr lebhaft erfahren. Sie ist bestimmt nicht etwas Abstraktes, etwas Hypothetisches, sie ist weder dunkel noch unbekannt. Im Gegenteil, das mystische Wissen rechnet mit dieser Welt des für unsere sinnliche Wahrnehmung Unmöglichen ; es sind sogar die wichtigsten Daten, welche von dort zu uns kommen.

 Friedrich Weinreb (1910 – 1988)