Achte gut auf diesen Tag denn er ist das Leben…

 

Achte gut auf diesen Tag,
denn er ist das Leben –
das Leben allen Lebens.

In seinem kurzen Ablauf
liegt alle Wirklichkeit
und Wahrheit des Daseins,
die Wonne des Wachsens,
die Herrlichkeit der Kraft.

Denn das Gestern ist nichts als ein Traum
und das Morgen nur eine Vision.

Das Heute jedoch – recht gelebt –
macht jedes Gestern
zu einem Traum voller Glück
und das Morgen
zu einer Vision voller Hoffnung.

Drum achte gut auf diesen Tag.

 

Aus dem Sanskrit / 5. Jahrhundert – Kalidasa zugeschrieben

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Zeitloses Welt-Wissen

Mehr zu Tao, Wu Wei und Laotse hier: https://mystikaktuell.wordpress.com/2019/03/16/wu-wei-nicht-handeln-und-den-geschehnissen-ihren-lauf-lassen-5-mai-im-mystikkreis-koeln/

Warum nicht heute Morgen aufwachen?

 

Foto: © wak

Mein Innerstes,
höre mir zu,
der größte Geist,
der Lehrer ist nah,
wache auf, wache auf!

Renne zu seinen Füßen –
er steht gerade jetzt
ganz nah bei dir.

Millionen von Millionen
von Jahren hast du geschlafen.
Warum nicht
heute Morgen aufwachen?

Kabir (1440-1518)

 

Gefunden habe ich das Zitat in dem Buch von Vincento Kavod Altepost: Grundlegende Gutheit – Innere Freude – Ein beschenktes Leben:

https://mystikaktuell.wordpress.com/2018/01/24/grundlegende-gutheit-innere-freude-buchtipp-v/

Buchtipp VIII – Weisheiten der Wüstenväter (Freddy Derwahl)

Freddy Derwahl

Weisheiten der Wüstenväter

Butzon & Bercker / 203 Seiten, 15 €
ISBN: 978-3-7666-2486-4
Kevelaer 2018

„Die ‚Wüsten‘ der Wüstenväter überschreiben immer wieder ihre geographischen Grenzen. Auch handelt es sich bei den über Jahrhunderte hinweg überlieferten Sprüchen keineswegs um exotische Weisheiten greiser und spleeniger Gottesnarren. In der ‚Wüste‘ der Glaubensferne, in der Leere flüchtiger Genüsse und in der Öde unserer anonymen Großstädte gewinnen sie neue Aktualität“, schreibt der belgische Journalist Freddy Derwahl in der Einleitung zu den „Weisheiten der Wüstenväter“. Neu verortet werden ihre Sprüche von Managern, Seelsorgern, Psychologen, Therapeuten. Gehen die Gedanken doch gezielt auf Fragen und Sehnsüchte ein, die Menschen heute beschäftigen.

Mehr zur Meditation und zum Gebet will er dann auch mit der Sammlung anregen. Kurz und knapp sind die Gedanken, die durch den Tag begleiten können. Schon ein Blick auf die Überschriften belegt, dass Derwahl die Menschen dort abholen will, wo sie heute sind: Fliehen, Etwas Leiden, Ein guter Arbeiter, Wer bin ich eigentlich? Vollendete Liebe undsofort. Dazwischen gestreut sind Gedanken von Dichtern, Theologen, Schriftstellern, Mystikern.

Am Ende hat Derwahl eine Bibliographie hinzugefügt, die dem Anregungen gibt, der sich ausführlicher mit Geschichte und Bedeutung der Texte von Wüstenvätern und -müttern befassen möchte.

Darüber hinaus ist das Buch sehr ansprechend gestaltet, dass man es auch beruhigt und gern verschenken kann.

© Werner A. Krebber

 

Gib acht auf diesen Tag…

Foto: © wak

Gib acht auf diesen Tag!
Denn er ist das Leben.
Das wahre Leben des Lebens.
In seiner kurzen Dauer
Ruht alle Wahrheit
Und alle Wirklichkeit deiner Existenz:
Die Seligkeit des Wachseins,
Der Ruhm der Tat,
Die Herrlichkeit der Leistung.

Denn Gestern ist nur ein Traum
Und Morgen nur eine Vision.
Aber heute gut gelebt
Macht jedes Gestern
Zu einem Traum des Glücks
Und jedes Morgen
Zu einer Vision der Hoffnung.

Darum gib acht auf diesen Tag.
Dies sei dein Gruß an jede neue Sonne.

Kalidasa (5. Jahrhundert)

Diese Version des Textes „Achte gut auf diesen Tag…“ fand ich in Henning von der Osten: Über die Welt und über Gott. Zeitgemäße Antworten auf 11 Grundfragen des Lebens. Bielefeld 1993, S. 164

Erkenne den Meister in dir

Foto: © wak

 

Nimm dich selbst in Liebe an
und sei wachsam –
heute, morgen, immer.

Finde zuerst den Weg,
dann belehre andere
und besiege so das Leid.

Bevor du andre geradebiegst,
musst du zuerst etwas viel Schwierigeres vollbringen –
dich selbst geradebiegen.

Du bist dein eigener Herr.
Wer sonst?
Bezwinge dich selbst,
und erkenne den Meister in dir.

Jack Kornfield (*1945)  in: „Die Lehren Buddhas“ nach dem Dhammapada

Franz von Assisi für Männer – Buchtipp IV

Markus Hofer

 Franziskus für Männer

 Was uns der Mann aus Assisi zu sagen hat

Geleitwort: Richard Rohr OFM

topos premium / Topos Taschenbuch 861, 128 Seiten, 9,95 € | ISBN  978-3-8367-0861-6

Kevelaer 2013

Hat Franziskus, der Mann aus Assisi, Männern noch etwas zu sagen? Ja, meint Richard Rohr in seinem Geleitwort zu dem Buch „Franziskus für Männer“ von Markus Hofer. „Was immer Erleuchtung ist – es scheint, dass wir es nicht für uns selbst tun können. Vielmehr wird es uns immer gegeben, geschieht es mit uns. Es ist ein Drahtseilakt, der großen Wagemut und Vertrauen voraussetzt. Es ist weniger ein Akt der Perfektion, als vielmehr ein Akt des Loslassen. Es ist weniger eine Frage von Leistung und Verdienst, als vielmehr eine Frage von vertrauensvoller Liebe. Es ist weniger der ständige Kampf zwischen Gut und Böse, sondern vielmehr das Zulassen einer unendlichen Barmherzigkeit für uns selbst und andere“ schreibt Rohr. „Im gezielten Blick auf Franziskus als Mann … gingen mir Dinge auf, für die ich eine Form finden musste. Tiefendimensionen des Mannseins taten sich auf oder besser, sie flossen zusammen im Blick auf diesen Heiligen, dessen Grandiosiät mir immer greifbarer gegenüberstand“, lässt Hofer selbst im Vorwort an seinem Erkenntnisprozess in der Beschäftigung mit Franz von Assisi teilhaben.

Biographische Szenen sind es, die Markus Hofer in seinem Buch in historischer Reihenfolge darstellt. Seine Rolle als Sohn eines reichen Vaters, der Auftrag an ihn, den er im Kirchlein von San Damiano bekommt, die Anfänge des Ordens und die Widerstände, gegen die er anzukämpfen hat. Vieles von seiner Biographie ist ja bekannt. Doch Hofer belässt es nicht dabei, Historie zu wiederholen. Er fügt den Szenerie Reflexionen bei, die er Franziskus in den Mund legt. Auf diese Weise schafft Hofer es, Franziskus im Jetzt zu verorten und den Lebenssituationen heutiger Menschen näher zu kommen. Dem Leser wird auf diese Weise deutlich, dass Franziskus, der Mann aus Assisi, Männern heute etwas zu sagen hat.

Werner A. Krebber