Einsicht in die Welt

Foto: © wak

 

Meditation ist keine Flucht aus der Welt. Es ist kein isolierendes, sich abkapselndes Tun, sondern vielmehr die Einsicht in die Welt und wie es auf ihr zugeht. Die Welt hat wenig zu bieten, abgesehen von Nahrung, Kleidung, Obdach und Vergnügen mit seinem grossen Kummer.

Meditation heisst wegwandern von dieser Welt; man muss ein totaler Aussenseiter sein. Dann hat die Welt eine Bedeutung, und die Schönheit von Himmel und Erde ist dauerhaft. Dann ist Liebe nicht Vergnügen. Von dort geht jedes Handeln aus, das nicht Ergebnis von Spannung, Widerspruch, Streben nach Selbstverwirklichung oder Machtdünkel ist

Jiddu Krishnamurti (1895-1986) in „Meditationen“. Zürich 1989

Vom Nutzen des Lassens

Foto: © wak

 

Du musst wissen, dass sich noch nie ein Mensch in diesem Leben so weitgehend gelassen hat, dass er nicht gefunden hätte, er müsse sich noch mehr lassen. Der Menschen gibt es wenige, die das recht beachten und darin beständig sind. Es ist ein gleichwertiger Austausch und ein gerechter Handel: So weit du ausgehst aus allen Dingen, so weit, nicht weniger und nicht mehr, geht Gott ein mit all dem Seinen, dafern du in allen Dingen dich des Deinen völlig entäußerst. Damit heb an, und lass dich dies alles kosten, was du aufzubringen vermagst. Da findest du wahren Frieden und nirgends sonst.

Die Leute brauchten nicht soviel nachzudenken, was sie tun sollten; sie sollten vielmehr bedenken, was sie wären. Wären nun aber die Leute gut und ihre Weise, so könnten ihre Werke hell leuchten.

Bist du gerecht, so sind auch deine Werke gerecht. Nicht gedenke man Heiligkeit zu gründen auf ein Tun; man soll Heiligkeit vielmehr gründen auf ein Sein, denn die Werke heiligen nicht uns, sondern wir sollen die Werke heiligen. Wie heilig die Werke immer sein mögen, so heiligen sie uns ganz und gar nicht, soweit sie Werke sind, sondern: soweit wir heilig sind und Sein besitzen, soweit heiligen wir alle unsere Werke, es sei Essen, Schlafen, Wachen oder was immer es sei. Die nicht großen Seins sind, welche Werke die auch wirken, da wird nichts daraus. Erkenne hieraus, dass man allen Fleiß darauf verwenden soll, gut zu sein, – nicht aber so sehr darauf, was man tue oder welcher Art die Werke seien, sondern wie der Grund der Werke sei.

Meister Eckhart (1260 – 328) in den „Reden der Unterweisung“

Es bleibt immer ein wenig Duft in Händen die Rosen schenken

Foto: © wak

Es bleibt immer ein wenig Duft
in Händen, die Rosen schenken,
in Händen, die sich großzügig zeigen.

Ein bisschen geben von dem, was man hat,
dem, der noch weniger besitzt,
bereichert den Geber,
macht seine Seele noch schöner.

Freude dem Nächsten zu geben,
ist ein so einfaches Ding,
das in Gottes Augen jedoch
die schönste aller Künste ist.

Dom Helder Camara (1909 – 1999)

Die Wahre Natur ist immer Eins

Die Menschen schauen nicht auf ihre Wahre Natur, die immer Eins ist, und deswegen glauben sie, besser zu sein als ihre Mitmenschen, und sind daher ständig eifersüchtig auf alle anderen. Die Menschen lesen wenig Wertvolles, zerstreuen sich, meditieren weder regelmäßig, noch gehen sie die Neun Stufen des Weges. Daher können sie auch nicht das Wesentliche vom Unwesentlichen unterscheiden.

Padmasambhava (8./9. Jahrhundert u.Z.)

Alle Lehren haben auch etwas Gutes…

Foto: © wak

Kümmert euch nicht um Lehren, Dogmen, Sekten, Kirchen oder Tempel; sie zählen wenig, wenn wir sie mit der Essenz der Existenz in jedem Menschen – der Spiritualität – vergleichen; und je mehr diese im Menschen entwickelt ist, desto stärker wird er. Eignet euch dies an und kritisiert niemanden, denn alle Lehren und Glaubensüberzeugungen haben auch etwas Gutes…

Ramakrishna Paramahamsa (1836 – 1886)