Im Heiligtum in der Tiefe deines Herzens

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Brich auf! Du bist für den Weg geboren.
Brich auf! Du hast ein Treffen einzuhalten.
Wo? Mit wem? Vielleicht mit dir selbst.
Brich auf! Deine Schritte werden deine Worte sein,
der Weg dein Lied, die Müdigkeit deine Gebete.
Und am Ende wird deine Stille zu dir sprechen.
Brich auf! Alleine oder mit anderen.
Aber komm heraus aus dir selbst!
Du wirst Begleiter finden, Schwestern und Brüder.
Brich auf! Dein Kopf weiß nicht, wohin deine Füße dein Herz führen.
Brich auf! Jemand ist unterwegs, dich zu treffen,
sucht dich im Heiligtum am Ende des Weges,
im Heiligtum in der Tiefe deines Herzens.
Er ist dein Friede. Er ist deine Freude.
Geh! Gott ist schon mit dir unterwegs.

Anonym / Santuari de Santa Maria de Lluc auf Mallorca

Von Splittern und Balken

Foto: © wak

Den Splitter, der im Auge deines Bruders ist, den siehst du; aber den Balken, der in deinem Auge ist, den siehst du nicht. Wenn du den Balken aus deinem Auge gezogen hast, dann wirst du klarer sehen; um den Splitter aus dem Auge deines Bruders zu ziehen.

Aus dem Thomas-Evangelium

Der Meister von Galiläa

Bô Yin Râ, Studie zu Jesusbild

Jesu Bildnis hat uns Bô Yin Râ als Künstler aufbewahrt zu heilsamer Kräftigung und feuriger Anspornung, auch als einen gleichsam illustrativen Beleg dessen, was er in seinen Schriften über den Meister von Galiläa an Wesentlichem und übrigens sehr Überraschendem und Ungewohntem zu sagen fand. Zugleich schuf er, der Bruder, dem Bruder im Geiste ein überdauerndes Denkmal, inniger und zäher denn Erz. Dieses Antlitz ist weder hässlich noch schön, sondern anders und darüber und ein Schimmer aus der Geisteswelt.

Über das Bildnis Jesu von Bô Yin Râ von Rudolf Schott. In: Der Maler Bô Yin Râ, S. 174 ff., Kober, Zürich, 1960

 

Der vollständige Text kann hier nachgelesen werden:

MAGISCHE BLÄTTER BUCH IV
CI. JAHRGANG WINTER 2020 / 2021
4. Quartalsausgabe November, Dezember, Januar
gebunden. ISBN-Nr. 978-3-948594-04-6

HEFT 11 | Dezember 2020
TITELTHEMA: WEIHENACHT

https://verlagmagischeblaetter.eu/monatsschrift/magische-blaetter

Bestellt werden können die Magischen Blätter hier: kontakt@verlagmagischeblaetter.eu

 

Was ist nun das Nirvana?

„‘Nirvana, Nirvana‘, so sagt man, Freund Sariputta. Was ist nun das Nirvana, Freund?“

„Was da, Bruder,
das Versiegen von Reiz,
das Versiegen von Abwehr,
das Versiegen von Verblendung ist,
das nennt man Nirvana“.

http://www.palikanon.com/samyutta/sam38.html

Menschenkinder

Die Menschenkinder sind alle Schwestern und Brüder
Aus einem Stoff wie eines Leibes Glieder

Hat Krankheit nur einzig Glied erfasst
So bleibt anderen weder Ruh noch Rast

Wenn anderer Schmerz dich nicht im Herzen brennt
Verdienst du nicht, dass man noch Mensch dich nennt.

Saadi (eigentlich Muscharraf ad-Din Abdullah; * um 1190 – 1283 oder 1291)

Lob der Sonne

Gelobt seist du, mein Herr,
mit allen deinen Geschöpfen,
zumal dem Herrn Bruder Sonne;
er ist der Tag, und du spendest uns das Licht durch ihn.
Und schön ist er und strahlend in großem Glanz,
dein Sinnbild, o Höchster.

Aus dem „Sonnengesang“ des Franz von Assisi

 

Den ganzen Text gibt es hier:

http://www.franziskaner.de/Sonnengesang.23.0.html

 

Geduld üben

Einige Brüder kamen zu einem Altvater, der in der Wüste wohnte, und trafen Kinder an, die das Vieh hüteten und ab und zu sehr häßliche Worte zueinander sagten. Nachdem sie den Greis über ihre eigenen Gedanken befragt und von ihm Antwort erhalten hatten, fragten sie ihn: Wie kannst du das dulden, Vater, daß diese Kinder solche Reden führen, warum verbietest du das nicht? Der Altvater sagte: Wirklich, meine Brüder, auch mir ist schon oft der Gedanke gekommen, ihnen etwas zu sagen. Doch habe ich mich dann jedesmal zurechtgewiesen und gedacht: Wenn ich diese Kleinigkeit nicht ertragen kann, wie will ich dann zu gegebener Zeit eine größere Versuchung ertragen? Ich sagte daher nichts zu ihnen, um mich in Geduld zu üben.

Aus dem „Apophthegmata Patrum“ – Weisung der Väter, einer Sammlung früher Christen