Dreisprung in Echternach

Hören kann man die Musik  der Echternacher Springprozession auch hier: http://springprozession.com/mainframes/dansante.wav

Über die „Echternacher Springprozession“, die jeweils am Dienstag nach Pfingsten stattfindet, heißt es bei „wikipedia“ unter anderem: „Die Prozession beginnt im Hof der ehemaligen Reichsabtei Echternach Dabei stellen sich jeweils fünf Pilger in einer Reihe auf, jeder hält sich an seinem Nachbarn mit Hilfe eines weißen Taschentuchs. Üblicherweise sind die Pilger mit weißem Hemd oder T-Shirt und blauer bzw. schwarzer Hose gekleidet. Gesprungen wird im Rhythmus einer traditionellen Polka-Weise. Diese wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts schriftlich festgehalten, ist jedoch älteren Ursprungs….

Der Begriff „Echternacher Springprozession“ wird im Sinne der Form des „drei Schritte vor, zwei zurück“ für besonders mühsame Prozesse verwendet, bei denen viele Rückschritte zu verzeichnen sind.“

Gepilgert wird zum Grab des Heiligen Willibrord. Mehr Informationen hier: http://springprozession.com/

 

 

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Auf Zehenspitzen durchs Leben gehen

Porträt gemalt von Nikolai Kusnezow | Bildquelle: wikimedia/gemeinfrei

Man kann nicht
aus Angst vor dem Tod
auf Zehenspitzen
durchs Leben gehen.

Pjotr Iljitsch Tschaikowski (1840 – 1893)

P.S. Von Tschaikowski ist allerdings auch überliefert, dass er so panische Angst vor dem Tod hatte, dass die Worte „Sarg“, „Grab“ oder „Beerdigung“ in seiner Gegenwart nicht ausgesprochen werden durften…

Wortannäherungen zu Hannah Buchholz: „Schlaflos“

Schlaflos_Cover

Blick in das Tonnengewölbe des Grabes von Galla Placidia in Ravenna

http://12koerbe.de/mosaiken/rav-01.htm

Wie ein Schutzmantel
ist das Tonnengewölbe
des Grabes von Galla Placidia in Ravenna
über dem Buch „Schlaflos“
und das blaue Halbleinen des Umschlags
ist  kein Mantel des Vergessens, kein Leichentuch.
„Schlaflos“ ist nicht Grab,
„Schlaflos“ ist Auferstehung…

Das Gedicht
ist ein gefährlicher Ort,

doch für heute ist es
meine Rettung.
(h.b.)

Ungewohnte, ungewöhnliche Zeilenfälle
ziehen sich durch den Band
mit den Gedichten von Hannah Buchholz,
die sich als Geschichte in Gedichten präsentiert.
Worte, die gesetzt sind in Zeilen,
die den Leser mitnehmen.
Sie lassen teilhaben an der Geschichte
der Lyrikerin

Aber was ist
die Geschichte hinter den Gedichten?

anwesend und abwesend
gemalt aber nicht abgebildet
angezogen und abgestoßen
im ständigen raschen Wechsel
Versuche zu verstehen
und die Erfahrung von Unverständnis

Doch das einsame Kind,
das kleine wie das große,
kann auch angenommen sein erfahren.

Denn es gibt Anker, es gibt Halt.
Menschen und Orte, die Heimat werden.
In der Natur, am See, mit dem Wind, dem Regen
der Musik.
Und Atemholen gibt es

Die umhüllende Dunkelheit der Nacht
wird zu einem Schutzschirm
mit kosmischer Dimension

Aus dem im Schmerz geborenen Wort
wird Erlösung, wird Erfüllung
Aus Leere wird Fülle
aus Dunkel wird Licht

Tiefe Ein- und Ausblicke,
in einer Sprache von seltener Dichte
und Klarheit in der Suche danach
Unklarheit und Verstörtheit und Irritationen
zu verstehen, zu bearbeiten, zu verarbeiten.
zu verwandeln, zu transformieren

Welche Kraft…

Werner Anahata Krebber , 11.01.2015 / 31.07.2015

Mehr zu „Schlaflos“ und anderen Büchern von Hannah Buchholz hier:

https://hannahbuchholz.wordpress.com/publikationen/

Stirb o Freund, bevor du tot bist

Stirb o Freund, bevor du tot bist, wenn du das ewige Leben willst; allein durch einen solchen Tod erreichte Adris (ein Heiliger) den Himmel vor uns. Du hast dich sehr bemüht, aber noch ist der Schleier der Materie nicht entzwei; denn den wirklichen Tod hast du nicht gefunden. Solange du nicht stirbst, kann dein Kommen und Gehen nicht enden. Bis du nicht die höchste Sprosse der Leiter erklimmst, kannst du den Gipfel nicht erreichen. Oder wie einer, der nur 99 Meter Schnur hat, nicht Wasser in seinen Eimer bekommen kann, wenn der Brunnen hundert Meter tief ist. Bis du den Geist nicht völlig vom Körper zurückziehst, ist der Zyklus der Geburten und Tode nicht beendet. Lass das flammende Licht deiner Lampe (Seele) sich im Glanz des Morgens verlieren. Solange die Sterne nicht verborgen sind, sei versichert, bleibt auch die Sonne außer Sicht. Genau so, o kluger Mensch, tritt der Herr nicht in Erscheinung, solange der Schleier der Materie nicht zerrissen ist. Darum wähle den Tod und reiße den Schleier dadurch entzwei. Dieser Tod ist nicht derselbe, der dich ins Grab bringt. Er ist nur ein Zurückziehen des Geistes – eine Umwandlung, um dir ein nach oben ausgerichtetes Leben zu verleihen.

Jelal-ad-Din Rumi  (1207-1273)