Mich Gottes quitt machen

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Wir sagen, dass der Mensch so arm dastehen soll, dass er für Gott weder eine Heimstatt sei noch bereithalte, in der er wirken möge. Wo der Mensch eine Statt bewahrt, da bewahrt er einen Unterschied. Darum bitte ich Gott, dass er mich Gottes quitt mache, weil mein wesentliches Wesen über Gott steht, wenn wir Gott als Beginn der Kreaturen bezeichnen. Denn in demjenigen Wesen Gottes, in welchem Gott über den Wesen und über den Unterschieden steht, war ich ich selbst, und da wollte ich mich selbst und beschloss, mich zu diesem Menschen zu machen. Darum bin ich meine eigene Ursache nach meinem Wesen, das ewig ist, und nicht nach meinem Gewordensein, das zeitlich ist.

Meister Eckhart (1260-1328)

Aus der Predigt Beati pauperes spiritu, quia ipsorum est regnum coelorum (Matth. 5, 3)

Nicht auf den Finger sehen, wenn wir den Mond betrachten wollen

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Wenn ein Gemälde oder irgendein anderes Kunstwerk adäquat durch irgendein anderes Medium erklärt oder beschrieben werden könnte, so wäre es nicht nötig, dieses Thema mittels Farbe und Form auszudrücken. Aber Worte können nur in die Richtung eines gewissen Erlebnisses oder einer Idee weisen, die den Beginn oder den Anstoß zur Schaffung eines Kunstwerkes gaben. Und in dieser Weise mögen sie dem Betrachter nützlich sein, einen Zugang zum Kunstwerk zu finden. „Worte sind wie der Zeigefinger, der uns die Richtung weist, in der wir den Mond finden können“, sagte einst ein buddhistischer Patriarch. Aber wir müssen nicht auf den Finger sehen, wenn wir den Mond betrachten wollen.

 Lama Anagarika Govinda (1898 – 1985). Abstrakte Kunst. Auszug aus: Schöpferische Meditation und multidimensionales Bewusstsein, Freiburg im Breisgau 1977

 

Der vollständige Text ist hier nachzulesen:

MAGISCHE BLÄTTER BUCH IV
CI. JAHRGANG WINTER 2020 / 2021
4. Quartalsausgabe November, Dezember, Januar
gebunden. ISBN-Nr. 978-3-948594-04-6

HEFT 11 | Dezember 2020
TITELTHEMA: WEIHENACHT

https://verlagmagischeblaetter.eu/monatsschrift/magische-blaetter

Bestellt werden können die Magischen Blätter hier: kontakt@verlagmagischeblaetter.eu

 

Mich Gottes quitt machen

Wir sagen, dass der Mensch so arm dastehen soll, dass er für Gott weder eine Heimstatt sei noch bereithalte, in der er wirken möge. Wo der Mensch eine Statt bewahrt, da bewahrt er einen Unterschied. Darum bitte ich Gott, dass er mich Gottes quitt mache, weil mein wesentliches Wesen über Gott steht, wenn wir Gott als Beginn der Kreaturen bezeichnen. Denn in demjenigen Wesen Gottes, in welchem Gott über den Wesen und über den Unterschieden steht, war ich ich selbst, und da wollte ich mich selbst und beschloss, mich zu diesem Menschen zu machen. Darum bin ich meine eigene Ursache nach meinem Wesen, das ewig ist, und nicht nach meinem Gewordensein, das zeitlich ist.

Meister Eckhart (1260-1328)

 

eckhart_ht

Aus dem Buch „Meister Eckhart – Heilende Texte“. Ausgewählt und kommentiert von Stefan Blankertz. Herausgegeben und eingeleitet von Erhard Doubrawa. Peter-Hammer-Verlag, Wuppertal. Eine Edition des Gestalt-Instituts Köln. Wuppertal 2005

http://www.gestalt.de/meister_eckhart.html

In eigener Sache: 75.000 Zugriffe

75000Die Marke von 75.000 Zugriffen hat dieser Blog seit Beginn im September 2010 jetzt überschritten. Nur so nebenbei zur Information 😉

Vor Liebe überfließen

Wenn du unfähig bist, dich selbst zu lieben, wirst du nie in der Lage sein, irgendwen zu lieben. Das ist eine absolute Wahrheit, die keine Ausnahmen hat. Du kannst andere nur lieben, wenn du dich selbst lieben kannst.
Aber die Gesellschaft verurteilt Eigenliebe. Sie sagt, das sei egoistisch, sie sagt, das sei narzisstisch. Ja, Eigenliebe kann narzisstisch werden, aber sie ist es nicht notwendigerweise. Sie kann narzisstisch werden, wenn sie nie über sich selbst hinausgeht, sie kann eine Art Egoismus werden, wenn sie auf dich selbst beschränkt bleibt. Im übrigen aber ist Eigenliebe der Beginn jeder anderen Liebe.

Ein Mensch, der sich selbst liebt, beginnt früher oder später, vor Liebe überzufließen.

Osho (1931-1990)