Nichts sein, nichts wollen, nichts wissen ~ Gelassenheit bei Meister Eckhart

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Der Mensch stellt in der Gelassenheit sein Sein (er ist nichts), sein Handeln (er will nichts), und sein Erkennen (er weiß nichts) ganz Gott anheim und verzichtet auf jede kreatürliche Selbstversicherung. Das heißt, dass nur derjenige gelassen ist, der sich selbst ganz und gar lässt, also sein Selbstsein in der Welt und die kraft dieses Selbstseins erlangte Versicherung des Heils negiert, ja selbst Gott lässt, insofern er sich etwas darunter vorstellt.

Nikolaus Largier (* 1957) | Meister Eckhart, Werke I, Frankfurt 1993, S. 960

Gibt es ein Selbst?

„Gibt es ein Selbst?“ fragte ein Pilger, der zu Buddha kam. Buddha jedoch schwieg. Ein zweites Mal stellte der Pilger die Frage: „Gibt es ein Selbst?“. Doch wieder schwieg Buddha. Und der Pilger ging ohne eine Antwort

Sein Schüler Ananda fragte ihn daraufhin: „Warum habt Ihr die Frage dieses Pilgers nicht beantwortet?“ Und Buddha entwickelte folgendes:

„Hätte ich ‚Es gibt ein Selbst‘, wäre ich den Lehren gefolgt, die von etwas Ewigem ausgehen. Hätte ich gesagt ‚Es gibt kein Selbst‘ wäre ich den Lehren gefolgt, die alle Existenz negieren. Hätte ich gesagt ‚Es gibt ein Selbst‘ würde dies nicht der Erkenntnis entsprechen, die davon redet, alle Erscheinungen seien ohne ein Selbst. Hätte ich gesagt ‚Es gibt kein Selbst‘ hätte der Pilger gedacht ‚Ich habe kein Selbst mehr‘. Und darüber wäre er in Verwirrung geraten.“