Das Gipfelerlebnis im Tal des Alltags verwirklichen

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Jede Religion entspringt einem Gipfelerlebnis. Dies gilt für ihr innerstes Wesen, aber auch für ihre Entstehung und Entfaltung in der Geschichte. Lehre, Ethik und Ritual, drei Säulen jeder religiösen Tradition, lassen sich auf das mystische Erlebnis zurückführen. Die Lehre ist letztlich der Versuch, seinen Inhalt verstandesmässig zu deuten; die Ethik gibt Anweisungen, wie die beglückende Allzugehörigkeit, die wir auf dem Gipfel erleben, auch im Tal des Alltags willig verwirklicht werden kann; im Ritual feiert die Religion den Gefühlsgehalt mystischer Erfahrung und erreicht ihn sogar in ihren geglücktesten Formen. In Gemüt, Willen und Verstand, entfaltet sich also die Mystik geistig und leiblich in jeder Religion – will sich zumindest so verwirklichen.

David Steindl-Rast in seinem Vorwort zu Abraham H. Maslow: Jeder Mensch ist ein Mystiker. Wuppertal 2014, S. 10

Wahrheiten, Segen und Kraft geschöpft

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Die Mystik ist zugleich mit der Menschheit selbst geboren. Sie ist zugleich mit der Entstehung des Menschenreiches auf Erden offenbar geworden, und sie wird auch mit seiner Vollendung ihr Ziel erreichen.

Als der Urmensch diese irdische Welt betrat, und seine Augen das Licht empfingen; als er zum ersten Male die mannigfache Schönheit und die reizvolle Pracht der Natur um sich herum erschaute, und als er seine Blicke, einem unschuldigen Kinde gleich, nach oben erhebend die Sonne, den Mond und die unzählbaren Gestirne in dem hohen Gewölbe des Himmels betrachtete, da bewegte sich in seinem unbefleckten Herzen ein namenloses Sehnen, ein zartes, bebendes und geheimnisvolles Gefühl der Bewunderung, der Ehrfurcht und der Dankbarkeit. Dies war die Geburt der Mystik in der menschlichen Seele!

Dieses Gefühl können wir noch heute empfinden, besonders, wenn wir schweigend und einsam auf einem Berg stehend, die Natur bewundern, die Morgen- oder die Abenddämmerung erleben, oder in einer klaren Nacht den Himmel betrachten.

Diese Mystik hat nie aufgehört, sich im Leben der Einzelnen, wie auch der Völker, in irgendeiner Form, in dieser oder jener äußeren Hülle zu offenbaren. Sie ist die göttliche Quelle gewesen, aus der alle Religionen ihre Lehre, ihre Wahrheiten, ihren Segen und ihre Kraft geschöpft haben.

Vorwort zu „Leben und Sprüche der Sufi-Meister des Islams“. Aus dem Persischen übersetzt von Hossein Kazemzadeh Iranschähr (1884 – 1962), Berlin 1934

Die Geburt der Mystik in der menschlichen Seele

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Die Mystik ist zugleich mit der Menschheit selbst geboren. Sie ist zugleich mit der Entstehung des Menschenreiches auf Erden offenbar geworden, und sie wird auch mit seiner Vollendung ihr Ziel errichen.

Als der Urmensch diese irdische Welt betrat, und seine Augen das Licht empfinen; – als er zum ersten Male die mannigfache Schönheit und die reizvolle Pracht der Natur um sich herum erschaute, – und als er seine Blicke, einem unschuldigen Kinde gleich, nach oben erhebend die Sonne, den Mond und die unzählbaren Gestirne in dem hohen Gewölbe des Himmels betrachtete, –

da bewegte sich in einem unbefleckten Herzen ein namenloses Sehnen, ein zartes, bebendes und geheimnisvolles Gefühl der Bewunderung, der Ehrfurcht und der Dankbarkeit. Dies war die Geburt der Mystik in der menschlichen Seele.

Vorwort zu „Leben und Sprüche der Sufi-Meister des Islams“. Aus dem Persischen übersetzt von Hossein Kazemzadeh Iranschähr (1884 – 1962), Berlin 1934

Schema der Wiederkehr

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Durchgängig und überall ist das echte Symbol der Natur der Kreis, weil er das Schema der Wiederkehr ist: diese ist in der Tat die allgemeinste Form der Natur, welche sie in Allem durchführt, vom Laufe der Gestirne an, bis zum Tod und der Entstehung organischer Wesen, und wodurch allein in dem rastlosen Strom der Zeit und ihres Inhalts doch ein bestehendes Dasein, d. i. eine Natur, möglich wird.

Arthur Schopenhauer (1788 – 1860) in: Die Welt als Wille und Vorstellung II, 4. Bd., Kap.41.

Mehr hier:
http://www.schopenhauer-buddhismus.de/Schopenhauer_Buddha/Enso_Zen/enso_zen.html

Solidarität mit allen lebenden Wesen

Die Entdeckung und Entstehung der Verbindung zwischen den Religionen und Kulturen der Erde sind wichtige Elemente der Interspiritualität. Das aktive Engagement für diese größere Gemeinschaft ist an sich bereits eine neue Art von Spiritualität. Alle Menschen, die an dieser interspirituellen Gemeinschaft mitarbeiten, sind – ob sie sich dessen bewusst sind oder nicht – damit beschäftigt, diese neue Form des spirituellen Lebens zu entwickeln.

Das Wachstum der gemeinschaftlichen Bande zu fördern, ist eine notwendige spirituelle Aktivität. Es ist ein Akt der Solidarität mit allen lebenden Wesen, ein Akt selbstlosen Dienens und der Prophetie.

Wayne Teasdale (1945 – 2004)

Neue Form spirituellen Lebens

Die Entdeckung und Entstehung der Verbindung zwischen den Religionen und Kulturen der Erde sind wichtige Elemente der Interspiritualität. Das aktive Engagement für diese größere Gemeinschaft ist an sich bereits eine neue Art von Spiritualität. Alle Menschen, die an dieser interspirituellen Gemeinschaft mitarbeiten, sind – ob sie sich dessen bewusst sind oder nicht – damit beschäftigt, diese neue Form des spirituellen Lebens zu entwickeln.

Das Wachstum der gemeinschaftlichen Bande zu fördern, ist eine notwendige spirituelle Aktivität. Es ist ein Akt der Solidarität mit allen lebenden Wesen, ein Akt selbstlosen Dienens und der Prophetie.

Wayne Teasdale (1945 – 2004)

Der Kreis: Schema der Wiederkehr

Durchgängig und überall ist das echte Symbol der Natur der Kreis, weil er das Schema der Wiederkehr ist:

diese ist in der Tat die allgemeinste Form der Natur, welche sie in Allem durchführt, vom Laufe der Gestirne an, bis zum Tod und der Entstehung organischer Wesen, und wodurch allein in dem rastlosen Strom der Zeit und ihres Inhalts doch ein bestehendes Dasein, d. i. eine Natur, möglich wird.

Arthur Schopenhauer (1788 – 1860) in: Die Welt als Wille und Vorstellung II, 4. Bd., Kap.41.

Mehr hier:
http://www.schopenhauer-buddhismus.de/Schopenhauer_Buddha/Enso_Zen/enso_zen.html

Das graphisch verfremdete Foto zeigt eine Lampe im Händel-Museum Halle/Saale.