In Gelassenheit wonnigliche Frucht

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Das Pferd macht den Mist in den Stall, und obgleich der Mist Unsauberkeit und üblen Geruch an sich hat, so zieht doch dasselbe Pferd denselben Mist mit großer Mühe auf das Feld; und daraus wächst der edle schöne Weizen und der edle süße Wein, der niemals so wüchse, wäre der Mist nicht da. Nun, dein Mist, das sind deine eigenen Mängel, die du nicht beseitigen, nicht überwinden noch ablegen kannst; die trage mit Mühe und Fleiß auf den Acker des liebreichen Willens Gottes in rechter Gelassenheit deiner selbst. Streue deinen Mist auf dieses edle Feld; daraus sprießt ohne allen Zweifel in demütiger Gelassenheit edle, wonnigliche Frucht auf.

Johannes Tauler (1300 – 1361) In: Georg Hofmann (Hg.): Johannes Tauler Predigten. Freiburg/Basel/Wien 1961, S. 43 – 44

Spiegel des eigenen Herzens

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Ein Sultan rief, so wird berichtet, Maler in seinen Palast. Eine Gruppe kam aus China, eine andere aus Byzanz. Die chinesischen Maler behaupteten, sie seien die besten Künstler. Und die griechischen haben ihrerseits den Vorrang ihrer Kunst beansprucht. So beauftragte der Sultan beide Gruppen von Künstlern, dass sie zwei gegenüberliegende Wände mit Fresken schmücken sollten. Nun wurde ein Vorhang in der Mitte des Raumes gespannt, so dass die beiden Gruppen nicht sehen konnten, was die jeweils andere tat. Voller Eifer haben die Chinesen alle nur erdenklichen Arten von Malerei angewandt und sich enorm angestrengt. Die Griechen dagegen gingen her und polierten und glätteten die ihnen zugewiesene Wand unaufhörlich.

Als nun der Vorhang weggezogen wurde, konnten die wunderbaren Fresken der chinesischen Maler bewundert werden. Auf der gegenüberliegenden Wand spiegelten sie sich, so dass all die zauberhaften Malereien der Chinesen auf der Seite der Griechen viel schöner erstrahlte.

Die Griechen, das sind die Sufis. Sie sind ohne Studien, ohne Bücher, ohne Bildung. Aber sie haben ihre Herzen geglättet. Sie sind gereinigt von Verlangen, Begehren, Habsucht und Haß. Diese Reinigung eines Spiegels ist ohne jeden Zweifel das Herz, das unzählige Bilder empfängt. Der vollkommene Heilige bewahrt in seinem Innern die unendliche Form ohne Form vom Unsichtbaren, reflektiert im Spiegel seines eigenen Herzens.

Diese Parabel von Rumi (+ 1273) zum Weg der Gotteserkenntnis wurde berichtet in dem Buch von Eva de Vitray-Meyerovitch: Anthologie du soufisme. Paris 1978. Hier von mir verkürzt erzählt aus der Dokumentation des Meditationszentrum Exercitium Humanum in Tholey von einer Pfingsttagung zum mystischen Weg von Juden, Christen und Muslime im Jahr 1980

Herr mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens

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Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
dass ich Liebe bringe, wo man sich hasst,
dass ich Versöhnung bringe, wo man sich kränkt,
dass ich Einigkeit bringe, wo Zwietracht ist,
dass ich Wahrheit sage, wo Irrtum ist,
dass ich den Glauben bringe, wo Zweifel quält,
dass ich die Hoffnung bringe, wo Verzweiflung droht,
dass ich die Freude bringe, wo Traurigkeit ist,
dass ich das Licht bringe, wo Finsternis waltet.

Herr hilf mir, dass ich nicht danach verlange,
getröstet zu werden, sondern zu trösten.
Dass ich nicht danach verlange,
verstanden zu werden, sondern zu verstehen.

Dass ich nicht danach verlange,
geliebt zu werden, sondern zu lieben.
Denn: Wer gibt, der empfängt,
wer verzeiht, dem wird verziehen,
wer stirbt, der wird zum ewigen Leben geboren.

Verfasser unbekannt. Irrtümlich Franz von Assisi zugeschrieben. Mehr hier: http://www.franciscan-archive.org/franciscana/peace.html

Bleibe allein mit dir selber

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Bleibe allein mit dir selber, lauf nicht fort … und suche nichts anderes!
So laufen etliche Menschen, die in dieser inneren Armut stehen, weg, und suchen immer nach etwas anderem, womit sie der Drangsal entgehen können. Das ist gar schädlich.
Oder sie beklagen sich und fragen die Lehrmeister und werden (dadurch) nur noch mehr verwirrt.
Halte dich in dieser Not frei vom Zweifel: nach dem Dunkel kommt der helle Tag, der lichte Sonnenschein.

Johannes Tauler (1300 – 1361) Predigt 41 in: Georg Hofmann (Hg.) Johannes Tauler. Predigten. Freiburg/Basel/Wien 1961, S. 310

Ursache und Wirkung

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Wenn sich dem Heiligen der Dinge Bild
In der Versenkung, wie sie sind, enthüllt,
Dann schaut er, während alle Zweifel schwinden,
Wie Ursache und Wirkung sich verbinden.

Aus den Aphorismen von Buddha, „Udana“ genannt

Der glücklichste Mensch auf Erden

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Es war im siebten Jahr von Hsien-tung (867 u.Z.), als ich zum erstenmal das Studium des Tao (Zen) aufnahm. Wo immer ich ging, stieß ich auf Worte und verstand sie nicht. Ein Haufen Zweifel in mir, verflochten wie die Ruten eines Weinkorbes. Drei Jahre lang hauste ich unglücklich in den Wäldern am Strom. Als es mir unerwartete geschah, den Zen-Meister zu treffen, wie er auf seinem Teppich saß, ging ich auf ihn zu mit der dringenden Bitte, mir die Zweifel zu zerstreuen. Der Meister erhob sich vom Teppich, auf dem er gesessen hatte, tief versunken in Meditation, er entblößte den Arm und gab mit mit der Faust einen Schlag gegen die Brust. Das zersprengte mit einmal den Klumpen Zweifel in mir gänzlich in Stücke. Ich hob meinen Kopf und sah zum erstenmal, dass die Sonne rund war, ein Ball. Seitdem bin ich der glücklichste Mensch auf der Welt, ohne Furcht, ohne Plage. Tagein, tagaus verbringe ich meine Zeit auf die lebendigste Weise. Nur mein Inneres nehme ich wahr, das überquillt von einem Gefühl der Zufriedenheit und Fülle. Nicht länger gehe ich aus, einmal hier-, einmal dorthin, mit meiner Bettelschale um Nahrung.

Rakan Osho (Lohan Hoshung) in “Die Übertragung des Lichtes (Dentoroku), Heft XI. Zitiert in: D.T. Suzuki, Der westliche und der östliche Weg. Berlin 1982, S. 40-41

Eine Frage der Einstellung

Hazrat Inayat Khan

Wenn ein Mensch denkt: „Alles was ich berühre, alles was ich tue, überall, wo ich hinsehe – es ist alles verkehrt“, dann ist bestimmt alles verkehrt, daran gibt es keinen Zweifel. Aber es ist seine Einstellung, die verkehrt ist, und deshalb ist verkehrt, was immer er tut. Es ist, als würde man eine rote Laterne zur Hand nehmen und alle Dinge damit beleuchten: Jedes Objekt wird in dem Licht rot erscheinen, und man wird sich erschrecken und überall Gefahren sehen. Aber die Gefahr befindet sich in der eigenen Hand. Es ist die rote Laterne.

Hazrat Inayat Khan (1882 – 1927)

Mehr zu Sufis, Sufismus etc. am 27. Oktober: https://mystikaktuell.wordpress.com/2019/09/08/sufi-mystik-und-doing-nothing-am-27-oktober-herzliche-einladung/

Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens / Antikriegs-Tag 2019

Text der Wandtafel im Vestibül des Raumes der Stille im Brandenburger Tor, Berlin

 

Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
dass ich Liebe bringe, wo man sich hasst,
dass ich Versöhnung bringe, wo man sich kränkt,
dass ich Einigkeit bringe, wo Zwietracht ist,
dass ich Wahrheit sage, wo Irrtum ist,
dass ich den Glauben bringe, wo Zweifel quält,
dass ich die Hoffnung bringe, wo Verzweiflung droht,
dass ich die Freude bringe, wo Traurigkeit ist,
dass ich das Licht bringe, wo Finsternis waltet.

Herr hilf mir, dass ich nicht danach verlange,
getröstet zu werden, sondern zu trösten.
Dass ich nicht danach verlange,
verstanden zu werden, sondern zu verstehen.

Dass ich nicht danach verlange,
geliebt zu werden, sondern zu lieben.
Denn: Wer gibt, der empfängt,
wer verzeiht, dem wird verziehen,
wer stirbt, der wird zum ewigen Leben geboren.

Irrtümlich Franz von Assisi zugeschrieben. Mehr hier: http://www.franciscan-archive.org/franciscana/peace.html

Der Originaltext hier:

Seigneur, faites de moi un instrument de votre paix.
Là où il y a de la haine, que je mette l’amour.
Là où il y a l’offense, que je mette le pardon.
Là où il y a la discorde, que je mette l’union.
Là où il y a l’erreur, que je mette la vérité.
Là où il y a le doute, que je mette la foi.
Là où il y a le désespoir, que je mette l’espérance.
Là où il y a les ténèbres, que je mette votre lumière.
Là où il y a la tristesse, que je mette la joie.
Ô Maître, que je ne cherche pas tant à être consolé qu’à consoler, à être compris qu’à comprendre, à être aimé qu’à aimer, car c’est en donnant qu’on reçoit, c’est en s’oubliant qu’on trouve, c’est en pardonnant qu’on est pardonné, c’est en mourant qu’on ressuscite à l’éternelle vie.

 

Source: La Clochette, n° 12, déc. 1912, p. 285.

 

Gelassenheit und wonnigliche Freude

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Das Pferd macht den Mist in den Stall, und obgleich der Mist Unsauberkeit und üblen Geruch an sich hat, so zieht doch dasselbe Pferd denselben Mist mit großer Mühe auf das Feld; und daraus wächst der edle schöne Weizen und der edle süße Wein, der niemals so wüchse, wäre der Mist nicht da. Nun, dein Mist, das sind deine eigenen Mängel, die du nicht beseitigen, nicht überwinden noch ablegen kannst; die trage mit Mühe und Fleiß auf den Acker des liebreichen Willens Gottes in rechter Gelassenheit deiner selbst. Streue deinen Mist auf dieses edle Feld; daraus sprießt ohne allen Zweifel in demütiger Gelassenheit edle, wonnigliche Frucht auf.

In: Emmanuel Jungclaussen, Der Meister in dir. Entdeckung der inneren Welt nach Johannes Tauler, Verlag Herder, Freiburg-Basel-Wien 1975

Mehr zu Johannes Tauler am 6. Januar hier: https://mystikaktuell.wordpress.com/2018/12/03/seine-sprache-ist-wie-ein-bergquell-johannes-tauler-im-mystikkreis-am-6-januar-2019/

Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens

 

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Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
dass ich Liebe bringe, wo man sich hasst,
dass ich Versöhnung bringe, wo man sich kränkt,
dass ich Einigkeit bringe, wo Zwietracht ist,
dass ich Wahrheit sage, wo Irrtum ist,
dass ich den Glauben bringe, wo Zweifel quält,
dass ich die Hoffnung bringe, wo Verzweiflung droht,
dass ich die Freude bringe, wo Traurigkeit ist,
dass ich das Licht bringe, wo Finsternis waltet.

Herr hilf mir, dass ich nicht danach verlange,
getröstet zu werden, sondern zu trösten.
Dass ich nicht danach verlange,
verstanden zu werden, sondern zu verstehen.

Dass ich nicht danach verlange,
geliebt zu werden, sondern zu lieben.
Denn: Wer gibt, der empfängt,
wer verzeiht, dem wird verziehen,
wer stirbt, der wird zum ewigen Leben geboren.

 

Irrtümlich Franz von Assisi zugeschrieben. Mehr hier: http://www.franciscan-archive.org/franciscana/peace.html