Öffnung für den gegenwärtigen Gott

Fresko in der Basilika Knechtsteden | Foto: © wak

Mystik baut sich aus zwei Elementen auf: einerseits geht es in ihr um die innere Öffnung für den gegenwärtigen Gott und in ihm um das Finden des jedem Menschen von Gott zugedachten Weges. Andererseits ringt wahre Mystik um die aus der Einheit mit dem göttlichen Willen zu vollziehende Gestaltung der Welt.

Willi Massa (1931 – 2001)

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Gott ist in der Mitte

Foto: © wak

Gott ist gegenwärtig.
Lasset uns anbeten
und in Ehrfurcht vor ihn treten.
Gott ist in der Mitte.
Alles in uns schweige
und sich innigst vor ihm beuge.

Gerhard Tersteegen (1697 – 1769)

Die Stille ist der Wegweiser

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Wir suchen Gott fast immer auf eine intellektuelle Weise. Wir wollen ihn verstehen und wissen, wer er ist und wo er ist. So kann man Gott nicht finden. Gott ist in unseren Herzen. Nur die Stille mit der Ausrichtung nach innen führt dorthin. Die Stille hält die Seele fern von Gedanken und Vorstellungen. In dieser heiligen Stille begegnen wir Christus in uns. Der Friede, der alles Verstehen übersteigt, führt zu Christus in uns. Gottes Gegenwart kann nur aufleuchten, wenn der Verstand still ist. Gott existiert jenseits von Doktrinen. Die Stille ist der Wegweiser. Beständig zum Einen schauen, der immer gegenwärtig ist. Mehr braucht man nicht.

Franz Jalicz (*1927) in: Die Geistliche Begleitung im Evangelium

Unsere Welt heilen

Foto: © wak

Ich spüre ganz stark, dass es die Gnade und die Macht Gottes braucht, um unseren leidenden Planeten zu heilen und zu transformieren. Zu viel ist schon zerstört, zu viel Dunkelheit ist schon gegenwärtig, als dass die Menschheit allein dieses von uns geschaffene Ödland erlösen, das Licht, das wir verloren haben, zurückgewinnen könnte. Nur durch die Liebe und die Gegenwart unseres Geliebten kann unsere Welt geheilt werden.

Llewellyn Vaughan-Lee (*1953)

Den ganzen Text gibt es hier: https://goldensufi.org/g_a_verfinsterung_vier-punkte-plan.html

Den Reichtum Gottes schauen

Wenn einer es verstünde und vermöchte, die Zeit und alles, was in der Zeit in sechstausend Jahren jemals geschah und was noch geschehen wird bis ans Ende, zusammenzuziehen in ein gegenwärtiges Nun, das wäre die „Fülle der Zeit“. Das ist das Nun der Ewigkeit, wo die Seele in Gott alle Dinge neu und frisch und gegenwärtig erkennt, und mit der Lust, die ich jetzt gegenwärtig habe.

Ich las in einem klugen Buch, dass Gott die Welt nun gerade macht, so wie am ersten Tage, als er sie schuf. Hier ist Gott reich, und das ist Gottes Reich. Der Seele, in der Gott geboren werden soll, muss die Zeit entfallen, und sie muss aus der Zeit hinaustreten und wird sich hinauftragen und wird stehen bleiben und diesen Reichtum Gottes anschauen:

Da ist Weite ohne Weite und Breite ohne Breite; da erkennt die Seele alle Dinge und erkennt sie dort vollkommen.

Meister Eckhart (1280 – 1328)

Verflossene Tage

Meister Eckhart-Tür an der Predigerkirche in Erfurt    Foto: © wak

 

Die Tage,
die seit sechs oder sieben
Tagen verflossen sind,
und die Tage,
die da waren
vor sechstausend Jahren,
die sind dem heutigen Tage
so nahe wie der Tag,
der gestern war.
Weil die Zeit
in einem gegenwärtigen Nun ist.

Meister Eckhart (1260 – 1328)

Der Verlust ist der Gewinn

Wo man
durch „nichts“
mehr belohnt wird,
durch nichts Angebbares,
weder außen noch innen,
da ist als dieses „nichts“
in Wirklichkeit Gott gegenwärtig.
Und der endliche Verlust
ist der unendliche Gewinn,
dessen Schätzung eingeübt wird
durch diesen Verlust.
Man „zahlt drauf“
im Leben mit sich selbst.
Und nur um diesen Preis
ist Gott erhältlich.

Karl Rahner SJ (1904 – 1984)