Wir sind Widerhall ewigen Halls

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Ja, wir sind Widerhall ewigen Halls.
Was man das Nichts nennt, ist Wurzel des Alls.
Aber das wollen wir mutig vergessen,
Wollen die Kreise des Da-Seins durchmessen!
Was hier nicht gebunden wird, ist nirgends gebannt.
Wie weit eine Liebe sich spannt
In die Zeit, in die Tat, in das Glück ihrer Erde,
So tief wird sie zeugen im ewigen Werde.

Hans Carossa (1878 – 1956)

Gefunden bei #CressPahl

Umschlossen von Liebe

 

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Du edelstes Grün,
das seine Wurzeln in der Sonne hat
und das in heiterem hellem Glanz
im Kreis leuchtet,
von keiner irdischen Intelligenz zu begreifen.

Du bist umfangen
von der großen Umarmung
der göttlichen Geheimnisse.
Wie die Morgenröte strahlst du
und glühst wie das Feuer der Sonne.
Du Grün bist umschlossen von Liebe.

Hildegard von Bingen (1098 – 1179)

Unser tiefes Verlangen nach Befreiung verwirklichen

Shin’ichi Hisamatsu

Besänftigt und gefaßt
Laßt uns erwachen zum wahren Selbst,
Völlig Erbarmende werden,
Völlig unsere Fähigkeiten nutzen,
Wie immer es unserer Berufung entspricht;
Das Leiden erkennen
Von Mensch und Gesellschaft
Und die Wurzel des Leidens;
Die richtige Richtung erfassen,
Wohin die Geschichte gehen soll.
Wir reichen einander die Hände,
Miteinander verwandt,
Weit jenseits der Unterschiede
Von Rasse, Nation und Klasse.
Laßt uns voll Mitgefühl geloben,
Daß wir unser tiefes Verlangen
Nach Befreiung verwirklichen
Und eine Welt gestalten,
In der alle leben können
In Wahrheit und Fülle.

(Shin’ichi Hisamatsu 1889 – 1980)

Ohne Kommen, Bleiben und Gehen

Die Wurzel aller Phänomene ist dein eigener Geist. Untersuchst du ihn nicht, jagt er – genial im Spiel der Täuschung – den Eindrücken hinterher. Blickst du jedoch direkt in ihn hinein, ist er bodenlos und ohne Ursprung. Seiner Essenz nach ohne Kommen, Bleiben und Gehen.

Jamyang Khyentse Chökyi Lodrö  [Dzongsar Khyentse Chökyi Lodrö] (1896 – 1959)

Die Wurzel unseres Leidens

Die dualistische Eigenschaft des Denkens ist die Wurzel unseres Leidens. Wann immer wir uns als getrennt definieren, entstehen Angst und Abhängigkeit, und wir werden verkrampft, abwehrend und ehrgeizig und verteidigen unser Hoheitsgebiet. Um dieses abgetrennte Selbst zu schützen, scheuchen wir weg, was uns nicht passt, und an anderem krallen wir uns leidenschaftlich fest.

Jack Kornfield (*1945) in: Frag den Buddha und geh den Weg des Herzens. Berlin 2004, S. 68-69

Meister Eckhart, Johannes Tauler und Martin Luther

lutherpfingstenErinnerungstafel in der Leipziger Thomaskirche

Frage: Welchen Einfluss hatte Eckhart auf die mystischen Wurzeln Martin Luthers?

Volker Leppin: Meister Eckhart hatte einen indirekten Einfluss. Er starb noch während ein Inquisitionsverfahren gegen ihn lief. Nachdem er posthum 1329 vom Papst verurteilt worden war, konnten seine Werke nicht so leicht verbreitet werden. Aber viele seiner Predigten sind in eine Ausgabe von Johannes Tauler eingegangen, seines Schülers. Diese Predigtsammlung wurde um 1500 mehrfach gedruckt. Ein Exemplar hiervon hat Luther in den Jahren 1515/16 intensiv studiert. Bestimmte Gedanken, die später prägend für Luther werden, die entwickeln sich im Zuge dieser Lektüre Taulers und darin indirekt auch Meister Eckharts.

Dr. Volker Leppin (*1966) ist evangelischer Theologe und Professor für Kirchengeschichte an der Universität Tübingen.

Das ganze Interview mit ihm ist hier nachzulesen:

https://www.evangelisch.de/inhalte/132810/17-03-2016/meister-eckharts-mystik-und-sein-einfluss-auf-luther 

 

Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich auf diesem Weg ein gutes Pfingstfest!

Werner Anahata Krebber

In Wahrheit und Fülle leben

Besänftigt und gefaßt
Laßt uns erwachen zum wahren Selbst,
Völlig Erbarmende werden,
Völlig unsere Fähigkeiten nutzen,
Wie immer es unserer Berufung entspricht;
Das Leiden erkennen
Von Mensch und Gesellschaft
Und die Wurzel des Leidens;
Die richtige Richtung erfassen,
Wohin die Geschichte gehen soll.
Wir reichen einander die Hände,
Miteinander verwandt,
Weit jenseits der Unterschiede
Von Rasse, Nation und Klasse.
Laßt uns voll Mitgefühl geloben,
Daß wir unser tiefes Verlangen
Nach Befreiung verwirklichen
Und eine Welt gestalten,
In der alle leben können
In Wahrheit und Fülle.

Shin’ichi Hisamatsu (Zen-Meister und Philosoph; 1889 – 1980)

In Wahrheit und Fülle leben

Besänftigt und gefasst
Lasst uns erwachen zum wahren Selbst,
Völlig Erbarmende werden,
Völlig unsere Fähigkeiten nutzen,
Wie immer es unserer Berufung entspricht;
Das Leiden erkennen
Von Mensch und Gesellschaft
Und die Wurzel des Leidens;
Die richtige Richtung erfassen,
Wohin die Geschichte gehen soll.
Wir reichen einander die Hände,
Miteinander verwandt,
Weit jenseits der Unterschiede
Von Rasse, Nation und Klasse.
Laßt uns voll Mitgefühl geloben,
Dass wir unser tiefes Verlangen
Nach Befreiung verwirklichen
Und eine Welt gestalten,
In der alle leben können
In Wahrheit und Fülle.

(Shin’ichi Hisamatsu 1889 – 1980)

Unser Sein lebt im Herzen des deinen

Gott, wir sind eins mit dir. Du hast uns mit dir eins gemacht. Du hast uns zugesagt, dass du in uns wohnst, wenn wir einer den anderen annehmen.

Hilf uns, die Offenheit füreinander zu wahren und für sie zu kämpfen mit all unserer Kraft.

Hilf uns begreifen, dass wir einander nicht verstehen können, wenn wir einander ablehnen.

Gott, wenn wir einer den anderen annehmen, vorbehaltlos und vollständig, mit weit geöffnetem Herzen, nehmen wir dich selber auf, empfangen wir dich, beten wir dich an, bist du es, den wir lieben mit unserem ganzen Sein.

Denn unser Sein lebt im Herzen des deinen, und unser Geist hat seine Wurzeln in deinem Geist.

Erfülle uns mit Liebe, und lass diese Liebe uns unter einander verbinden, wenn auch die Wege, die wir gehen, verschieden sind. Vereine uns in diesem Geist, der dich gegenwärtig macht in der Welt, der dich zum Zeugen jener Wirklichkeit macht, die nicht mehr überschritten werden kann: zum Zeugen der Liebe.

Die Liebe hat alles überwunden, die Liebe siegt.

Thomas Merton (1915–1968)

Es ist ein Ros entsprungen…

advent4Foto: © wak

 

Es ist ein Ros entsprungen
aus einer Wurzel zart,
wie uns die Alten sungen,
von Jesse kam die Art
und hat ein Blümlein bracht
mitten im kalten Winter,
wohl zu der halben Nacht.

Das Röslein, das ich meine,
davon Jesaia sagt,
hat uns gebracht alleine
Marie die reine Magd.
Aus Gottes ewgem Rat
hat sie ein Kind geboren
wohl zu der halben Nacht.

Michael Praetorius (1609) /  Jesaja 11,1a