Erleuchtet wie Meister Eckhart

Eine „Spiritualität für postmoderne Mystikerinnen und Mystiker“ hat die Theologin Sabine Bobert im Mai 2017 in der Erfurter Predigergemeinde vorgestellt. Hier kann der Vortrag nachgehört werden:

 

Mehr Vorträge gibt es hier:
http://www.meister-eckhart-erfurt.de/index.php?id=220

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Meister Eckhart zum Nachhören

Pfarrer Holger Kaffka von der Predigergemeinde in Erfurt weist auf ein hörenswertes Angebot hin:

Beim Kirchentag auf dem Weg im Mai 2017 haben Dietmar Mieth und Sabine Bobert drei
bemerkenswerte Vorträge in der Predigerkirche gehalten:

Dietmar Mieth: „Im Geist und in der Wahrheit“
Biblische Textarbeit zu Johannes 4.
Die Begegnung von Jesus mit der Samaritanerin am Brunnen — übersetzt und ausgelegt
von Meister Eckhart

Dietmar Mieth: Meister Eckhart und Luther

Sabine Bobert: „Erleuchtet wie Meister Eckhart“
Spiritualität für postmoderne Mystikerinnen und Mystiker

Als Audio-Dateien (MP3 können die Vorträge von der nachfolgenden Seite heruntergeladen werden:

http://www.meister-eckhart-erfurt.de/index.php?id=220

Oder hier zu hören:

Dietmar Mieth: „Im Geist und in der Wahrheit“

 

Dietmar Mieth: Meister Eckhart und Luther

 

Sabine Bobert: „Erleuchtet wie Meister Eckhart“

Beginen: Mystik, Verfolgung und Verurteilung

Das reformerische Wirken wie die Mystik der Beginen haben nicht nur Anklang gefunden. Noch 1235 hatte Papst Gregor IX. um Schutz für die Beginen gebeten und ersucht, dass man sie vor unsittlicher Belästigung bewahre. Auch Innozenz IV. ermahnt die Bischöfe von Münster und Osnabrück, die Beginen zu schützen. Aber es ist sicher, dass von Anfang an der „status beginarum“, jener außerhalb von kirchlichen Ordnungen stehender eigene Weg, seit Anfang an eher für Befremden und Unruhe als für Wohlwollen sorgte. So wird bereits in der Synode von Eichstätt etwa 1284 darauf gedrungen, dass zwar die ehrbaren und unbescholten lebenden Beginen zu schützen seien. Dagegen solle man gegen die lasterhaften und verdorbenen mit Strenge vorgehen. Um 1300 bereits droht die Bewegung zu kippen. In ihrer Arbeit stellt Gertrud Neumann fest: „Zu Ausgang des 13. Jahrhunderts liefert das Beginen- und Begardentum der zeitgenössischen, vornehmlich der klerikalen Kritik, neben dem Argument, eine religiös unstabile, gefährdete und untragbare Lebensform zu sein, noch das weitere, dass dieses Leben zu vagierendem Herumtreiben und zu ketzerischer Eigenwilligkeit führe. Dabei wird die Mehrheit der in Selbstbeschränkung lebenden Gemeinschaften dem Verdikt, das wenigen Außenseitern angemessen ist, ohne Unterschied unterworfen.“

So werden 1290 im elsässischen Colmar vom Lektor des Minoritenklosters zwei Beginen und zwei Begarden unter dem Verdacht der Ketzerei festgenommen. Schon 1311 verurteilt das Konzil von Vienne Auffassungen, die von Beginen geäußert wurden.

„Nachdem wir mehrfach über sie solch ungünstigen Urteile und noch andere gehört haben, halten Wir sie mit gutem Recht für verdächtig und glauben, mit Zustimmung des heiligen Konzils, ihre Lebensweise verbieten und vollkommen aus der Kirche Gottes entfernen zu sollen.“ Ausgenommen waren von dem Dekret jene „frommen Frauen, die das Gelübde der Enthaltsamkeit abgelegt oder auch nicht abgelegt haben und ehrsam in ihren Hospizen leben … dass sie weiterhin Buße tun und Gott im Geiste der Demut dienen.“

Das Verbot von Papst Clemens V. saß. Die Inquisition hat dafür gesorgt, dass die Beginen radikal verfolgt wurden. In der Folge dieses Verbotes waren immer mehr Beginen dazu verdammt worden, dass sie entweder ihre Gemeinschaften auflösten oder aber sich – quasi unter Zwang – in Orden einfügten. Dabei war es eine doppelte Gefährdung: Einerseits waren es die immer rigider werdenden Forderungen und Maßnahmen von Kaiser, Kurie und Bischöfen, die darauf drangen eine anerkannte Ordensregel anzunehmen. Andererseits war es die von Anfang an lose Struktur der Bewegung, die zu den Veränderungen führten. Schon Mitte des 14. Jahrhunderts nehmen Beginengemeinschaften beispielsweise die Dritte Regel des Heiligen Franziskus an oder die Augustinerregel. In Essen beispielsweise war es so, dass der 1342 urkundliche Konvent im „Neuen Hagen“ 1839 auf Verlangen des Erzbischofs in die „Kongregation der barmherzigen Schwestern der heiligen Elisabeth“ übergegangen ist. Die letzte Begine dieses Konventes starb 1884, nachdem sie noch 25 Jahre als Vorsteherin eines Armen- und Waisenhauses tätig gewesen war.

Werner Krebber in: Die Beginen –  Mystikerinnen der Tat: Geschichte und Aktualität. Auszug aus der stark gekürzten und aktualisierten Fassung eines Vortrags am 10.10.2007 in der Begegnungsstätte Kleine Synagoge, Erfurt. Anlass war der 800. Geburtstag der Elisabeth von Thüringen.

https://mystikaktuell.wordpress.com/2010/11/21/beginen-mystikerinnen-des-tuns/

Hadewijch von Antwerpen

Vor kurzem hatte ich hier einen Text von Hadewijch:

https://mystikaktuell.wordpress.com/2011/06/27/nacktes-nichts/

Heute habe ich mir in Antwerpen den Beginenhof angesehen und musste gleich an sie denken.

Über sie gibt es einen interessanten Spielfilm, auf den ich hier gern hinweise:

http://www.kino-zeit.de/filme/trailer/hadewijch

Beginen – Mystikerinnen des Tuns

Die „frommen Frauen“ des Mittelalters, als „Beginen“ bekannt, waren sozial engagierte, spirituelle Frauen. Sie entwickelten eine spezifisch weibliche Mystik, vergleichbar in ihren Auswirkungen mit der Spiritualität eines Franz von Assisi und der Mystik eines Meister Eckhart. Mit ihnen formierte sich eine dynamische Frauenbewegung, die sich bereits im 13. Jahrhundert bewähren musste. Diese in der Mystik wurzelnde emanzipatorische Tradition war lange vergessen. Seit einiger Zeit erlebt sie eine Renaissance.

„Die Beguinen waren keine Klosterfrauen, sie legten keine Gelübde ab, waren auch nicht zeitlebens, sondern nur zeitweilig an ihr Haus gebunden, das sie wieder verlassen konnten, um zu heiraten und in die Außenwelt zurückzutreten. Sie beschäftigten sich mit Nähen, Spinnen und Weben, daher jede Beguine einen Spinnrocken mitzubringen hatte … ; ferner mit der Unterweisung der Jugend in weiblichen Handarbeiten, im Lesen, Schreiben und in den Grundlehren der Religion, wobei jedoch die Erweckung und Belebung des religiösen Sinnes bei ihren Pflegebefohlenen die Hauptsache war. Ganz besonders aber widmeten sie sich, gleich den barmherzigen Schwestern und Diakonissen der Jetztzeit, der Krankenpflege in ihrem Hause und außerhalb desselben, daher die größeren und besser dotierten Beguinenconvente auch eigene Krankenhäuser besaßen.“ In altertümlicher Sprache benennt der Historiker Julius Heidemann die Schwerpunkte des Wirkens der Beginen. Waren sie doch nicht nur die erste Frauenbewegung, sondern auch eine kämpferische Reformbewegung und Begründerinen einer spezifisch weiblichen Spiritualität.

Um 1200 u.Z. – wenigstens so viel ist sicher – treten in Belgien die ersten Frauen als Beginen in Erscheinung. Später fassten sie in Holland, der Schweiz, Frankreich und Deutschland Fuß, in Sachsen, Thüringen, Norddeutschland. Franken und Hessen. Ausführliche Darstellungen ihres Wirkens und ihrer Verfolgung gibt es über die Beginen in Luzern und Mainz, in Köln und Straßburg. Noch heute erinnern Straßennamen daran, dass es hier und dort Niederlassungen von Beginen gegeben hat.

Im Zusammenhang mit einer zunehmenden Verstädterung einerseits und einer wachsenden Mitsprache von Laien bei religiösen Themen andererseits, haben sich die Beginen zum „Anwalt einer Kirchenreform unter dem Zeichen der ‚vita apostolica‘“ gemacht, wie der Historiker Ernest William McDonnel klarstellt. „Sie forderten ein Leben in Armut, Einfachheit, Demut und Buße nach dem Vorbild der Urkirche.“ In ihrem Buch „Mystik und Widerstand“ schreibt Dorothee Sölle, die Beginen seien „eines der seltenen Beispiele für eine mystisch inspirierte Lebensform, die von Frauen für Frauen geschaffen worden ist“. Die Aktualität dieser Tradition ist ungebrochen.

In der Aufbruchswelle religiöser Bewegungen des Mittelalters schlossen sich zahlreiche Frauen in Beginengemeinschaften zusammen. Sie lebten entweder alleine oder in kleinen und größeren Konventen von zwei bis zwölf oder 50 Frauen. Dem Haus stand zumeist die „Mater“ vor, die überwiegend von den Frauen selbst gewählt wurde. Allein in Köln, einem Zentrum der deutschen Beginen, waren es um das Jahr 1400 etwa 1.150 Beginen, die in solchen Gemeinschaften lebten, andere blieben weiterhin in ihren Wohnungen oder bei ihren Familien. Zum Teil haben sich die Konvente dadurch erhalten, dass sie von einer Stiftung oder durch Spenden lebten. Andere finanzierten ihren Lebensunterhalt durch handwerkliche Tätigkeiten, was allerdings häufiger zu Konflikten mit den Zünften führte, die in den Frauen eine für sich gefährliche Konkurrenz sahen. Lange vor anderen, die sich Mädchenbildung auf ihre Fahnen schrieben, gingen die Beginen bereits her und machten sich für die Bildung von Mädchen stark. Und das ganz bewusst für jene aus verarmten Familien, denen sie nicht nur den Umgang mit religiösen Werten beibrachten, sondern ihnen auch praktische Unterstützung für die Lebensbewältigung und -planung mit auf den Weg gaben. Für manche Kirchenobere ging die Freiheit dieser Frauengemeinschaft zu weit, was dazu führte, dass sich viele Konvente auflösten oder in Ordensgemeinschaften übergehen mussten, die stärker als die Beginen der kirchlichen Hierarchie untergeordnet waren.

Beginenmystik

„Ursprünglich, exemplarisch, einsam wird sie an Gottes Herz emporgerissen und wehrlos von ihm mitten in die ‚ungetreue Christenheit‘ gestellt; ein Mahnmal des Widerspruchs, das in keine kirchliche Kartothek passt.“ Voller Anerkennung beschrieb der Theologe Hans Urs von Balthasar die Mystik der Mechthild von Magdeburg, die 1210 bis 1299  u.Z .lebte und neben ihren Zeitgenossinnen Gertrud von Helfta, Hadewijch von Antwerpen oder Marguerite Porete als eine der bedeutendsten Vertreterinnen der Beginenmystik gilt. Die spirituelle Eigenständigkeit der Beginen war es dann auch, die zu zahlreichen Konflikten mit der kirchlichen Obrigkeit führte. Marguerite Porete, die wahrscheinlich zu den Zuhörerinnen des Mystikers Eckhart während seiner Zeit in Paris gehörte, musste ihre kompromisslose Theologie mit dem Leben bezahlen; 1310 wurde sie in Paris auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Denn solche als ketzerisch empfundenen Fragen stießen bei kirchlichen Instanzen nicht auf taube Ohren: „Ist die Liebe etwas anderem zu unterwerfen als sich selbst?“ Oder: „Was bedeuten einer zu Nichts gewordenen Seele die Sakramente und Zeremonien der Kirche?“. Ihr „Spiegel der einfachen Seelen konnte nur deshalb über lange Zeit weiter verbreitet werden, weil er anonym tradiert und ihr Name als Autorin nicht mehr genannt wurde.

Einen anderen spirituellen Weg, der nicht nur von enormer Aktualität ist, sondern auch Brücken zu den östlichen Religionen schlägt, ging Hadewijch von Antwerpen im 13. Jahrhundert. Sie beschreibt in ihren Visionen, Gedichten und spirituellen Briefen den Weg des Aufstiegs und der mystischen Einung der Seele mit Gott als einen Weg, der als direkte Nachfolge des menschlichen Lebens Jesu Christi vollzogen werden kann. Sie empfiehlt einen inneren Weg, der „dunkel, nicht vorgegeben“, ist. Neben die „Schule des Liebens im Innern der Seele“, stellt sie eine „Schule des Schweigens“. Immer wieder begibt sie sich in die Spannung von Erkenntnis und Nichtwissen und taucht in die Leere ein. „Eingetraucht ins Nichtwissen, jenseits aller Gefühle, muss ich das Schweigen wahren und bleiben, wo ich bin.“ Oder: „Wenn die Seele allein steht in der uferlosen Ewigkeit, weit geworden, gerettet durch die Einheit, die sie aufnimmt, dann wird ihr etwas Einfaches enthüllt, das Unaussprechliche, das reine und nackte Nichts.“ Die Mystik d Beginen hat eine Kraft, die bis heute wirkt.

Soziale Kompetenz

Von einer „Spiritualität des Helfens“, einer „Mystik des Tuns“, sind die Beginen seit ihren Ursprüngen bewegt worden. So heißt es bei der Beginenmystikerin Mechthild von Magdeburg: „Du sollst die Kranken laben / Und doch selbst nichts haben. / Du sollst das Wasser der, Pein trinken / Und die Liebesglut mit dem Holze der Tugenden entzünden, / Dann wohnst du in der wahren Wüste.“ Die Unmittelbarkeit der Beginenmystik springt über auf die enge Verbindung von mystischer Schau und sozialem Tun, die nicht voneinander zu trennen sind. Denn sie bringen nicht eine Weltflucht mit sich, sondern eine Orientierung an der Option Jesu für die Armen und Schwachen. In dieser Tradition stehen die Beginen. Sehr real ist für sie, was in der Bergpredigt mit den sieben geistlichen und leiblichen Werken der Barmherzigkeit gemeint ist, wie sie im Neuen Testament (Matthäus 25,31 ff) nachzulesen sind: Hungrige speisen, Durstige tränken, Fremde beherbergen, Gefangene und Kranke besuchen, Sterbende begleiten usw. Schon im Mittelalter gehörten die Beginen zu den wenigen, die sich auch außerhalb von Krankenhäusern und Hospizen um die Pflege von Kranken und die Begleitung von Sterbenden bemühten.

Miteinander teilen

1985 erinnerte sich Gertrud Hofmann-Startz, Arztwitwe und Mutter von vier Kindern, in Essen an die Tradition der Beginen, die sie aus dem Aachener und Kölner Raum selbst kannte. Mindestens seit 1288, so las sie, hatte es in Essen Beginen gegeben – und das kontinuierlich bis 1843. Ausgerechnet in Essen lebten bis zu dieser Zeit „die letzten Be ginen im deutschen Westen“, während die männliche Parallelbewegung der Begarden viel früher den permanenten Ketzereivorwürfen seitens der Kirche nicht mehr widerstehen konnten. Für eine der verschiedenen Geistlichen Gemeinschaften innerhalb der Katholischen Kirche, die sie eigentlich für sich gesucht hatte, war Gertrud Hofmann-Startz zu alt. So kam es, dass sie die Bewegung der Beginen 1985 neu begründete. Nachdem sie diesen Entschluss gefasst und umgesetzt hatte, fanden sich Frau en, die ähnliche Intentionen hatten wie sie – Putzfrauen und Sekretärinnen, Hausfrauen und Lehrerinnen, kaufmännische Angestellte und Ärztinnen, Kindergärtnerinnen und Sachbearbeiterinnen. Bald schon kümmerten sie sich um die Nöte der Menschen, die ihnen begegneten. Sahen sie doch, dass sich die soziale wie geistig-spirituelle Suche in den letzten Jahren intensiver geworden war und die Isolation von Menschen immer mehr zugenommen hatte. Sie stießen auf die Frau eines Lebensmüden, der sich von einer Brücke stürzen wollte. Sie und er brauchten dringend Betreuung. Sie fanden das isoliert lebende Nachbarsehepaar, das nicht mehr aus dem Haus kommt, aber dringend Verpflegung benötigt – und Zuwendung. Da ist der einsame Mann im Krankenzimmer, der einen Seelsorger nicht an sein Krankenbett lassen wollte. Doch nachdem eine der Beginen bei ihm im Zimmer war, wollten auch die anderen Kranken mit ihr sprechen. Das sind nur wenige Beispiele aus der konkreten Praxis des Mit- Teilens der Beginen. In einer Zeit, in der einerseits immer mehr Menschen freie Zeit haben, andererseits soziale Netze immer weitmaschiger und löchriger werden, sehen Beginen die Notwendigkeit, sich um andere Menschen zu sorgen, die dringend Hilfe brauchen: Sei es physisch oder psychisch, materiell oder spirituell. Und auch für diese Beginen gilt, dass sie all dies ohne ihre spirituelle Rückbindung („religio“) nicht leisten könnten.

Begineninitiativen heute

Die Zeiten, in denen eine Frauenbewegung wie die der Be ginen in der quasi-klösterlich anmutenden Form notwendig war, sind sicher vorbei. Nicht jedoch jene, in denen Frauen aufgefordert sind, ihre Weltsicht konkret werden zu lassen. Dabei wird eines deutlich: Die Aktualität der mittelalterlichen Beginentradition ist in den letzten Jahren noch greifbarer geworden. Aus wissenschaftlichen Forschungen, aus Vorträgen und Diskussionen in Akademien und Tagungshäusern er- wuchs in den letzten 15 Jahren eine konkret gelebte Praxis. Denn die Neubegründung der Beginentradition in Essen von 1985 blieb nicht die letzte Initiative von Frauen, die sich an die Beginen erinnerten, weitere Frauen traten ebenfalls ihre Nach folge an. 1986 gründeten Frauen in Berlin die »Begine« als Cafe und Kulturzentrum; 1994 ist in Köln der Beginen e.v. gegründet worden, der die Anliegen von Kölner Frauen und Frauenprojekten fördert, die kulturell, wirtschaftlich, sozial, spiritu- ell und gesellschaftspolitisch tätig sind. Ab 1997 galt in Bremen die Realisierung eines Beginenhofes als Leuchtturmprojekt der Expo. 1998 ist im thüringischen Tännich der Beginenhof Lieselotte gegründet worden, der auf der Grundlage der Beginentradition Frauen ein integratives Zusammenleben von Frauen ermöglichen will. Im Jahr 2000 wird die Notburga-Gemeinschaft in Innsbruck kirchlich an- erkannt, und in der Schweiz schließen sich acht Frauen nach der Lektüre von Dorothee Sölles Buch „Mystik und Widerstand“ zu einer Gemeinschaft im Geiste der Beginen zusammen. 2004 wird ein Dachverband gegründet, der bundesweit Begineninitiativen und Frauen-Wohnprojekte unterstützt. Viele Frauen (und manche Männer) haben die reformerischen Ansätze der Beginen als Frauen- und Sozialbewegung sowie die Beginenmystik für sich selbst neu entdeckt. Auf dem Weg des Teilens und Mit-Teilens wollen die Beginen vor allem dabei helfen, Menschen aus den vielfältigen Formen von Isolation herauszuführen und ihnen Perspektiven für ein eben- so selbst-bestimmtes wie erfülltes Leben aufzuzeigen.

Werner Anahata Krebber

Literatur

Baumer-Despeigne, Odette: Hadewijch von Antwerpen. Eine christliche Partnerin im Dialog mit den östlichen Religionen, Privatdruck Baumer-Despeigne 1987

Heidemann, Julius: Die Beguinenconvente Essens. In: Beiträge zur Geschichte von Stadt und Stift Essen. G.D. Baedeker 1886

Hofmann, Gertrud / Krebber, Werner: Die Beginen. Geschichte und Gegenwart, Topos Plus Taschenbuch 530, 2. aktualisierte Ausgabe 2008

McDonnel, Emest William: Stichwort Beginen in: Theologische Realenzyklopädie, Bond V., Walter de Gruyter Verlag 1980, S. 404

Müller, Daniela: Beginenmystik als ketzerische Frauentheologie? In: Lundt, Bea (Hg.: Auf der Suche nach der Frau im Mittelalter. Wilhelm Fink Verlag 1991, S. 213-232

Reichstein, Frank-Michael; Das Beginenwesen in Deutschland. Studien und Katalog, Dr. Köster Verlag 2000

Unger, Helga, Die Beginen – eine Geschichte von Aufbruch und Unterdrückung der Frauen. Herder-Verlag, Freiburg/Br. 2005

Siehe auch: http://www.dachverband-der-beginen.de/

Und hier: http://wernerkrebber.wordpress.com/2009/06/17/beginenhof-auch-in-gelsenkirchen/

Aktualisierte Fassung eines Beitrags, der in „connection special 73: Frauen heute: Magisch, mystisch, mütterlich“ 2004 erschien (S. 64-67)

 

Mehr Texte zu Mystik und Spiritualität hier:

https://mystikaktuell.wordpress.com/2011/12/14/den-weg-zum-selbst-gehen/