Mystik hier und jetzt – Studien- und Praxiskreis

Mystik ist der Grundzug jeder Religion. Jeder mystische Weg ist ein Weg aus einem allzu engen konfessionellen Religionsverständnis heraus. Das muss nicht ein Abschied von der Religion an sich bedeuten, wohl aber sprengt und übersteigt die Mystik alles, was die Religion verdinglichen und festschreiben will.

Und damit Mystik nicht im Kopf bleibt, sondern in die lebendige Praxis kommt, müsste jene Sicht wohl um diese Gedanken ergänzt werden: Die tiefste Form des Miteinander-Teilens geschieht in und durch mystische Weisheit, durch Lehren, Einsichten, Methoden des  spirituellen Lebens  und  deren Früchte.

Namen wie Teresa von Avila, Johannes vom Kreuz, Hildegard von Bingen, Meister Eckhart, Johannes Tauler, Geert Groote, Thomas von Kempen, Bede Griffiths, Thomas Merton und Dorothee Sölle stehen für einen mystischen Strom, der seit 10.000 Jahren wirkt und bis heute nicht zu fließen aufhörte.

In dem Studien- und Praxis-Kreis geht es darum, anhand von Texten aus der mystischen Tradition und kontemplativer Praxis auszuloten, wie aktuell Mystik ist und was sie mit dem konkreten Leben im Hier und Jetzt zu tun hat.

 

Doing Nothing

Absichtslos sein. Sinn und Zweck nicht kennen müssen. Nur horchen, sehen, spüren. Innen und Außen. Die momentane Befindlichkeit des Körpers, der Gefühle, des Verstandes und die Atmosphäre des Raumes, in dem man gerade sitzt oder liegt und wo nichts passiert.

Nichts tun.

Mühelos, ohne jemanden beeindrucken zu wollen. Sitzend auf einem Stuhl, einer Bank, einem Meditationskissen. Oben auf dem Hochstand eines Waldes oder unten auf dem Stein am Ufer eines Sees.

Sehen, hören, riechen, schmecken, es geschieht von allein. Das Rauschen des Windes draußen in dem Bäumen, die zarte Staubschicht auf einer Vase, Licht auf den Blättern einer Pflanze, das Gefühl von Traurigkeit im Bereich    des Bauches.

Nicht-tun ist keine Meditation im herkömmlichen Sinne und doch ist es eine Praxis – eine sehr kraftvolle sogar. Reines Nicht-Tun ist ein Weg, der sich in vielen spirituellen Traditionen wieder findet, auch in der christlichen Mystik. Hier steht er allen gleichermaßen offen, unabhängig von Glaubensrichtung, Herkunft oder Weltsicht.

 Rani Kaluza

 

Wer wir sind:

Werner A. Krebber
* 1954, ist gelernter Buchhändler und hat Theologie und Germanistik studiert. Nach vielen Jahren als Redakteur ist er heute vor allem als Autor und Blogger tätig.
Veröffentlichungen in Büchern, Blogs und Zeitschriften u.a. zu den Themen Beginen und Mystik, Kirche und Welt (Sozialethik, Carl Sonnenschein) Mystik und Spiritualität (Meister Eckhart, Johannes Tauler, Thomas Merton etc.) Kunst und Medien, Sucht und Spiritualität.

mystikaktuell.wordpress.com  |  wernerkrebber.wordpress.com

Rani Kaluza
* 1959, studierte freie Malerei, Autorin, Schneiderin, Malerin. Ihr spiritueller Weg begann 1976 mit einem Buch über Zen. 1988 begegnete sie dem Tibetischen Buddhismus von Chögyam Trungpa. Es folgte intensive Meditations-Praxis, Retreats, u.a. ein zweijähriger Aufenthalt in den USA. 2001 lernte sie den Advaita-Lehrer Samarpan Golden kennen, der sie 12 Jahre als spiritueller Lehrer begleitet hat. Seit 2013 geht Rani einen eigenen spirituellen Weg.

doingnothing.de | facebook.com/doingnothingretreats

Organisatorisches:

Wir treffen uns an jedem  ersten Sonntag im Monat im Kölner Stadtteil Sülz.  An diesen Sonntagen wird für  beides Zeit sein – für stilles kontemplatives Sitzen und für das Studieren mystischer Texte & Themen sowie den gemeinsamen Austausch.

Der Kurs ist auf 12 Teilnehmer beschränkt, bitte vorher anmelden.

Man kann zur Probe einmal unverbindlich dabei sein.

Ein Einstieg ist jederzeit möglich.

Zeiten: 10:00 – ca.15:00   |  Kostenbeitrag: 15,- pro Sonntag

Fragen zum Thema Mystik
Werner A. Krebber
werner.krebber@web.de
Fon: 0209 / 20 56 95

Fragen zum Thema Praxis und ANMELDUNG
Rani Kaluza
weissefeder@netcologne.de
Fon: 0221/ 2406997

Hier können Sie den Flyer von „Mystik hier und jetzt“ herunterladen:

https://de.scribd.com/document/373535678/Mystik-hier-und-jetzt-Studien-und-Praxiskreis-Einsichten-und-Erfahrungen?secret_password=Ss9hY6RXq5uhVIHkVq87

Aktuelle Hinweise zu kommenden Veranstaltungen finden Sie hier:  https://mystikaktuell.wordpress.com/

Bisherige Themen waren:

  • Mystik hier und jetzt
  • Meister Eckhart
  • Wolke des Nichtwissens
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Mystik hier und jetzt – Herzliche Einladung

Startseite des Flyers von „Mystik hier und jetzt“

Am 6. Mai 2018 beginnen Rani Kaluza (doingnothing) und ich in Köln mit einem Studien- und Praxiskreis zum Thema „Mystik hier und jetzt – Mystikerinnen und Mystiker, Erfahrungen und Einsichten“.

Mystik ist der Grundzug jeder Religion. Jeder mystische Weg ist ein Weg aus einem allzu engen konfessionellen Religionsverständnis heraus. Das muss nicht ein Abschied von der Religion an sich bedeuten, wohl aber sprengt und übersteigt die Mystik alles, was die Religion verdinglichen und festschreiben will.

Und damit Mystik nicht im Kopf bleibt, sondern in die lebendige Praxis kommt, müsste jene Sicht wohl um diese Gedanken ergänzt werden: Die tiefste Form des Miteinander-Teilens geschieht in und durch mystische Weisheit, durch Lehren, Einsichten, Methoden des spirituellen Lebens und deren Früchte.

Namen wie Teresa von Avila, Johannes vom Kreuz, Hildegard von Bingen, Meister Eckhart, Johannes Tauler, Geert Groote, Thomas von Kempen, Bede Griffiths, Thomas Merton und Dorothee Sölle stehen für einen mystischen Strom, der seit 10.000 Jahren wirkt und bis heute nicht zu fließen aufhörte.

In dem Studien- und Praxis-Kreis geht es darum, anhand von Texten aus der mystischen Tradition und kontemplativer Praxis auszuloten, wie aktuell Mystik ist und was sie mit dem konkreten Leben im Hier und Jetzt zu tun hat.

 

Fragen zum Thema Mystik
Werner A. Krebber
werner.krebber@web.de
Fon: 0209 / 20 56 95

Fragen zum Thema Praxis und ANMELDUNG
Rani Kaluza
weissefeder@netcologne.de
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Mehr zu „Mystik hier und jetzt“ und Doing Nothing hier:

https://mystikaktuell.wordpress.com/2018/03/11/mystik-hier-und-jetzt-einsichten-und-erfahrungen/

Den kompletten Flyer gibt es hier:

https://de.scribd.com/document/373535678/Mystik-hier-und-jetzt-Studien-und-Praxiskreis-Einsichten-und-Erfahrungen?secret_password=Ss9hY6RXq5uhVIHkVq87

Mystik hier und jetzt – Praxis und Studien

Am 6. Mai 2018 beginnen Rani Kaluza (doingnothing) und ich in Köln mit einem Studien- und Praxiskreis zum Thema „Mystik hier und jetzt – Mystikerinnen und Mystiker, Erfahrungen und Einsichten“.

Mystik ist der Grundzug jeder Religion. Jeder mystische Weg ist ein Weg aus einem allzu engen konfessionellen Religionsverständnis heraus. Das muss nicht ein Abschied von der Religion an sich bedeuten, wohl aber sprengt und übersteigt die Mystik alles, was die Religion verdinglichen und festschreiben will.

Und damit Mystik nicht im Kopf bleibt, sondern in die lebendige Praxis kommt, müsste jene Sicht wohl um diese Gedanken ergänzt werden: Die tiefste Form des Miteinander-Teilens geschieht in und durch mystische Weisheit, durch Lehren, Einsichten, Methoden des spirituellen Lebens und deren Früchte.

Namen wie Teresa von Avila, Johannes vom Kreuz, Hildegard von Bingen, Meister Eckhart, Johannes Tauler, Geert Groote, Thomas von Kempen, Bede Griffiths, Thomas Merton und Dorothee Sölle stehen für einen mystischen Strom, der seit 10.000 Jahren wirkt und bis heute nicht zu fließen aufhörte.

In dem Studien- und Praxis-Kreis geht es darum, anhand von Texten aus der mystischen Tradition und kontemplativer Praxis auszuloten, wie aktuell Mystik ist und was sie mit dem konkreten Leben im Hier und Jetzt zu tun hat.

Doing Nothing

Absichtslos sein. Sinn und Zweck nicht kennen müssen. Nur horchen, sehen, spüren. Innen und Außen. Die momentane Befindlichkeit des Körpers, der Gefühle, des Verstandes und die Atmosphäre des Raumes, in dem man gerade sitzt oder liegt und wo nichts passiert.

Nichts tun.

Mühelos, ohne jemanden beeindrucken zu wollen. Sitzend auf einem Stuhl, einer Bank, einem Meditationskissen. Oben auf dem Hochstand eines Waldes oder unten auf dem Stein am Ufer eines Sees.

Sehen, hören, riechen, schmecken, es geschieht von allein. Das Rauschen des Windes draußen in dem Bäumen, die zarte Staubschicht auf einer Vase, Licht auf den Blättern einer Pflanze, das Gefühl von Traurigkeit im Bereich des Bauches.

Nicht-tun ist keine Meditation im herkömmlichen Sinne und doch ist es eine Praxis – eine sehr kraftvolle sogar. Reines Nicht-Tun ist ein Weg, der sich in vielen spirituellen Traditionen wieder findet, auch in der christlichen Mystik. Hier steht er allen gleichermaßen offen, unabhängig von Glaubensrichtung, Herkunft oder Weltsicht.

Rani Kaluza

 

Wer wir sind:

Werner A. Krebber
* 1954, ist gelernter Buchhändler und hat Theologie und Germanistik studiert. Nach vielen Jahren als Redakteur ist er heute vor allem als Autor und Blogger tätig.
Veröffentlichungen in Büchern, Blogs und Zeitschriften u.a. zu den Themen Beginen und Mystik, Kirche und Welt (Sozialethik, Carl Sonnenschein) Mystik und Spiritualität (Meister Eckhart, Johannes Tauler, Thomas Merton etc.) Kunst und Medien, Sucht und Spiritualität.

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Rani Kaluza
* 1959, studierte freie Malerei, Autorin, Schneiderin, Malerin. Ihr spiritueller Weg begann 1976 mit einem Buch über Zen. 1988 begegnete sie dem Tibetischen Buddhismus von Chögyam Trungpa. Es folgte intensive Meditations-Praxis, Retreats, u.a. ein zweijähriger Aufenthalt in den USA. 2001 lernte sie den Advaita-Lehrer Samarpan Golden kennen, der sie 12 Jahre als spiritueller Lehrer begleitet hat. Seit 2013 geht Rani einen eigenen spirituellen Weg.

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Organisatorisches:

Wir treffen uns an jedem ersten Sonntag im Monat im Kölner Stadtteil Sülz. An diesen Sonntagen wird für beides Zeit sein – für stilles kontemplatives Sitzen und für das Studieren mystischer Texte & Themen sowie den gemeinsamen Austausch.

Der Kurs ist auf 12 Teilnehmer beschränkt, bitte vorher anmelden.

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Zeiten: 10:00 – ca.15:00 | Kosten: 15,- pro Sonntag

Fragen zum Thema Mystik
Werner A. Krebber
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Anmeldungen ab sofort auch hier möglich:

https://www.facebook.com/events/1998176107114359/?acontext=%7B%22ref%22%3A%2222%22%2C%22feed_story_type%22%3A%2222%22%2C%22action_history%22%3A%22null%22%7D

Mystik hier und jetzt – Einsichten und Erfahrungen | Anmeldungen

Anmeldungen ab sofort möglich:

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Siehe auch hier:

https://mystikaktuell.wordpress.com/2018/03/11/mystik-hier-und-jetzt-einsichten-und-erfahrungen/

 

Mystik hier und jetzt – Johannes vom Kreuz „Dunkle Nacht der Seele“ – 4. November in Köln

Zeichnung des Johannes vom Kreuz

Johannes vom Kreuz (1542 – 1591): „Dunkle Nacht der Seele“

Mystik hier und jetzt | Lese- und Praxiskreis | 4. November 2018:

In der „Dunklen Nacht der Seele“ befasst sich Johannes vom Kreuz (1542 – 1591) mit jenen schmerzlichen Lebensphasen, in denen der Mensch Gott scheinbar nicht mehr „erfahren“ kann oder zu finden glaubt. Für den spanischen Mystiker sind es jedoch genau diese Zeiten, in denen der Mensch lernen kann, loszulassen. Und zwar das loszulassen, was sich in seiner bisher gewohnten „Frömmigkeit“, in seinem Denken und Empfinden als zu eng und zu unzulänglich gezeigt hat.

Johannes vom Kreuz wendet sich an Leser, die bereits verstanden haben oder ahnen, dass ehrliche, existentielle Hinkehr zu Gott das Leben ist. Der Mystiker Johannes will helfen, den „alten Menschen“ hinter sich zu lassen. Er ist sicher, dass die Erfahrung der dunklen Nacht ein vertieftes und fruchtbares Dasein für die Mitmenschen bewirken kann. Und er sie damit für den Menschen den „wirklichen Weg nach vorn“ bedeutet.

Am 4. November 2018 wollen wir uns der Aktualität dieser herausfordernden Texte öffnen und versuchen, diese Gedanken für uns fruchtbar werden zu lassen, indem wir sie von den Quellen des Glaubens her reflektieren.

Anmeldungen bitte bis zum 28. Oktober, damit wir genauer planen können:
Rani Kaluza
weissefeder@netcologne.de
Fon: 0221/ 2406997

Informationen auch hier:
https://www.facebook.com/events/1094636377378896/?acontext=%7B%22action_history%22%3A%22[%7B%5C%22surface%5C%22%3A%5C%22page%5C%22%2C%5C%22mechanism%5C%22%3A%5C%22page_upcoming_events_card%5C%22%2C%5C%22extra_data%5C%22%3A[]%7D]%22%2C%22has_source%22%3Atrue%7D

Hier können Sie den Flyer von „Mystik hier und jetzt“ herunterladen:
https://de.scribd.com/document/373535678/Mystik-hier-und-jetzt-Studien-und-Praxiskreis-Einsichten-und-Erfahrungen?secret_password=Ss9hY6RXq5uhVIHkVq87

Organisatorisches:
Wir treffen uns an jedem ersten Sonntag im Monat im Kölner Stadtteil Sülz. An diesen Sonntagen wird für beides Zeit sein – für stilles kontemplatives Sitzen und für das Studieren mystischer Texte & Themen sowie den gemeinsamen Austausch. (Ausnahmsweise fällt der Oktober-Termin aus).

Der Kurs ist auf 12 Teilnehmer beschränkt, bitte vorher anmelden. Kostenbeitrag: 15,– Euro

Wir freuen uns auf Euer / Ihr Kommen:

Rani Kaluza http://doingnothing.de/
Werner A. Krebber https://mystikaktuell.wordpress.com/

 

Bisherige Themen im Kölner Mystikkreis seit Mai 2018:

Mystik aktuell? – Texte aus Tradition und Gegenwart christlicher Mystik
Meister Eckhart: Leben – Wirken – Aktualität
Die Wolke des Nichtwissens
Thomas Merton: Mönch – Poet – Rebell
Beginen: Die Strahlkraft der Mystikerinnen Mechthild von Magdeburg, Hadewijch von Antwerpen, Marguerite Porète

 

Mystische Erfahrungen

Die Essenz aller Religionen ist in ihren mystischen Erfahrungen zu finden. Dieser mystische Weg führt aus der Versenkung zurück in die Welt und in die Weltverantwortung. Er führt in die Aktion, ins Handeln und zum Mitmenschen und ist Grundlage einer Ethik der Liebe, die im anderen Menschen sich selbst erkennt.

Willigis Jäger (*1925)

Der Weg zum Selbst

Wird der Zukunftsmensch ein Mystiker sein? Ja, oder es wird ihn nicht mehr lange geben. Schon über dem Apollotempel im griechischen Delphi stand: “Erkenne dich selbst!” -die Aufforderung an den staunenden Betrachter, der Ur-Frage menschlicher Existenz -„Wer bin ich?“ – nachzuspüren, und gleichzeitig das Angebot, dem mystischen Weg zu folgen. Mystik ist kein spiritueller Sonderweg für weltfremde Eremiten, sondern ein „wegloser Weg“, der uns eintauchen lässt in das einende Sein, die letzte Wirklichkeit, die immer schon in uns ist -verlieren wir sie, sind wir verloren

Wer sich mit Mystik befasst, ist dazu eingeladen, sich in seinem tiefsten Inneren massiv erschüttern zu lassen, sich von gewohnten Bildern und Sichtweisen, von liebgewordenen Vorstellungen und Konzepten zu verabschieden. Er ist dazu eingeladen, jene Begrenzungen zu überschreiten, die ihm oft nicht einmal bewusst sind. Doch das, was diese Erschütterungen hervorruft, ist eigentlich unbeschreiblich. So schreibe ich nachfolgend über dieses eigentlich Unbeschreibliche, das als Mystik seit Jahrtausenden die Menschen bewegt und in allen Religionen zu finden ist. Ich bin mir dabei stets bewusst, dass die Grenzen von Sprache sehr schnell erreicht sind, wenn es um die Beschreibung jener letzten Wirklichkeit und mystischen Erfahrung geht.

Wir meinen alle dasselbe

Es verwundert nicht, dass auch die Begriffe für die Beschreibung dieser Erfahrungen in der mystischen Literatur recht verschieden sind. Manche sprechen von “der letzten Wirklichkeit”, andere vom “Absoluten”, vom “Alles ist Eins”, von “Brahman”, von “Atman”, vom “wahren Ich”, vom “Selbst”, von der “Einheit von allem” usw. All dies sind eben Beispiele, die bezeugen, wie tief die Sehnsucht verankert ist, den Weg zum eigenen Selbst zu beschreiten, ihn zu finden und zu beschreiben. In der Geschichte der Mystik gibt es eine Vielzahl von Erscheinungsformen, die sich durch die unterschiedlichen Religionen ziehen: hinduistische Mystik, die Systeme des Yoga, die Vorsokratiker und philosophischen Schulen Griechenlands seit dem 6. Jahrhundert v.u.Z., jüdische mystische Strömungen wie die Kabbala oder der Chassidismus, die islamischen Mystiker und die des Christentums. Konkret sind es vor allem Ekstase, Einigung und Nicht-Sein, die in mystischen Erfahrungen erfahren werden. Ekstase meint die Öffnung des Ich-Bewusstseins vom Personalen zum Transpersonalen. Einigung beschreibt die mystische Vereinigung mit dem Absoluten. Nicht-Sein meint, dass der Mensch erlebt oder erfährt, wie das Sein in ein reines Nichts hinübergleitet. Namen wie Platon, Plotin und Eckehart, wie Teresa von Avila, Mechthild von Magdeburg und Hildegard von Bingen sind hier nur wenige in einer langen Linie mystischer Traditionen, die uns bis in die Gegenwart führt eine Linie, die leider viel zu oft nicht zur Kenntnis genommen wurde.

Was ist Mystik?

Der Begriff Mystik kommt von dem griechischen Wort “myein” und meint das schließen von Augen, Ohren und Mund, um sich für ein religiöses Grundphänomen zu öffnen. „Augen und Mund schließen – und zwar nicht aus Enttäuschung, sondern aus Verwunderung, als Ausdruck höchster Kommunikation. In der Mystik tritt uns Menschen das Geheimnis entgegen, das erfüllt und dermaßen fasziniert, dass uns nur schweigende Anbetung, Staunen und Verwundern, ganzheitliches Gegenwärtigsein bleibt,“ sagt dazu der Mystik-Kenner Anton Rotzetter. Die Auseinandersetzung mit Mystik zeigt, dass immer mehr Menschen auf der Suche nach tiefster Wahrheit sich auf einen spirituellen Weg aufmachen. Einerseits, weil sie diese Wahrheiten in den institutionalisierten Formen der Großkirchen nicht mehr finden oder sie dort Antworten auf Fragen bekommen, die sie nicht gestellt haben. Andererseits, weil sie auf pseudo-esoterischen Umwegen nicht wirklich “satt” geworden sind, weil ihnen da Selbst-Darsteller den Blick auf das Eigentliche eher verstellt, als geöffnet haben. Den mystischen Weg bezeichnet Ingeborg Wolf dann auch als einen “Weg nach Hause”: “Wenn wir erfahren, wer wir sind, und wenn wir leben, was wir sind, verkörpern wir ewiges Sein, und leben in der Freiheit des Gottmenschen, des Erwachten, des Erleuchteten, des Wiedergeborenen oder des Mystikers. In diesem Zustand gibt es keine Grenzen zwischen den Menschen und den Geschöpfen, er ist Einheit allen Seins in vollkommener Harmonie.”

Herausforderungen unserer Zeit

Zu dem “Einen”, der “letzten Wahrheit” wollen die Menschen seit Jahrtausenden. Die Herausforderungen an die Menschen im dritten Jahrtausend haben sich jedoch sehr verändert. Eine zunehmende Beschleunigung der Lebensumstände ist nur eines von vielen Phänomenen. Gleichzeitig können diese Herausforderungen die Menschen auf den mystischen Weg führen und ihr Schritt-Tempo entschleunigen. Auch hat sich die Lebensqualität in den letzten Jahren weltweit enorm verschlechtert, besonders für die sogenannten Entwicklungsländer, aber mit erschreckenden Folgen auch für uns. “Armut, Korruption, schwere Fehler in der Wirtschaftspolitik, kulturelle Isolation, ethnische Konflikte und das Desinteresse der reichen Nationen sind nach Estes‘ Ansicht die Hauptursachen für die negative Entwicklung in diesen Ländern, soziale Konflikte und bewaffnete Auseinandersetzungen die wahrscheinlichen oder schon sichtbaren Folgen,” heißt es beispielsweise in einer Untersuchung, die Richard Estes von der amerikanischen University of Pennsylvania vorgestellt hat. Bei steigender Arbeitslosigkeit, wachsender Isolation, zunehmender gesellschaftlicher Entsolidarisierung und anwachsenden Scheidungsraten zeigt sich, wie der Einzelne von Bedrohungen und Ängsten herausgefordert wird, denen er oft nur allzu schwer begegnen kann.

Die Sehnsucht vieler Menschen geht daher heute noch stärker dahin, genau diese Fülle des Lebens zu erfahren, die sie so schmerzlich vermissen. Sie wollen eindringen in die tiefste Wirklichkeit, die innerste Wahrheit ihres Seins.

Spiegel und Labyrinth

Zwei Bilder sind es hier vor allem, die ich vor Augen habe, wenn es um Selbst-Erkenntnis und ihre Herausforderungen geht: der Spiegel und das Labyrinth. Im Spiegel sieht der Mensch sich nicht nur selbst, er bekommt gespiegelt, was und wie er ist. Mit dem Blick in den Spiegel hat der Mensch die Möglichkeit, in das Fenster der Seele zu sehen. Darauf einlassen kann er sich, weil der Spiegel neutral, unparteiisch und kompromisslos ist. Es braucht aber die Bereitschaft des Menschen, sich genau anzuschauen, was mit ihm ist, wie es um ihn steht. Und das ganz ehrlich und ungeschminkt, um sich der eigenen Wahrheit stellen zu können. Das Fazit des Spiegels lautet daher: “Ich bin, der ich bin”. Dann kann der Weg hinein ins Labyrinth beginnen – der innerdynamische Prozess der Selbsterkenntnis. Der Weg des Labyrinthes ist schon von seiner Anlage her seit Jahrtausenden ein Weg nach innen, ein Weg zum eigenen Selbst, zur tiefsten Wahrheit. Das Zentrum des Labyrinthes ist aber nicht das letzte Ziel. Denn der Weg des Menschen führt auch wieder zurück, nach außen, in die Welt, mit der sich der Mensch im Labyrinth untrennbar verbunden fühlt, weil er mit ihr untrennbar verbunden ist. Das verhindert beispielsweise, sich in oberflächlicher Selbst-Bespiegelungen und Egozentrik zu verstricken. Für Indianer beispielsweise erfährt der Mensch im Labyrinth die Wahrheit dessen, was geschehen ist, er wird aufgefordert, das innere Potenzial zu erkennen, bestärkt, auf das innere Wachsen zu vertrauen und angeregt, sich selbst bedingungslos zu lieben. Und dies alles mit einem – im wahrsten Sinne des Wortes – “aufrechten” Gang. Das Fazit des Labyrinthes heißt daher: Der Weg nach innen ist der Weg nach außen. Spiegel wie Labyrinth brauchen aber den immer wieder neu entschlossenen Mut zu Aufbruch und Neuanfang desjenigen, der auf der Suche nach sich selbst ist.

Mehr zum Labyrinth hier: https://mystikaktuell.wordpress.com/2011/05/21/labyrinth-das-grose-abenteuer/

Viele Wege, ein Ziel

Trotz mancher Unterschiede in den verschiedenen mystischen Traditionen wollen alle Mystiker ein einziges Ziel erreichen: die letzte, tiefe Wahrheit „schauen“. Sie fordern dazu auf, die engen Grenzen konfessioneller Bekenntnisse zu überschreiten. “Die tiefste Form des Miteinander-Teilens geschieht in und durch mystische Weisheit, durch Lehren, Einsichten, Methoden des spirituellen Lebens und deren Früchte. Ein reifes mystisches Leben ist naturgemäß, ja geradezu organischerweise interspirituell, weil die mystische Reise in der Tiefe des Menschen innere Freiheit und Befreiung entzündet”, betont der Religionswissenschaftler Wayne Teasdale. Und er zeigt die konkreten Auswirkungen auf: “ein tiefes Engagement für Gewaltlosigkeit; Einfachheit des Lebensstils; ein Gefühl von Zusammengehörigkeit mit allen Lebewesen und der Erde selbst; eine spirituelle Praxis des Gebets, der Meditation, der Kontemplation, verbunden mit liturgischen Feiern; Selbsterkenntnis, in der wir uns so sehen, wie wir sind; barmherziges Dienen sowie das Engagement für Gerechtigkeit.”

Mystik – ganz praktisch

Bei der praktischen Umsetzung, wie mystische Erfahrungen gemacht werden könnten, ist Vorsicht angesagt. Die Mystiker selbst geben fast keine praktischen Tipps auf den Weg – so individuell wie ihre eigenen Erfahrungen gewesen sind, sind es auch die jener, die sich auf den weglosen Weg machen. Es ist daher angesagt, behutsam vorzugehen: nur jenen Schritt weiter voranzugehen, der einem selbst gemäß ist.

Dabei wird deutlich: Nicht erst die mystische Erfahrung „an sich“ ist es, die dazu führt, dass sich der Mensch verändert. Schon derjenige, der sich entschließt, den spirituellen Weg zu beschreiten, hat damit bereits die Möglichkeit seiner inneren Transformation in Gang gesetzt. Gehen kann er diesen Weg auf sehr unterschiedliche Weise. Ist der eine eher von einer Meditation im Zen zu erreichen, wird die andere stärker durch kontemplative Formen der Meditation angesprochen. Schweigende Anbetung, Staunen und Verwundern, ganzheitliches Gegenwärtigsein – das bleibt, wenn Menschen mystische Erfahrungen gemacht haben. Und es sind die Chancen des Menschen heute, sich mystischen Wegen und mystischen Erfahrungen zu öffnen. “Du – Ich – Hier – Jetzt”. Immer wieder ist dabei das Gewahr-Werden und Gewahr-Sein durch Selbsterkenntnis und Akzeptanz, die dem Menschen zeigen, dass es keine Trennung gibt, dass er schon längst in der Einheit mit der letzten Wirklichkeit ist.

Der Mystiker der Zukunft

In Erweiterung eines Zitates des Jesuitentheologen Karl Rahner ist meiner festen Überzeugung nach festzuhalten: “Der Mensch der Zukunft wird ein Mystiker sein, oder er wird nicht mehr sein.” Der Mensch der Zukunft wird diesen Weg allerdings nicht allein gehen müssen, weil er sich verbunden weiß mit anderen, die ebenfalls diesen Weg für sich gewählt und beschritten haben. Dabei gilt der Satz von David Steindl-Rast: “Indem wir unsere mystischen Momente mit allem, was sie bieten und verlangen, zulassen, werden wir die Mystiker, die wir sein sollen. Schließlich ist der Mystiker keine besondere Art Mensch, sondern jeder Mensch eine besondere Art Mystiker.”

Werner Anahata Krebber

Literatur

Bancroft, Anne: Mystiker – Wegweiser für die Zukunft, Olten/Freiburg/Br. 1992

Borchert, Bruno: Mystik. Das Phänomen – Die Geschichte – Neue Wege, Königstein im Taunus 1994

Jäger, Willigis: Mystik – Weltflucht oder Weltverantwortung? In: Concilium 30(1994), S. 332-339

Jäger, Willigis: Die Welle ist das Meer. Mystische Spiritualität. Freiburg/Br. 32000

Krebber, Werner: Nim din selbes war. Meister Eckhart und Zen-Buddhismus. In: Buddhismus als Weltreligion. Connection spezial 64, S. 56-59

Krebber, Werner: Erleuchtung im Durchbruch des Nichts. Der Mystiker Johannes Tauler und Zen. In: Buddhismus im Westen. connection special 52, S. 26-28

Mommaers, Paul: Was ist Mystik?, Frankfurt/M. 1979

Steindl-Rast, David: Fülle und Nichts. Die Wiedergeburt christlicher Mystik, München 1986

Suzuki, D.T.: Der westliche und der östliche Weg. Essays über christliche und buddhistische Mystik, Frankfurt/Berlin/Wien 1982

Teasdale, Wayne: Mystik als Überschreiten letzter Grenzen. Eine theologische Reflexion. In: Concilium 35(1999), S. 227-232

Wehr, Gerhard: Europäische Mystik zur Einführung. Hamburg 1995; Wilber, Ken: Wege zum Selbst. Östliche und westliche Ansätze zu personalem Wachstum. München 1991

Wolf, Ingeborg: Mystik. Zen, Kontemplation, Yoga, Kabbala, Sufismus, Taoismus. Praxis und Orientierung im Spiegel von Psychologie, Naturwissenschaft und Gesellschaft. Chance für die Menschheit, Frankfurt/M. 2000

Der Artikel erschien zuerst in „connection special 68: Der neue Mensch“, Oktober-November 2003, S. 26- 29

 

Mehr Texte zu Mystik und Spiritualität hier:

https://mystikaktuell.wordpress.com/2011/12/14/den-weg-zum-selbst-gehen/